Die Ge­fahr, die aus der Hei­mat kam

Der Bre­mer Asyl­skan­dal er­reicht Ber­lin. War­um hat Horst See­ho­fer nicht auf die War­nun­gen der an die We­ser ent­sand­ten Be­am­tin Jo­se­fa Schmid aus Bay­ern re­agiert? Was an­fangs nur aus­sah wie ei­ne re­gio­na­le Be­hör­den­pan­ne, wächst sich aus zur ers­ten gro­ßen Kris

Göttinger Tageblatt - - BLICK IN DIE ZEIT - Von Jörg Köp­ke

Es ist der 30. März, 14.32 Uhr, als Horst See­ho­fers Han­dy piepst. Der Csuvor­sit­zen­de, seit zwei Wo­chen auch neu­er Bun­des­in­nen­mi­nis­ter, hat frei: Es ist Kar­frei­tag. See­ho­fer ahnt nicht, dass ihn so­eben ei­ne Nachricht er­reicht, die ihm noch Pro­ble­me be­sche­ren wird. Die SMS stammt von Jo­se­fa Schmid, ei­ner Frau aus sei­ner baye­ri­schen Hei­mat.

Schmid ist eh­ren­amt­lich Bür­ger­meis­te­rin in Kolln­burg im Baye­ri­schen Wald. Be­rufs­tä­tig ist sie im fer­nen Bre­men, als Lei­te­rin der dor­ti­gen Au­ßen­stel­le des Bun­des­am­tes für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (Bamf). Seit An­fang des Jah­res ar­bei­tet sie dort. Von Wo­che zu Wo­che stößt sie auf neue Un­ge­reimt­hei­ten, auf atem­be­rau­bend vie­le Fäl­le von Asyl­be­wer­bern, die nach ih­rer Ein­schät­zung nie­mals hät­ten an­er­kannt wer­den dür­fen.

Schon seit Wo­chen be­müht sich Schmid ver­geb­lich dar­um, See­ho­fer zu er­rei­chen. Zahl­rei­che Mails an die baye­ri­sche Staats­kanz­lei sind seit An­fang März un­be­ant­wor­tet ge­blie­ben. Jetzt greift Jo­se­fa Schmid zu ih­rem Black­ber­ry-smart­pho­ne und schreibt an die pri­va­te Han­dy­num­mer des Mi­nis­ters: „Wir müs­sen Ih­nen drin­gend per­sön­lich und bit­te ab­so­lut ver­trau­lich (…) un­ge­heu­er­li­che Vor­gän­ge in ei­ner un­glaub­li­chen Di­men­si­on mit Be­weis­mit­teln über­ge­ben, die man nicht igno­rie­ren kann, um ge­wal­ti­gen Scha­den für das gan­ze Land ab­zu­wen­den.“

Ob See­ho­fer die SMS über­haupt wahr­nimmt, ist bis heu­te ab­schlie­ßend nicht ge­klärt. Der CSU-CHEF be­haup­tet, sie nicht zu ken­nen. Schal­te­te er bei Schmid ein­fach auf Durch­zug? Die Frau ist nicht in sei­ner Par­tei, son­dern in der FDP. Und ihr eilt der Ruf vor­aus, ei­ne no­to­ri­sche Ner­ven­sä­ge zu sein.

Aber hat sie des­halb un­recht? Durf­te See­ho­fer, als er schon In­nen­mi­nis­ter war, War­nun­gen ei­ner Au­ßen­stel­len­lei­te­rin des Bamf ein­fach igno­rie­ren?

Seit dem gest­ri­gen Don­ners­tag ist klar: Schmids SMS hat die größ­te Kri­se in der noch sehr kur­zen Amts­zeit See­ho­fers als In­nen­mi­nis­ter aus­ge­löst.

In der Haus­halts­de­bat­te des Bun­des­ta­ges geht See­ho­fer am Mor­gen um 9 Uhr als ers­ter Red­ner der Re­gie­rung in den Ring. Es soll um die Fi­nanz­aus­stat­tung sei­nes In­nen­res­sorts ge­hen. Doch See­ho­fer weiß: Erst mal geht es jetzt um Jo­se­fa Schmid und das Bamf.

See­ho­fers Auf­tritt im Par­la­ment ge­rät zu ei­ner Ver­tei­di­gungs­re­de in ei­ge­ner Sa­che. Der Mi­nis­ter be­tont, der ei­gent­li­che Skan­dal in Bre­men ha­be sich vor sei­ner Amts­zeit er­eig­net – was mit Blick auf die in­zwi­schen an­ge­zwei­fel­ten rund 1200 Asy­l­ent­schei­dun­gen nie­mand in­fra­ge stellt. Doch war­um re­agier­te See­ho­fer, als er schon Mi­nis­ter war, nicht auf Schmid? Und wie­so ver­setz­te das Bamf – in See­ho­fers Amts­zeit – die rüh­ri­ge Be­am­tin „zu ih­rem ei­ge­nen Schutz“zu­rück nach Bay­ern, in ei­ne zen­tra­le Asy­l­ein­rich­tung in Deg­gen­dorf?

„Un­fass­bar“, „un­ge­heu­er­lich“

Seit­her muss See­ho­fer mit dem Ver­dacht le­ben, er ha­be die Auf­klä­rung des „größ­ten Flücht­lings­skan­dals der Re­pu­blik“(Schmid) eher ge­bremst als vor­an­ge­trie­ben. In den Rei­hen von SPD, Grü­nen, Li­be­ra­len, Lin­ken und AFD wird dar­über of­fen ge­feixt. Aber auch in der Uni­on ver­fol­gen vie­le den Fall See­ho­fer/ Schmid auf­fäl­lig emo­ti­ons­los: Hat­te See­ho­fer nicht einst ei­ne „Herr­schaft des Un­rechts“in der Asyl­pra­xis be­klagt? Dann soll er sich doch bit­te be­ei­len, nun, da er selbst die Ver­ant­wor­tung trägt, für Recht und Ord­nung zu sor­gen.

See­ho­fer weiß, dass er jetzt un­ter Druck steht, von al­len Sei­ten. Und er selbst ist es plötz­lich, der an die­sem Don­ners­tag­mor­gen das Wort mit „U“in den Mund nimm. „Für mich“, sagt er im Plenum, „ist die Ein­set­zung ei­nes Un­ter­su­chungs­aus­schus­ses kei­ne Be­dro­hung.“

Zu­vor hat­te ihn sein engs­ter Hel­fer im Mi­nis­te­ri­um, der Par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tär Ste­phan May­er (CSU), dar­in be­stärkt, Bre­men nur ja nicht klein­zu­re­den. Man sei im­mer noch da­bei, die Di­men­si­on des Skan­dals in sei­ner Ge­samt­heit in Er­fah­rung zu brin­gen, sag­te May­er am Don­ners­tag­mor­gen im Deutsch­land­funk. Eins aber ste­he fest: „Das Aus­maß ist enorm.“

Auf die Nach­fra­ge nach der Rol­le von Jo­se­fa Schmid sagt May­er: „Ich ge­be Frau Schmid durch­aus recht, dass die Vor­gän­ge in Bre­men un­ge­heu­er­lich sind, dass sie un­fass­bar sind.“

Eben­so un­fass­bar sind aber of­fen­bar die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­fi­zi­te in­ner­halb des Bamf und zwi­schen Be­hör­den­spit­ze und Re­gie­rung. Im­mer wie­der gab es Hin­wei­se auf Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten – doch bis heu­te ist un­klar, wer die­se Be­rich­te ge­le­sen und wer dar­auf re­agiert hat.

So wur­de ein an Bamf-prä­si­den­tin Jut­ta Cordt adres­sier­ter Be­richt der in­ter­nen Re­vi­si­on des Bamf vom

19. De­zem­ber 2017 zu den Vor­gän­gen in Bre­men nach An­ga­ben der Bun­des­re­gie­rung erst am 21. April 2018 an das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um (BMI) über­mit­telt.

„Da­vor hat­te es punk­tu­el­le In­for­ma­tio­nen über ein­zel­ne Aspek­te des Vor­gangs durch die Ar­beits­ebe­ne des Bamf an die Ar­beits­ebe­ne des BMI ge­ge­ben“, heißt es in ei­ner Ant­wort der Re­gie­rung auf ei­ne schrift­li­che Fra­ge des Vi­zevor­sit­zen­den der Fdp-bun­des­tags­frak­ti­on, Ste­phan Tho­mae. Da­nach ha­be es wei­te­re Be­rich­te zu dem Kom­plex ge­ge­ben, heißt es wei­ter. See­ho­fer selbst ha­be erst am 19. April, nach Durch­su­chun­gen durch die Bre­mer Staats­an­walt­schaft, von den Vor­fäl­len Kennt­nis er­langt.

Der FDP-MANN Tho­mae ver­steht das al­les nicht: „An­ge­sichts der Di­men­si­on des Fal­les hät­te Frau Cordt den In­nen­mi­nis­ter doch spä­tes­tens bei des­sen Be­such des Bamf am

6. April in­for­mie­ren müs­sen.“Tat­säch­lich ließ See­ho­fer es bei die­sem An­tritts­be­such ge­nü­gen, die in ex­trem ho­hem Tem­po ge­wach­se­ne Be­hör­de und ih­re Mit­ar­bei­ter zu lo­ben. Seit drei Jah­ren schon kämp­fe das Bamf mit ei­ner „enor­men Ar­beits­be­las­tung“.

Doch ge­ra­de von ihm, das weiß See­ho­fer, er­war­ten die Leu­te jetzt mehr als nur schö­ne Wor­te. Er ist als In­nen­mi­nis­ter an­ge­tre­ten, um ein paar Din­ge an­ders zu ma­chen: zu be­wei­sen, dass die CSU Ein­wan­de­rungs­fra­gen bes­ser, ef­fek­ti­ver und kon­se­quen­ter lö­sen kann, als es zu­vor die Kanz­le­rin und ihr In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re ge­tan ha­ben. Mit See­ho­fer kam ein Ver­spre­chen ins Spiel: Die CSU be­herrscht die­ses Feld und ver­mei­det je­ne Feh­ler, die sie an­de­ren Par­tei­en im­mer wie­der vor­ge­wor­fen hat.

Es ist die­se Vor­ge­schich­te, die dem Fall nun sei­ne spe­zi­el­le Span­nung gibt: Schei­tert See­ho­fer an sei­nen ei­ge­nen Ver­spre­chen?

Ir­gend­ei­ne Schon­frist je­den­falls, das weiß See­ho­fer jetzt, hat er nicht. Die Li­be­ra­len mach­ten in­zwi­schen klar, dass sie nicht nur die Fäl­le in Bre­men, son­dern die ge­sam­te Flücht­lings­po­li­tik seit 2014 in ei­nem Un­ter­su­chungs­aus­schuss be­han­deln wol­len. „Das wer­den wir nun dem Par­la­ment so vor­schla­gen“, kün­digt FDP-CHEF Chris­ti­an Lind­ner am Don­ners­tag an.

Wir möch­ten die ge­sam­te Flücht­lings­po­li­tik der Re­gie­rung seit 2014 in ei­nem Un­ter­su­chungs­aus­schuss in den Blick neh­men. Chris­ti­an Lind­ner,

FDP-CHEF

In Wahr­heit wür­de sich ei­ne Kon­zen­tra­ti­on auf Bre­men loh­nen. Denn hier, an der We­ser, lässt sich ein­drucks­voll zei­gen, was al­les schief­ge­hen kann, wenn ei­ne gut ge­mein­te Flücht­lings­po­li­tik mit­samt ih­ren über­for­der­ten Be­hör­den in ei­nen un­barm­her­zi­gen Pra­xis­test ge­rät.

Seit Jah­ren eilt der Han­se­stadt der Ruf vor­aus, be­vor­zug­te An­lauf­stel­le für Asyl­be­wer­ber zu sein, die ei­gent­lich gar nicht asyl­be­rech­tigt sind. Im­mer wie­der ge­riet Bre­men an den Pran­ger: Nir­gend­wo in Deutsch­land, heißt es in der Sze­ne, sei die Ab­schie­be­quo­te so nied­rig und die An­er­ken­nungs­quo­te so hoch.

Und tat­säch­lich: Die Schutz­quo­te für Ira­ker et­wa lag im kleins­ten deut­schen Bun­des­land um mehr als ein Drit­tel über dem Bun­des­schnitt. Fast je­der ira­ki­sche An­trag­stel­ler er­hielt in Bre­men vol­len Schutz­sta­tus – An­er­ken­nungs­quo­te: 96 Pro­zent. Kurden aus dem Li­ba­non, der Tür­kei, Sy­ri­en und dem Irak wur­den zu An­ge­hö­ri­gen der ver­folg­ten Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft der Je­si­den er­klärt – und eben­falls rei­hen­wei­se durch­ge­winkt.

Als Jo­se­fa Schmid im Ja­nu­ar 2018 ih­ren Di­enst in Bre­men an­tritt, sind vie­le der heik­len Vor­gän­ge in­tern längst be­kannt. Ers­te Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren lau­fen. Schmid stürzt sich in die Ar­beit. Sie taucht im­mer tie­fer in die Fäl­le ein – und ent­deckt im­mer neue, im­mer haar­sträu­ben­de­re De­tails.

Schon nach we­ni­gen Ta­gen im Amt stößt sie auf die Ak­te von Mo­ha­mad M. Ein Asyl­kri­mi brei­tet sich vor ihr aus. Der ge­lern­te Bä­cker stammt aus Sy­ri­en. Am 30. Ju­ni 2015 reist er über Grie­chen­land in die Bun­des­re­pu­blik ein. Er gibt sich als Je­si­de aus und stellt am 21. Ju­li ei­nen Asyl­an­trag. Kei­ne vier Wo­chen spä­ter wird er als Flücht­ling an­er­kannt. „Auf­grund des er­mit­tel­ten Sach­ver­halts ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die Furcht des An­trag­stel­lers be­grün­det ist“, heißt es im Be­scheid.

Ei­ne Über­prü­fung gibt es nicht. Die Bre­mer Be­hör­den­mit­ar­bei­ter blen­den aus, dass Mo­ha­mad M. als Be­rufs­sol­dat für den sy­ri­schen Ge­heim­dienst und die Po­li­zei ge­ar­bei­tet hat und dies in sei­nem Fra­ge­bo­gen so­gar an­gibt. Nie­mand schaut ge­nau­er hin. Und so wird auch ve­res kannt, dass Mo­ha­mad M. un­ter Be­ob­ach­tung des Bre­mer Staats­schut­zes steht. Mehr­fach war er be­reits Ge­sprächs­the­ma im Ge­mein­sa­men Ter­ror­ab­wehr­zen­trum in Ber­lin. Auf Face­book po­sier­te Mo­ha­mad M. mit Waf­fen und Sym­bo­len der Ter­ror­mi­liz „Is­la­mi­scher Staat“(IS).

Am ver­gan­ge­nen Mon­tag ging ein Warn­hin­weis an al­le deut­schen Ver­fas­sungs­schutz­äm­ter: Mo­ha­mad M. steht un­ter Ter­ror­ver­dacht. Doch in­zwi­schen hat man ihn, den an­er­kann­ten Asyl­be­wer­ber, aus den Augen ver­lo­ren.

Wie konn­ten in Bre­men so gro­ße Schlupf­lö­cher ent­ste­hen? An­fangs hieß es, Gut­men­schen sei­en wohl am Werk ge­we­sen. Schmid aber hegt schnell den Ver­dacht, dass ih­re Vor­gän­ge­rin als Amts­lei­te­rin ver­mut­lich nicht nur aus rei­ner Men­schen­lie­be Ge­set­ze ge­beugt und Flücht­lin­ge un­ge­prüft ein­ge­schleust hat. Bre­men, ver­mu­tet Schmid, ist ein Fall von in­ter­na­tio­na­ler Kor­rup­ti­on ge­wor­den, ein be­zahl­tes Schlupf­loch.

Im­mer wei­te­re du­bio­se Fäl­le tun sich vor ihr auf. Sie fin­det Hun­der­te von Ak­ten, in de­nen sich Mit­glie­der li­ba­ne­sisch-kur­di­scher Groß­fa­mi­li­en eben­falls als Je­si­den aus­ge­ben. Schmid no­tiert, „kri­mi­nel­le Clan­struk­tu­ren“wür­den be­wusst ge­dul­det und un­ter­stützt.

Hat Geld die Hän­de ge­wech­selt? Sind Bamf-mit­ar­bei­ter be­droht wor­den? Hoch­ran­gi­ge Er­mitt­ler der in­zwi­schen ein­ge­schal­te­ten Bun­des­be­hör­den schlie­ßen nichts mehr aus. In Bre­men kon­trol­liert der Mi­riClan seit Jah­ren das il­le­ga­le Ge­schäft mit Waf­fen, Dro­gen und Zwangs­pro­sti­tu­ier­ten. Selbst Tei­le der städ­ti­schen Ver­wal­tung und Po­li­zei sind an­geb­lich vom Mi­riClan un­ter­wan­dert.

Am 25. Fe­bru­ar ver­fasst Jo­se­fa Schmid ih­ren Be­richt: 99 Sei­ten, die

Die Schmid hat schon im­mer ge­wusst, wie sie ih­ren Be­kannt­heits­grad stei­gern kann.

Ein Metz­ger­meis­ter aus dem baye­ri­schen Kolln­burg in sich ha­ben. Prä­zi­se und de­tail­liert legt sie dar, wie seit 2015 min­des­tens 3332 Asyl­an­trä­ge ge­neh­migt wur­den – ob­wohl Bre­men in die­sen Fäl­len gar nicht zu­stän­dig war oder die An­ga­ben der Flücht­lin­ge nicht ein­mal an­satz­wei­se stimm­ten. Doch all­zu lan­ge gin­gen al­le Adres­sa­ten auf Tauch­sta­ti­on: die Bamf-spit­ze in Nürn­berg, dann See­ho­fer.

Was nun? Kön­nen sich die Spit­zen von Be­hör­den und Re­gie­rung am En­de da­mit her­aus­re­den, Schmid hät­te „den Di­enst­weg ein­hal­ten“sol­len, ein Hin­weis, der be­reits oft zu hö­ren war? Oder stürzt am En­de noch ein Bun­des­in­nen­mi­nis­ter über die SMS ei­ner ein­fa­chen Amts­lei­te­rin?

Flei­ßig, streb­sam, ver­bis­sen

Jo­se­fa Schmid gilt als ge­wis­sen­haft, flei­ßig und streb­sam. Im Job ern­tet sie Best­no­ten. Für ei­nen Mann an ih­rer Sei­te bleibt da kei­ne Zeit. „Ich bin mit mei­ner Ar­beit ver­hei­ra­tet“, sagt sie. Nach­barn und Freun­de schil­dern ei­ne wei­te­re Fa­cet­te. Sie be­schrei­ben sie als ver­bis­sen, schil­lernd und gel­tungs­be­dürf­tig. Sie macht selt­sa­me Sa­chen. In der Frei­zeit schmet­tert sie Schlager auf Youtu­be, be­wirbt sich in der Mu­sik-cas­ting­show von Die­ter Boh­len oder lässt von sich in Un­ter­wä­sche Fo­tos für das Män­ner­ma­ga­zin „Pent­house“ma­chen. Hoch­schul­ab­schlüs­se sam­melt die pas­sio­nier­te Dirndl-trä­ge­rin wie man­che Men­schen Wol­per­tin­ger. Sie ist Di­plomJu­ris­tin, Po­li­tik­wis­sen­schaft­le­rin, Di­plom-ver­wal­tungs­wir­tin, Fi­nanz­wir­tin, Wirt­schafts­me­dia­to­rin und Fach­jour­na­lis­tin.

„Die Schmid“, sagt ein Kolln­bur­ger Metz­ger­meis­ter, „hat schon im­mer ge­wusst, wie sie ih­ren Be­kannt­heits­grad stei­gern kann.“

Eins zu­min­dest steht fest: Sie ist nicht der Typ, der sich ver­steckt. Viel­leicht lag der größ­te Feh­ler von See­ho­fer und sei­nem Bamf in dem Ver­such, Schmid nach all ih­ren Hin­wei­sen und War­nun­gen nach Deg­gen­dorf ab­zu­schie­ben, in die baye­ri­sche Pro­vinz.

Die Frau, das ah­nen jetzt al­le, wird nicht schwei­gen. Bei den Land­tags­wah­len im Ok­to­ber will Schmid für die FDP in den baye­ri­schen Land­tag ein­zie­hen. Der CSU und ih­rem Vor­sit­zen­den droht Ge­fahr in der Hei­mat.

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„Für mich ist die Ein­set­zung ei­nes Un­ter­su­chungs­aus­schus­ses kei­ne Be­dro­hung“: Horst See­ho­fer im Bun­des­tag.

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Eh­ren­amt­li­che Bür­ger­meis­te­rin im baye­ri­schen Kolln­burg – und zeit­wei­li­ge Amts­lei­te­rin der Flücht­lings­be­hör­de in Bre­men: Jo­se­fa Schmid.

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