Kanz­le­rin schließt Ko­ali­ti­ons­bruch we­gen Maa­ßen aus

An­ge­la Mer­kel gibt sich zu­ver­sicht­lich im Streit um die Zu­kunft des Ver­fas­sungs­schutz-chefs – der­weil gibt es neue Zwei­fel an des­sen Amts­füh­rung

Göttinger Tageblatt - - ERSTE SEITE - Von Ma­ri­na Korm­baki

Berlin. Ob der Chef des deut­schen In­lands­ge­heim­diens­tes sei­nen Job be­hal­ten kann, bleibt wei­ter­hin un­klar. Ei­nes aber steht der Kanz­le­rin zu­fol­ge fest: Über die Per­so­na­lie Hans-ge­org Maa­ßen soll die Re­gie­rung nicht stür­zen. „So wich­tig wie die Po­si­ti­on des Prä­si­den­ten des Bun­des­ver­fas­sungs­schut­zes auch ist, so klar ist auch, dass die Ko­ali­ti­on an der Fra­ge des Prä­si­den­ten ei­ner nach­ge­ord­ne­ten Be­hör­de nicht zer­bre­chen wird“, sag­te An­ge­la Mer­kel am Frei­tag nach ei­nem Tref­fen mit ih­ren drei bal­ti­schen Amts­kol­le­gen in Vil­ni­us.

Der­weil geht der Streit um die Fra­ge, ob Maa­ßen nach sei­nen Äu­ße­run­gen zu den rechts­ex­tre­men Aus­schrei­tun­gen in Chem­nitz noch trag­bar ist, in die nächs­te Run­de. Wäh­rend füh­ren­de So­zi­al­de­mo­kra­ten wie Nie­der­sach­sens Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil auf die Ab­lö­sung Maa­ßens po­chen, ver­tei­di­gen Uni­ons­po­li­ti­ker wie der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Philipp Amt­hor den Ver­fas­sungs­schutz­chef. „Die SPD ver­sucht, hier ein po­li­ti­sches Ex­em­pel zu sta­tu­ie­ren, auch um vi­el­leicht von ei­ge­nen in­nen­po­li­ti­schen Ver­säum­nis­sen ab­zu­len­ken“, sag­te Amt­hor am Frei­tag im Deutsch­land­funk. Ein Kri­sen­tref­fen der Par­tei­chefs von CDU, CSU und SPD soll am Di­ens­tag Klar­heit brin­gen über Maa­ßens Zu­kunft.

Mög­li­cher­wei­se schmä­lern neue Er­kennt­nis­se über Maa­ßens Agie­ren im Fall des At­ten­tä­ters vom Ber­li­ner Breit­scheid­platz, Anis Am­ri, sei­ne Chan­cen, im Amt zu blei­ben. Im Bun­des­tags-un­ter­su­chungs­aus­schuss, der mög­li­chen Be­hör­den­feh­lern vor dem An­schlag nach­geht, be­las­te­te ei­ne Mit­ar­bei­te­rin des Ver­fas­sungs­schut­zes ih­ren Chef. Die Frau sag­te am Don­ners­tag aus, sie ha­be im Ja­nu­ar 2016 be­gon­nen, kon­kre­te In­for­ma­tio­nen über Am­ri in ei­ner „Per­so­nen­ak­te“zu sam­meln. Maa­ßen je­doch hat­te im März 2017 über Am­ri gesagt: „Wir hat­ten es hier mit ei­nem rei­nen Po­li­zei­fall zu tun, der in den zu­stän­di­gen Bun­des­län­dern be­ar­bei­tet wur­de.“Neun Mo­na­te spä­ter be­haup­te­te er: „Der Ver­fas­sungs­schutz war mit dem Fall nur am Ran­de be­fasst. Am­ri war bis zu­letzt ein Fall in den Hän­den der Po­li­zei­be­hör­den.“

Der Fall Maa­ßen dürf­te auch auf dem Par­tei­tag der CSU in Mün­chen The­ma sein. Vier Wo­chen vor der Land­tags­wahl wol­len Bay­erns Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Sö­der und CSU-CHEF Horst See­ho­fer am Sonnabend die Ba­sis zum Wahl­kampf mo­ti­vie­ren, der mie­sen Um­fra­ge­wer­te zum Trotz. Har­te Kri­tik an See­ho­fers Kurs kommt von den Grü­nen. „Die CSU ver­irrt sich im Pa­nik­mo­dus“, sag­te Grü­nen-chef Ro­bert Ha­beck dem RND. Er warf See­ho­fer vor, sich „zum Si­cher­heits­ri­si­ko für Deutsch­land“zu ent­wi­ckeln. Mit ih­rem Auf­tre­ten ver­prel­le die CSU vie­le Men­schen. „Bay­ern kann vi­el­leicht zum ers­ten Mal deut­lich zei­gen, dass man Wah­len nicht nur rechts, son­dern auch in der li­be­ra­len Mit­te ver­liert“, so Ha­beck.

FO­TO: JUTRCZENKA/DPA

„Die Ko­ali­ti­on wird an der Fra­ge des Prä­si­den­ten ei­ner nach­ge­ord­ne­ten Be­hör­de nicht zer­bre­chen“: Ver­fas­sungs­schutz­chef Maa­ßen.

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