So­zio­kul­tur trifft Krea­tiv­wirt­schaft

Co-working, Ate­liers und Stu­di­os: Die Krea­ti­ve­ta­ge in der Mu­sa hat den Be­trieb auf­ge­nom­men

Göttinger Tageblatt - - REGIONALE WIRTSCHAFT - Von Chris­toph Hö­land

Göt­tin­gen. Et­wa 1000 Qua­drat­me­ter für Ate­liers, Stu­di­os und Bü­ros: Im Göt­tin­ger Kul­tur­zen­trum Mu­sa hat in der so­ge­nann­ten Krea­tiv-eta­ge der Be­trieb be­gon­nen. Sie bie­tet Raum für So­lo­selbst­stän­di­ge und Klein­un­ter­neh­mer aus der Krea­tiv­wirt­schaft – und soll gleich­zei­tig auf die struk­tur­schwa­che West­stadt ab­strah­len.

Ar­beits­tref­fen im Co-workings­pace: Schumm­ri­ges Licht fällt durch die Ober­lich­ter der eins­ti­gen Brot­fa­brik auf et­wa 15 Krea­ti­ve, die ge­ra­de dis­ku­tie­ren, wie und ob sie als neue Mie­ter der Krea­tiv-eta­ge auch den Stadt­teil vor­an­brin­gen kön­nen und wol­len. Als Tisch dient ei­ne auf­ge­bock­te al­te Holz­tür, dar­auf ste­hen Kaf­fee­tas­sen – die At­mo­sphä­re ist ent­spannt, nie­mand wird laut, al­le du­zen sich.

„Wir sind jetzt voll­zäh­lig, nun müs­sen wir uns erst­mal ken­nen­ler­nen und ab­schät­zen, wie wir zu­sam­men­ar­bei­ten kön­nen“, so fasst Krea­tiv-eta­gen-in­itia­to­rin Ti­ne Tie­de­mann den Sinn des Tref­fens spä­ter zu­sam­men. Denn die Mie­ter kom­men aus teils sehr un­ter­schied­li­chen Bran­chen: Gra­fi­ker, Fil­mer, Fo­to­gra­fen, Bil­den­de Künst­le­rin­nen und Künst­ler zäh­len eben­so da­zu wie Jour­na­lis­tin­nen, Tex­te­rin­nen, Büh­nen­aus­stat­te­rin­nen, Sieb­dru­cker und Hand­wer­ker.

Ti­ne Tie­de­mann, In­itia­to­rin

Tie­de­mann ar­bei­tet schon lan­ge im Kul­tur­zen­trum Mu­sa. Zugleich en­ga­giert sie sich für die Göt­tin­ger West­stadt. „Wir mer­ken, das es dem Stadt­teil nicht gut geht“, sagt Tie­de­mann. Beim Tref­fen, dass be­reits die zwei­te Zu­sam­men­kunft al­ler Nut­zer ist, geht es des­halb vor al­lem um ei­nen Vor­schlag, den Tie­de­mann den Krea­ti­ven macht: Sie hat ei­ne An­schub­fi­nan­zie­rung ge­si­chert, mit de­ren Hil­fe könn­te ein Mo­dell für ei­ne mög­li­cher­wei­se in der West­stadt ent­ste­hen­de Fun­sport­hal­le ent­wi­ckelt wer­den. „Wir kön­nen ver­ant­wort­lich sein, die­sen Stadt­teil mit­zu­ent­wi­ckeln“, legt sie den Teil­neh­mern der Dis­kus­si­on na­he.

Ei­ni­ge re­agie­ren skep­tisch: „Ich ste­he mit­ten­drin in mei­nem Job, zwei St­un­den täg­lich ab­zu­schnei­den wird schwie­rig“, schil­dert ei­ner der Krea­tiv-eta­gen-nut­zer. An­de­ren geht es ähn­lich: „Um mich hier ein­zu­brin­gen, muss das ir­gend­wie fi­nan­ziert wer­den“. „Am En­de der Ket­te muss es be­zahlt wer­den“, sagt auch Ul­rich Drees. Er ist Vor­sit­zen­der des Göt­tin­ger Krea­ti­ven-netz­werks „Stell­werk“und en­ga­giert sich eben­falls für die Krea­tiv-eta­ge. Er be­tont zugleich: „Klar lebt es da­von, dass wir in Vor­leis­tung ge­hen.“

Drees und Tie­de­mann ha­ben ein Vor­bild aus Han­no­ver vor Au­gen: Vor ei­ni­gen Jah­ren ha­ben sich dort ei­ni­ge Ska­ter zu­sam­men­ge­tan und auf ei­ner Brach­flä­che ei­nen klei­nen Skate­park na­mens „Platz­pro­jekt“ein­ge­rich­tet. Spä­ter folg­ten ei­ni­ge Con­tai­ner mit Ate­liers für Künst­ler, mitt­ler­wei­le sei­en meh­re­re Agentu- ren und Pla­nungs­bü­ros dort an­säs­sig, wäh­rend zugleich der Stadt­teil ei­nen An­lauf­punkt für Krea­ti­ve ha­be, so Drees.

Ähn­li­ches schwebt Tie­de­mann auch für die West­stadt vor: „Wir kön­nen et­was schaf­fen, was Wirt­schaft bringt, aber auch in den Stadt­teil wirkt“, ist sie über­zeugt. Zugleich gel­te: „Die Mu­sa kann hier nicht al­les al­lei­ne ma­chen“. Des­halb könn­ten die neu ein­ge­zo­ge­nen Krea­ti­ven sich auch in der Um­ge­bung aus­le­ben. Ei­ne Chan­ce sei da­bei die Fun­sport­hal­le, ei­ne an­de­re die Ein­rich­tung von Be­trie­ben und Ate­liers in den wei­te­ren Ge­bäu­den im Um­feld der Mu­sa. Auch ei­ne Bar am Lein­eu­fer sei ei­ne Op­ti­on. Die bie­te ei­ner­seits „der Omi aus dem Blüm­chen­vier­tel die Mög­lich­keit, ei­nen Kaf­fee zu trin­ken, und lockt an­de­rer­seits viel­leicht ei­nen Krea­ti­ven raus aus sei­nem Ar­beits­zim­mer in die West­stadt“, sagt Tie­de­mann – und ver­weist auch auf Ar­beits­plät­ze, die so ent­ste­hen könn­ten.

„To­tal span­nend“nennt die Jour­na­lis­tin Ca­ro­lin Schäuf­fe­le sol­che Vor­schlä­ge. Sie teilt sich mit ei­ner Part­ne­rin ei­nes der Bü­ros und ist über­zeugt: „Das birgt si­cher für uns Krea­ti­ve Po­ten­zi­al, was Jobs und Pro­jekt­ma­nage­ment an­be­langt“. Zugleich be­tont sie, schon jetzt mit dem Ein­zug in die Krea­tiv-eta­ge zu­frie­den zu sein: „Hier herrscht ein krea­ti­ves Fee­ling vor, stän­dig triffst du Leu­te, die wis­sen wo­von du sprichst.“

Die Mu­sa kann hier nicht al­les al­lei­ne ma­chen.

FO­TO: HÖ

Dis­kus­si­ons­freu­dig: das Tref­fen der neu­en Nut­zer in der Krea­tiv-eta­ge.

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