Ei­ne Mil­li­on Con­tai­ner feh­len: An­le­ger in­ves­tie­ren in Luft

Staats­an­walt­schaft er­mit­telt ge­gen frü­he­re und heu­ti­ge Ge­schäfts­füh­rer der Fir­ma P&R we­gen Be­trugs­ver­dachts – 54 000 An­le­ger ge­schä­digt?

Göttinger Tageblatt - - WIRTSCHAFT - Von Chris­ti­ne Schult­ze und Ste­fan Knopf

Mün­chen. Bei der in­sol­ven­ten In­vest­ment­fir­ma P&R aus Mün­chen ha­ben An­le­ger mög­li­cher­wei­se über Jah­re hin­weg Geld in Schiff­scon­tai­ner ge­steckt, die gar nicht exis­tier­ten. Das geht aus der bis­he­ri­gen Be­stands­auf­nah­me des vor­läu­fi­gen In­sol­venz­ver­wal­ters Micha­el Jaf­fé her­vor. Die Staats­an­walt­schaft Mün­chen I hat des­halb jetzt Er­mitt­lun­gen un­ter an­de­rem we­gen Be­trugs­ver­dachts ge­gen frü­he­re und heu­ti­ge Ge­schäfts­füh­rer des Un­ter­neh­mens auf­ge­nom­men, wie die Be­hör­de am Don­ners­tag mit­teil­te.

Nach An­ga­ben Jaf­fés und der Staats­an­walt­schaft steht den 1,6 Mil­lio­nen Schiff­scon­tai­nern, die über vier zu P&R ge­hö­ren­de Ver­wal­tungs­ge­sell­schaf­ten an rund 54000 An­le­ger ver­kauft wur­den, ei­ne Flot­te von nur rund 600 000 Con­tai­nern ge­gen­über. Fast zwei Drit­tel der ver­kauf­ten Con­tai­ner sind dem­nach gar nicht vor­han­den. Al­ler­dings müss­ten sämt­li­che An­ga­ben noch über­prüft wer­den, hieß es. Soll­ten sich die Zah­len be- stä­ti­gen, dürf­te es sich um den größ­ten An­la­ge­be­trug in der Ge­schich­te der Bun­des­re­pu­blik han­deln.

P&R hat­te die Con­tai­ner über­wie­gend an Pri­vat­an­le­ger ver­kauft und um­ge­hend wie­der zu­rück­ge­mie­tet. Die An­le­ger er­hiel­ten wäh­rend der Lauf­zeit Miet­zah­lun­gen, zu­dem ver­sprach ih­nen P&R, die Con­tai­ner am En­de der Ver­trags­lauf­zeit mit ent­spre­chen­den Ab­schlä­gen zu­rück­zu­kau­fen. P&R hat­te be­reits im Jahr 1975 mit dem Ge­schäft be­gon­nen.

Er­mitt­lungs­grup­pe „Con­tai­ner“

„Die Fehl­ent­wick­lun­gen be­gan­nen vor mehr als zehn Jah­ren“, teil­te In­sol­venz­ver­wal­ter Jaf­fé am Don­ners­tag mit. „Im Jahr 2010 be­trug die Dif­fe­renz zwi­schen den ver­kauf­ten und den vor­han­de­nen Con­tai­nern be­reits rund 0,6 Mil­lio­nen. Der­zeit wird auf­ge­ar­bei­tet, wie sich die Be­stands­dif­fe­renz über die Jah­re ent­wi­ckelt hat.“

Im Früh­jahr 2018 stock­ten plötz­lich die Zah­lun­gen an die An­le­ger, im März muss­te P&R In­sol­venz an­mel­den. Da­mals hieß es, die Miet­ein­nah­men, die P&R von Ree­dern oder Lea­sing­ge­sell­schaf­ten für die Con­tai­ner er­hielt, reich­ten nicht aus, um die ver­ein­bar­ten Zah­lun­gen an die An­le­ger zu de­cken. Da­mals war von For­de­run­gen in Hö­he von 3,5 Mil­li­ar­den Eu­ro die Re­de.

An­ge­sichts der Ver­fah­rens­grö­ße hat die Staats­an­walt­schaft ei­ne Ar­beits­grup­pe „Con­tai­ner“ge­bil­det. Die Er­mitt­ler ha­ben nach Aus­kunft ei­ner Spre­che­rin ei­ne grö­ße­re Zahl von Be­schul­dig­ten im Vi­sier.

Jaf­fé rief die An­le­ger da­zu auf, Ru­he zu be­wah­ren und die Fort­schrit­te in den ein­zel­nen In­sol­venz­ver­fah­ren ab­zu­war­ten. „Wir tun al­les da­für, um den Scha­den der An­le­ger so ge­ring wie mög­lich zu hal­ten, dies setzt aber vor­aus, dass sich die Be­tei­lig­ten trotz der schwie­ri­gen Si­tua­ti­on im ei­ge­nen wirt­schaft­li­chen In­ter­es­se ra­tio­nal ver­hal­ten.“

Trotz der enor­men Dif­fe­renz zwi­schen ver­kauf­ten und vor­han­de­nen Schiff­scon­tai­nern stell­ten letz­te­re ei­nen „sub­stan­zi­el­len Wert“dar. Es gel­te nun, die Miet- und die spä­te­ren Ver­kaufs­er­lö­se für ei­ne best­mög­li­che Be­frie­di­gung der An­sprü­che der An­le­ger zu si­chern und zu rea­li­sie­ren.

Wir tun al­les da­für, um den Scha­den für die An­le­ger so ge­ring wie mög­lich zu hal­ten. Micha­el Jaf­fé, vor­läu­fi­ger In­sol­venz­ver­wal­ter

FO­TO: DPA

Con­tai­ner im Ham­bur­ger Ha­fen: „Fehl­ent­wick­lung be­gann vor mehr als zehn Jah­ren.“

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