Kunst­ver­mitt­ler be­grü­ßen Kuqua-ent­wick­lung

Gro­ßes In­ter­es­se an Kunst­quar­tier / Bedenken we­gen mög­li­cher Kür­zun­gen der För­de­rung

Göttinger Tageblatt - - GÖTTINGEN - Von Pe­ter Krü­ger-lenz

Göt­tin­gen. Ver­tre­ter der Göt­tin­ger Kunst­sze­ne äu­ßern sich zu der neu ent­flamm­ten De­bat­te um das Kunst­quar­tier (Kuqua). Al­le Be­frag­ten äu­ßern sich po­si­tiv zum Bau ei­ner Aus­stel­lungs­hal­le. Bedenken kom­men we­gen mög­li­cher Kür­zun­gen der För­de­rung der be­reits tä­ti­gen Initia­ti­ven.

Um ei­ne Mil­li­on Eu­ro wird sich der Bau des Kuqua wohl ver­teu­ern, bis zu ei­ner Mil­li­on Eu­ro will der Eichs­fel­der Un­ter­neh­mer Hans Ge­org Nä­der bei­steu­ern. Das ha­be er per Mail in Aus­sicht ge­stellt, ver­kün­de­te Göt­tin­gens Ober­bür­ger­meis­ter Rolf-ge­org Köh­ler (SPD) bei der Sit­zung des Ra­tes.

Der Göt­tin­ger Ga­le­rist Oli­ver Ah­lers be­grüßt die­se Ent­wick­lung. „Auf je­den Fall wei­ter­ma­chen“, sagt Ah­lers. „Wenn Leu­te mit­ma­chen, die Geld ha­ben, ist das gut.“Ge­ra­de in die­ser Zeit von Mi­gra­ti­on und Rechts­ruck sei „Kul­tur noch wich­ti­ger. Da soll­ten sechs Mil­lio­nen Eu­ro kein Pro­blem sein.“Über die Kos­ten­stei­ge­rung zeigt er sich nicht über­rascht, „das war doch klar“. Ah­lers’ Ga­le­rie be­fin­det sich an der Düs­te­ren Stra­ße in un­mit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft des Grund­stücks, auf dem das Kuqua ge­baut wer­den soll.

„Tol­le Be­rei­che­rung“

Hel­mut Wen­zel, Ge­schäfts­füh­rer des Kunst­ver­eins Göt­tin­gen, nennt die an­ge­kün­dig­te Nä­der-spen­de ei­ne „po­si­ti­ve Ent­wick­lung, weil sie der Dis­kus­si­on die Spit­ze nimmt“. Er schätzt das Kuqua als „un­glaub­lich tol­le Be­rei­che­rung der Mu­se­ums- und Aus­stel­lungs­land­schaft. Für den Kunst­ver­ein bie­te das Pro­jekt ei­ne „wun­der­ba­re Per­spek­ti­ve“, denn er kön­ne viel­leicht in das Kunst­quar­tier in­te­griert wer­den. Im­mer­hin pro­du­zie­re sei­ne In­sti­tu­ti­on „fünf durch­fi­nan­zier­te Aus­stel­lun­gen jähr­lich“. Über die Fol­ge­kos­ten, die ein Be­trieb des neu­en Aus­stel­lungs­ge­bäu­des bräch­ten, müss­te al­ler­dings noch nach­ge­dacht wer­den, so Wen­zel.

Dar­auf ver­weist auch Rein­hard Irmscher, Vor­sit­zen­der des Ver­eins Künst­ler­haus, der das Lich­ten­berg­haus, Got­mar­stra­ße 1, ver­wal­tet und des­sen Zweck die För­de­rung von Künst­lern aus der Re­gi­on Süd­nie­der­sach­sen ist. Gleich zu Be­ginn be­tont Irmscher, dass das Kuqua in­ner­halb des Künst­ler­hau­ses durch­aus kon­tro­vers dis­ku­tiert wür­de. Er als Vor­sit­zen­der ver­tritt die Mei­nung, dass es „grund­sätz­lich sinn­voll ist, ei­nen Aus­stel­lungs­raum zu ha­ben, so wie das Kuqua kon­zi­piert ist“. Als pro­ble­ma­tisch sieht Irmscher al­ler­dings die Be­triebs­kos­ten bei lau­fen­dem Be­trieb an. „Ich weiß, was Aus­stel­lun­gen kos­ten“, er­klärt Irmscher. Soll­ten bei­spiels­wei­se Wer­ke Us-ame­ri­ka­ni­scher Fo­to­gra­fen aus­ge­stellt wer­den, kä­men „hor­ren­de Sum­men“zu­sam­men. Soll­te das Kuqua erst er­öff­net sein, kön­ne es nach ei­nem hal­ben Jahr nicht wie­der ge­schlos­sen wer­den. Dann müss­ten sich die Ver­ant­wort­li­chen bei der Stadt um neue Geld­quel­len um­se­hen – und könn­ten nur im städ­ti­schen Haus­halt fün­dig wer­den, so Irmscher. Die städ­ti­sche För­de­rung des Künst­ler­hau­ses sei bis 2021 fest­ge­legt. Was da­nach kom­me, sei un­klar. Und fragt Irmscher auch, „ob Göt­tin­gen grund­sätz­lich ein gu­ter Stand­ort für Bil­den­de Kunst ist“.

Bei Kun­st­in­sti­tu­tio­nen au­ßer­halb Süd­nie­der­sach­sens ist üb­ri­gens der Plan, in Göt­tin­gen ei­ne Aus­stel­lungs­hal­le auf­zu­bau­en, kaum an­ge­kom­men, wie ei­ne Ta­ge­blatt-um­fra­ge er­gab. Aus dem Um­feld der Kunst­ver­ei­ne in Kas­sel und Han­no­ver wuss­te nie­mand da­von, wohl aber Bet­ti­na Ruhr­berg, Che­fin des Mön­che­haus-mu­se­um in Gos­lar. Der Steidl-ver­lag sei doch ein Leucht­turm in der Re­gi­on und der Bau der Kunst­hal­le „ein groß­ar­ti­ges Pro­jekt“, er­klär­te sie. „Al­les, was die Kunst in der Re­gi­on stärkt, be­grü­ße ich.“Und meint Blick auf Göt­tin­gen füg­te sie an;: „In Sa­chen Kunst gibt es noch Luft nach oben.“

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