EZB will An­lei­hen­käu­fe zum Jah­res­en­de ein­stel­len

Die Zen­tral­bank läu­tet das En­de der Geld­schwem­me ein – bis die Zin­sen wie­der stei­gen, wird es al­ler­dings noch län­ger dau­ern

Göttinger Tageblatt - - WIRTSCHAFT - Von Jörn Ben­der und Al­brecht Scheu­er­mann

Riga/han­no­ver. Nach Jah­ren im Kri­sen­mo­dus peilt die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) ein En­de ih­rer um­strit­te­nen An­lei­hen­käu­fe zum En­de die­ses Jah­res an. Spa­rer müs­sen al­ler­dings vor­aus­sicht­lich noch bis min­des­tens Som­mer 2019 mit dem Zin­s­tief le­ben.

Das mach­ten die Wäh­rungs­hü­ter am Don­ners­tag nach ih­rer Sit­zung in der let­ti­schen Haupt­stadt Riga deut­lich. Die Us-no­ten­bank hat­te am Vor­tag den Leit­zins um 0,25 Pro­zent­punk­te an­ho­ben; es war ih­re zwei­te Zins­er­hö­hung die­ses Jahr.

Zu­nächst will die EZB die Käu­fe von Staats- und Un­ter­neh­mens­an­lei­hen vor­sich­tig ver­rin­gern. Der­zeit pumpt sie durch sol­che Käu­fe pro Mo­nat 30 Mil­li­ar­den Eu­ro in den Markt. Da­bei soll es bis ein­schließ­lich Sep­tem­ber blei­ben.

Soll­te sich die In­fla­ti­on wei­ter­hin ent­wi­ckeln wie zu­letzt, will die EZB von Ok­to­ber bis ein­schließ­lich De­zem­ber mo­nat­lich noch 15 Mil­li­ar­den Eu­ro für Wert­pa­pie­re aus­ge­ben. Seit März 2015 hat sie Wert­pa­pie­re im Ge­samt­wert von et­wa 2,4 Bil­lio- nen Eu­ro er­wor­ben. „Es ist sehr zu be­grü­ßen, dass das Kauf­pro­gramm der EZB be­en­det wird“, sag­te der Prä­si­dent des Ifo-in­sti­tuts für Wirt­schafts­for­schung, Cle­mens Fu­est. „Das ist ein wich­ti­ger Schritt in Rich­tung ei­ner Nor­ma­li­sie­rung der Geld­po­li­tik.“Auch an­de­re Öko­no­men und Ver­tre­ter der Fi­nanz­bran­che be­wer­te­ten den Be­schluss po­si­tiv.

An­ge­sichts der Zins­ent­wick­lun­gen in den USA, der po­si­ti­ven Ent­wick­lung der Wirt­schaft und des Ar­beits­mark­tes im über­wie­gen­den Teil des Eu­ro-raums sei dies „über­fäl­lig“ge­we­sen, mein­te der Fi­nanz­vor­stand des han­no­ver­schen Ta­lanx-kon­zerns, Im­mo Qu­erner.

„Mehr als drei Jah­re nach dem Be­ginn des An­kauf­pro­gramms hat die EZB heu­te ei­ne his­to­ri­sche Ent­schei­dung ge­trof­fen“, sag­te Nord/ Lb-ana­lyst Chris­ti­an Lips. „Die EZB ist auf dem rich­ti­gen Weg und soll­te sich als nächs­tes die Ab­schaf­fung des ne­ga­ti­ven Ein­la­ge­sat­zes vor­neh­men.“Die Ak­ti­en­bör­se re­agier­te mit Kurs­ge­win­nen.

Ei­ne Hin­ter­tür ließ sich die No­ten­bank je­doch of­fen. „Der EZB-RAT ist in je­dem Fall be­reit, al­le sei­ne

Cle­mens Fu­est,

In­stru­men­te an­ge­mes­sen an­zu­pas­sen, um si­cher­zu­stel­len, dass sich die In­fla­ti­on wei­ter­hin nach­hal­tig in Rich­tung des In­fla­ti­ons­ziels des EZB-RATS be­wegt“, sag­te Ezb-prä­si­dent Ma­rio Draghi. Auch nach ei­nem Stopp der Käu­fe bleibt die No­ten­bank ein wich­ti­ger Spie­ler am An­lei­hen­markt sein, denn Geld aus aus­lau­fen­den Pa­pie­ren wird wie­der in An­lei­hen in­ves­tiert.

Das vie­le bil­li­ge Geld soll der Kon­junk­tur in den 19 Eu­ro-län­dern auf die Sprün­ge hel­fen und zugleich die Teue­rung an­hei­zen. Mit­tel­fris­tig strebt die EZB ei­ne Teue­rungs­ra­te von knapp un­ter 2,0 Pro­zent an. Im Mai stieg die Jah­res­in­fla­ti­ons­ra­te im Eu­ro-raum nach ei­ner ers­ten Schät­zung ge­trie­ben vor al­lem von hö­he­ren Ener­gie­prei­sen auf 1,9 Pro­zent. In Deutsch­land ist sie im Mai so­gar auf 2,2 Pro­zent ge­klet­tert.

Den Leit­zins im Eu­ro-raum hält die EZB wie er­war­tet auf dem Re­kord­tief von null Pro­zent. Zu­dem müs­sen Ge­schäfts­ban­ken, die Geld bei der EZB par­ken, da­für wei­ter­hin 0,4 Pro­zent Straf­zin­sen zah­len. Das Zins­ni­veau dürf­te sich nach Ein­schät­zung der Wäh­rungs­hü­ter bis Som­mer 2019 nicht än­dern.

Das ist ein wich­ti­ger Schritt zur Nor­ma­li­sie­rung der Geld­po­li­tik.

Ifo-in­sti­tut

FO­TO: DPA

Lässt ei­ne Hin­ter­tür of­fen: Zen­tral­bank­chef Draghi will die In­stru­men­te „an­ge­mes­sen an­pas­sen“, um sein In­fla­ti­ons­ziel zu er­rei­chen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.