Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men ganz mo­dern

Heinz-wal­ter Gro­ße, Vor­stands­chef der B. Braun Melsun­gen AG, re­fe­riert an der PFH

Göttinger Tageblatt - - REGIONALE WIRTSCHAFT - Von Mat­thi­as Hein­zel

Göt­tin­gen. Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men – das Wort klingt ein we­nig nach Be­tu­lich­keit, Lang­sam­keit und nicht ge­ra­de nach Mo­der­ni­tät. Dass es aber ganz an­ders lau­fen kann, zeigt das Me­di­zin­tech­nik­un­ter­neh­men B. Braun Melsun­gen AG. Des­sen Vor­stands­chef Prof. Heinz-wal­ter Gro­ße er­läu­ter­te am Mitt­woch, wie das geht.

Gro­ße, vor 40 Jah­ren in das Melsun­ger Un­ter­neh­men ein­ge­stie­gen, sprach am Mitt­woch­abend auf Ein­la­dung der Pri­va­ten Hoch­schu­le

Sie glau­ben ja gar nicht, wie Sie Mit­ar­bei­ter mo­ti­vie­ren kön­nen, wenn Sie sie lo­ben. Prof. Heinz-wal­ter Gro­ße, Vor­stands­vor­sit­zen­der der B. Braun Melsun­gen AG

PFH vor Stu­den­ten. Sein The­ma: „B. Braun als Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men er­folg­reich im glo­ba­len Markt“. Wie er­folg­reich, un­ter­mau­er­te Gro­ße mit ei­ni­gen Zah­len: Für die ers­te Um­satz­mil­li­ar­de, sag­te der Vor­stands­vor­sit­zen­de, ha­be B. Braun von sei­ner Grün­dung im Jahr 1839 bis 1989 ge­nau 150 Jah­re be­nö­tigt, für den Schritt auf zwei Mil­li­ar­den ge­ra­de ein­mal wei­te­re neun Jah­re. Der­zeit, so Gro­ße nicht oh­ne Stolz, dau­ert es bis zum nächs­ten Mil­li­ar­den­zu­wachs et­wa zwei bis zwei­ein­halb Jah­re.

Das ge­he nur durch In­ter­na­tio­na­li­sie­rung und da­mit Glo­ba­li­sie­rung: In 64 Län­dern der Er­de ver­fügt das Un­ter­neh­men über Stand­or­te, grö­ße­re wei­ße Fle­cken auf der Land­kar­te gibt es nur an den Po­len, in Grön­land und in Afri­ka. In Deutsch­land be­tra­ge der Um­satz 1,2 Mil­li­ar­den Eu­ro, im rest­li­chen Eu­ro­pa 2,2 Mil­li­ar­den, auf dem ame­ri­ka­ni­schen Kon­ti­nent zwei Mil­li­ar­den und in Asi­en 1,3 Mil­li­ar­den, in Afri­ka hin­ge­gen nur 200 Mil­lio­nen. Wenn bei ei­ner Be­völ­ke­rung von 4,5 Mil­li­ar­den Men­schen in Asi­en dort der Um­satz nur ge­ring­fü­gig hö­her sei als in Deutsch­land mit sei­nen gut 80 Mil­lio­nen Men­schen, sag­te Gro­ße, „ist klar, wo un­se­re Ent­wick­lungs­chan­cen lie­gen“.

Selbst pro­du­zie­ren statt zu­kau­fen

In­ter­na­tio­na­li­sie­rung sei ein Er­folgs­fak­tor, ein an­de­rer das ei­ge­ne Pro­du­zie­ren der von B. Braun ver­trie­be­nen me­di­zin­tech­ni­schen Pro- duk­te, statt sie zu­zu­kau­fen. In 26 Län­dern welt­weit, sag­te Gro­ße, un­ter­hal­te sein Un­ter­neh­men ei­ge­ne Pro­duk­ti­ons­wer­ke. Und: „80 Pro­zent un­se­res Um­sat­zes ma­chen wir dort, wo wir auch pro­du­zie­ren.“Im Schnitt 47 Pro­zent der selbst her­ge­stell­ten Wa­ren pro­du­zie­re B. Braun für die je­wei­li­gen lo­ka­len Märk­te.

Bei Aus­schrei­bun­gen zei­ge sich zu­dem häu­fig, dass die­je­ni­gen Un­ter­neh­men im Vor­teil sei­en, die über die Pro­duk­ti­on di­rekt zu der Wert­schöp­fung in dem je­wei­li­gen Land bei­trü­gen. Auch die et­wa 7000 B. Braun-mit­ar­bei­ter in den USA sei­en vor­wie­gend in der Pro­duk­ti­on tä­tig.

Nur et­wa 30 Pro­zent der Pro­duk­te dort wür­den im­por­tiert, er­klär­te Gro­ße. Den­noch wür­den die von den USA ge­plan­ten Straf­zöl­le das Un­ter­neh­men stark be­las­ten, soll­te B. Braun sol­chen Zöl­len un­ter­wor­fen wer­den. Gro­ße: „Das wä­ren et­wa 50 Mil­lio­nen Eu­ro. Mit Frei­han­del hat das nichts mehr zu tun.“Auch der der­zeit schwa­che Dol­lar wir­ke sich ne­ga­tiv aus: Wäh­rend die Fir­ma in an­de­ren Re­gio­nen der­zeit um durch­schnitt­lich sechs Pro­zent wach­se, herr­sche in der Eu­ro­zo­ne Null­wachs­tum.

Gut auf­ge­stellt füh­le sich das Un­ter­neh­men auch, weil das Ei­gen­ka­pi­tal das auf­ge­nom­me­ne Ka­pi­tal deut­lich über­schrei­te. Da­mit ha­be man bei den Ban­ken ei­nen gu­ten Stand. Au­ßer­dem in­ves­tie­re B. Braun in gro­ßem Um­fang. So sei das In­ves­ti­ti­ons­vo­lu­men von 807 Mil­lio­nen Eu­ro im Jahr 2016 auf 969 Mil­lio­nen im ver­gan­ge­nen Jahr ge­stie­gen. In den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren ha­be sei­ne Fir­ma welt­weit et­wa 4,5 Mil­li­ar­den Eu­ro in­ves­tiert. Sehr po­si­tiv ha­be sich auch aus­ge­wirkt, dass die Fir­men­lei­tung früh­zei­tig, näm­lich schon in den frü­he­ren 1980er Jah­ren, die Mög­lich­kei­ten des Ein­sat­zes von Com­pu­tern er­kannt und ge­nutzt ha­be.

Für den Er­folg des Fa­mi­li­en­un­ter­neh­mens B. Braun, führ­te Gro­ße wei­ter aus, sei­en aber auch eher wei­che Fak­to­ren aus­schlag­ge­bend. „Sie glau­ben ja gar nicht,“er­klär­te der Vor­stands­chef den Stu­den­ten: wie Sie Mit­ar­bei­ter mo­ti­vie­ren kön­nen, wenn Sie sie lo­ben.“Sei­ne Über­zeu­gung: „Nur wer lobt, hat auch das Recht zu kri­ti­sie­ren.“

FO­TO: RICH­TER

„Nur wer lobt, hat auch das Recht zu kri­ti­sie­ren“: Heinz-wal­ter Gro­ße, Vor­sit­zen­der des Vor­stands der B. Braun Melsun­gen AG, spricht an der PFH.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.