Ein wich­ti­ger Schritt der EZB

Göttinger Tageblatt - - WIRTSCHAFT - Von Al­brecht Scheu­er­mann

Die eu­ro­päi­schen Wäh­rungs­hü­ter ha­ben am Don­ners­tag be­schlos­sen, was von vie­len er­war­tet wur­de – und das ist gut so. Die Zen­tral­bank macht da­mit ei­nen wich­ti­gen Schritt in Rich­tung Nor­ma­li­sie­rung der Geld­po­li­tik und zeigt zugleich, dass sie sich durch neue po­li­ti­sche Ent­wick­lun­gen in Eu­ro­pa nicht be­ir­ren lässt. Wenn die EZB war­ten wür­de, bis es in Eu­ro­pa kei­ne Fi­nanz­pro­ble­me mehr gibt, wür­de die Kurs­kor­rek­tur auf den Sankt-nim­mer­leins-tag ver­scho­ben.

Die Ent­schei­dung, die An­lei­hen­käu­fe vor­aus­sicht­lich zum Jah­res­en­de ein­zu­stel­len, ent­springt frei­lich nicht nur der öko­no­mi­schen Weis­heit, son­dern ist auch schlich­te Not­wen­dig­keit. Durch die jah­re­lan­gen An­käu­fe von Staats­an­lei­hen ist die EZB nicht nur zum größ­ten Gläu­bi­ger der Eu­ro-län­der ge­wor­den, son­dern nä­hert sich auch den Gren­zen, die es für die­ses Pro­gramm gibt. Die No­ten­ban­ken der Eu­ro-zo­ne dür­fen nicht mehr als ein Drit­tel der öf­fent­li­chen An­lei­hen der ein­zel­nen Staa­ten be­sit­zen, die­ser Punkt ist man­cher­orts bald er­reicht.

Das Aus­lau­fen der Käu­fe dürf­te da­zu füh­ren, dass die Zin­sen bei den län­ge­ren Lauf­zei­ten zu­min­dest et­was stei­gen. Für die Spa­rer, die ihr Geld nur kurz­fris­tig an­le­gen, wird sich da­ge­gen nicht viel än­dern. Schließ­lich hat EZB-CHEF Ma­rio Draghi klar­ge­stellt, dass die No­ten­bank­zin­sen min­des­tens bis Mit­te 2019 auf dem jet­zi­gen Ni­veau blei­ben. Dies be­deu­tet, dass die Ban­ken wei­ter­hin Zins be­zah­len müs­sen, wenn sie Ein­la­gen bei der EZB hal­ten. Hier hät­te die No­ten­bank eben­falls ein Si­gnal set­zen kön­nen – in­dem sie den Ne­ga­tiv­zins ab­schafft oder zu­min­dest her­ab­setzt. Die­ser Mut hat den Wäh­rungs­hü­tern ge­fehlt.

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