Tau­sen­de Fäl­le – und kein En­de: Der Bre­mer Bamf-skan­dal

Göttinger Tageblatt - - BLICK IN DIE ZEIT -

■ 8. No­vem­ber 2013: Zwei Je­si­den aus dem Irak be­an­tra­gen bei der Bamf-au­ßen­stel­le Ol­den­burg Asyl. Weil sie po­li­tisch nicht ver­folgt wer­den, lehnt die Be­hör­de den An­trag ab. Die Je­si­den kla­gen da­ge­gen.

■ Som­mer 2014: Über­ra­schend schal­tet sich die Bamf-au­ßen­stel­le Bre­men ein. Das Ver­fah­ren sei „klag­los zu stel­len“, ent­schei­det Au­ßen­stel­len­lei­te­rin Ul­ri­ke B. Es ist of­fen­bar der ers­te von Tau­sen­den Fäl­len, auf wel­che die Lei­te­rin Ein­fluss neh­men wird.

■ 11. Ju­li 2014: Der Lei­ter der Au­ßen­stel­le Fried­land und Ol­den­burg schickt ei­nen Be­schwer­de­brief. Er weist auf zahl­rei­che du­bio­se Fäl­le in Bre­men hin. Weil er un­ge­hört bleibt, sam­melt er die Fäl­le und lei­tet sie nach Nürn­berg wei­ter – oh­ne Re­ak­ti­on.

■ Au­gust 2015: Die Bre­mer Au­ßen­stel­len­lei­te­rin Ul­ri­ke B. setzt sich an ei­nem Sonn­tag in gleich 25 Fäl­len da­für ein, dass Ira­ker, die ei­gent­lich hät­ten ab­ge­scho­ben wer­den müs­sen, blei­ben dür­fen. ■ Ju­ni 2016: Ul­ri­ke B. ge­währt ei­nem Staa­ten­lo­sen Schutz, oh­ne von ihm Fin­ger­ab­drü­cke neh­men zu las­sen – ein Rechts­bruch. Bad Se­ge­berg be­schwert sich.

■ Som­mer 2016: Ul­ri­ke B. ver­ei­telt die Ab­schie­bung meh­re­rer Je­si­den nach Bul­ga­ri­en aus Nie­der­sach­sen. Die Lei­te­rin wird ab­ge­setzt, es kommt zu ei­nem Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren.

■ 23. März 2017: Die Bamf-zen­tra­le be­en­det das Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren und stellt an­geb­lich nur vier Ver­feh­lun­gen fest. Die Zen­tra­le glaubt der Aus­sa­ge von Ul­ri­ke B., sie ha­be aus rei­ner Men­sch­lich­keit ge­han­delt, und be­lässt sie in ih­rer Bre­mer Di­enst­stel­le. ■ 2. Ju­ni 2017: Ein Ober­re­gie­rungs­rat der Bre­mer Au­ßen­stel­le schickt ei­nen Brand­brief nach Nürn­berg. Er legt das gan­ze Aus­maß des Asyl­miss­brauchs dar. Adres­siert ist das Schrei­ben an Ru­dolf Knorr, Lei­ter ope­ra­ti­ver Be­reich, die rech­te Hand von Bamf-che­fin Jut­ta Cordt.

■ Herbst 2017: Die ho­hen Bre­mer An­er­ken­nungs­quo­ten lö­sen ei­ne Stich­pro­ben­un­ter­su­chung aus.

■ 13. No­vem­ber 2017: Das Bamf er­stat­tet Straf­an­zei­ge. Die Staats­an­walt­schaft er­mit­telt.

■ 1. Ja­nu­ar 2018: Jo­se­fa Schmid wird Che­fin in Bre­men.

■ 30. März 2018: Schmid bit­tet In­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer per SMS, ihn über wei­te­re Ver­feh­lun­gen in­for­mie­ren zu dür­fen.

■ 19. April 2018: Das Er­mitt­lungs­ver­fah­ren wird erst­mals öf­fent­lich be­kannt.

FO­TO: DPA

„Das Ver­fah­ren ist klag­los zu stel­len“: Ein Bamf-stem­pel für den An­kunfts­nach­weis.

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