Göt­tin­ger Pi­ra­ten in un­ru­hi­gem Fahr­was­ser

In der Göt­tin­ger Rats­grup­pe aus Pi­ra­ten und Par­tei scheint es zu kri­seln / Wel­ter-schul­tes soll Grup­pen­vor­sitz ab­ge­ben

Göttinger Tageblatt - - ERSTE SEITE - Von Mar­kus Scharf

Seit Ok­to­ber 2016 bil­den die Pi­ra­ten Francisco Wel­ter-schul­tes und Da­na Rot­ter mit Par­tei­rats­frau He­le­na Arndt im Rat der Stadt Göttingen ei­ne Frak­ti­ons­grup­pe. Die Zu­sam­men­ar­beit scheint al­ler­dings der­zeit nicht zu funk­tio­nie­ren. Jetzt soll Wel­ter-schul­tes den Grup­pen­vor­sitz ab­ge­ben.

Göttingen. Seit Ok­to­ber 2016 bil­den die Pi­ra­ten Da­na Rot­ter und Francisco Wel­ter-schul­tes mit Par­tei-rats­frau He­le­na Arndt im Rat der Stadt ei­ne Frak­ti­ons­grup­pe. Die Zu­sam­men­ar­beit scheint al­ler­dings nicht mehr zu funk­tio­nie­ren.

Wel­ter-schul­tes soll im Nach­gang zur jüngs­ten Rats­sit­zung am Mitt­woch von sei­nen Mit­strei­tern auf­ge­for­dert wor­den sein, sein Amt als Grup­pen­vor­sit­zen­der mit so­for­ti­ger Wir­kung nie­der­zu­le­gen. Das geht aus drei E-mails her­vor, die dem Ta­ge­blatt zu­ge­spielt wur­den. Dar­in schil­dert Wel­ter-schul­tes, der auch Vor­sit­zen­der des Kreis­ver­bands sei­ner Par­tei ist, dass von ihm in ei­ner für ihn über­ra­schend an­be­raum­ten Sit­zung ver­langt wor­den sei, ei­ne ent­spre­chen­de Ver­ein­ba­rung zu un­ter­zeich­nen.

Hin­ter­grund der jetzt öf­fent­lich ge­wor­de­nen Pi­ra­ten-aus­ein­an­der­set­zung ist wohl der per­sön­li­che Kon­flikt zwi­schen dem Zoo­lo­gen Wel­ter-schul­tes und Grup­pen-ge­schäfts­füh­re­rin Li­sa Bal­ken­hol. Zwar sei an de­ren Ar­beit nichts aus­zu­set­zen, so Wel­ter-schul­tes in ei­ner Mail, aber ei­ne Zu­sam­men­ar­beit in der be­ste­hen­den Kon­stel­la­ti­on sei für ihn nicht mög­lich. Sein An­sin­nen, Bal­ken­hol zu ent­las­sen, fand kei­ne Mehr­heit. Statt­des­sen un­ter­zeich­ne­te er die Ver­ein­ba­rung, die ne­ben sei­ner Amts­ent­he­bung auch Rot­ters zwei­te For­de­rung ent­hielt: „Und Li­sa bleibt.“

Er ha­be un­ter­schrie­ben, da man an­sons­ten ei­ne Mehr­heits­ent­schei­dung mit zwei zu ei­ner Stim­me durch­ge­führt hät­te. „Das hät­te noch mehr Cha­os zur Fol­ge ge­habt.“Ei­ne Zu­sam­men­ar­beit in der Rats­grup­pe sei auf die­ser Ba­sis al­ler­dings nicht mehr mög­lich, schreibt Wel­ter-schul­tes an sei­ne Mit­pi­ra­ten. Das ge­gen­sei­ti­ge Ver­trau­en zwi­schen ihm und Rot­ter be­ste­he nicht mehr, so Wel­ter-schul­tes schrift­li­che Aus­sa­ge zur Zu­kunft der Pi­ra­ten.

Per­sön­lich woll­ten sich we­der er noch Rot­ter ge­gen­über dem Ta­ge­blatt zu dem Zer­würf­nis äu­ßern. Und so blei­ben ei­ni­ge Fra­gen zu­nächst of­fen: Was pas­siert am mehr­fach in den E-mails auf­tau­chen­den Da­tum 1. No­vem­ber? War­um hat man es ka­te­go­risch ab­ge­lehnt, dem vi­el­leicht schei­den­den Grup­pen­vor­sit­zen­den 400 Eu­ro pro Mo­nat aus dem Ge­schäfts­etat der Rats­grup­pe zu zah­len, um sei­ne fi­nan­zi­el­len Ein­bu­ßen zu kom­pen­sie­ren? Auch bleibt zu­nächst wohl noch un­ge­klärt, wie es mit der Frak­ti­on und der Grup­pe wei­ter­geht.

Im Raum ste­hen nach jet­zi­gem Stand meh­re­re Op­tio­nen, die in der Frak­ti­on dis­ku­tiert wer­den:

■ Wel­ter-schul­tes gibt sein Man­dat ab. Da­zu ist von sei­ner Sei­te aber ein kla­res Nein zu ver­neh­men, er ma­che ger­ne Kom­mu­nal­po­li­tik.

■ Er macht wei­ter als ein­sa­mer Pi­rat, oh­ne Grup­pe, oh­ne Rot­ter, oh­ne Bal­ken­hol. Die von ihm zwi­schen­zeit­lich prä­fe­rier­te Lö­sung.

■ Ei­ne Me­dia­ti­on hät­te wie­der Ru­he ins Schiff brin­gen kön­nen. An­geb­lich ha­ben Rot­ter und Wel­ter-schul­tes zwi­schen­zeit­lich ei­ner ex­ter­nen Ver­mitt­lung zu­ge­stimmt. Das be­zeich­ne­te auch Ur-pi­rat Mar­tin Rieth, der 2011 für sei­ne Par­tei in den Göt­tin­ger Rat ein­zog, eben­falls als die “klu­ge Lö­sung“. Mit dem Tref­fen am Mitt­woch dürf­te die­se aber hin­fäl­lig sein.

■ Oder aber al­les läuft nach au­ßen wei­ter wie bis­her. In­tern aber über­gibt Wel­ter-schul­tes den Vor­sitz an Rot­ter, ar­bei­tet von Zu­hau­se und hält sich künf­tig aus Grup­pen­an­ge­le­gen­hei­ten her­aus. Laut Rieth hät­te das durch­aus auch Vor­tei­le: Al­le Stimm­rech­te – auch in den be­setz­ten Aus­schüs­sen – blie­ben den drei Rats­mit­glie­dern er­hal­ten. Es ge­be au­ßer­dem wei­ter ein Grup­pen­bü­ro für die Pi­ra­ten und „ei­ne Fünf­zig­fünf­zig-chan­ce des Über­le­bens für die Pi­ra­ten in Göttingen“.

Das hät­te noch mehr Cha­os zur Fol­ge ge­habt.

Francisco Wel­ter-schul­tes, Vor­sit­zen­der der Rats­grup­pe Pi­ra­ten/par­tei

FO­TO: VET­TER

„Klar­ma­chen zum Än­dern“– ein Blick in die Pi­ra­ten­ge­schich­te wirkt plötz­lich wie­der ganz ak­tu­ell.

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