Brö­chen und But­ter wer­den teu­rer

Göttinger Tageblatt - - ERSTE SEITE - Von Jens Heit­mann

Frankfurt/main. We­gen der schlech­ten Ge­trei­de­ern­te in die­sem Jahr wer­den wohl auch die Bröt­chen teu­rer. „Wenn der Mehl­preis steigt, muss das an den Ver­brau­cher wei­ter­ge­ge­ben wer­den“, sag­te Ste­fan Kör­ber, Ge­schäfts­füh­rer des Hes­si­schen Bä­cke­rei­in­nungs­ver­ban­des. Um wie viel Cent sich die Back­wa­ren in den Fi­lia­len der 490 hes­si­schen Bä­cke­rei­be­trie­be ver­teu­ern wer­den, las­se sich aber nicht sa­gen.

Die But­ter­prei­se neh­men in Deutsch­land wie­der Kurs auf das zu­letzt im ver­gan­ge­nen Herbst er­reich­te Re­kord­ni­veau. Mit 1,95 Eu­ro für das 250-Gramm-päck­chen nä­hert sich der But­ter­preis bei Su­per­märk­ten und bei Dis­coun­tern nach Be­ob­ach­tun­gen von Ex­per­ten der­zeit dem seit min­des­tens 50 Jah­ren noch nicht über­schrit­te­nen All­zeit­hoch von 1,99 Eu­ro. Der Han­del wer­de ver­su­chen, ein Über­schrei­ten der Schwel­le von zwei Eu­ro zu ver­mei­den, sag­te der Han­dels­fach­mann Mat­thi­as Qu­eck am Frei­tag.

In­ter­es­sant wer­de dann die Fra­ge, ob die Ver­brau­cher an­fin­gen, auf die noch deut­lich güns­ti­ge­re Mar­ga­ri­ne aus­zu­wei­chen. Wäh­rend der But­ter­preis zur­zeit stark schwan­ke, sei­en die Mar­ga­ri­ne­prei­se weit­ge­hend un­ver­än­dert. Ex­per­ten gin­gen von wei­ter stei­gen­den But­ter­prei­sen aus, be­rich­te­te die „Wirt­schafts­wo­che“. Grund sei ei­ne ge­rin­ge­re Milch­leis­tung der Kü­he auf­grund der Dür­re.

Milch ent­hält wert­vol­le Pro­te­ine, wich­ti­ge Vit­ami­ne und mehr Kal­zi­um als die meis­ten an­de­ren Le­bens­mit­tel – und trotz­dem war ihr Ruf zwi­schen­zeit­lich nicht der bes­te. Mal ging von ge­sät­tig­ten Fett­säu­ren an­geb­lich ein hö­he­res Ri­si­ko für Herz kreis­lauf­er­kran­kun­gen aus, dann wur­den sie für Über­ge- wicht und Dia­be­tes ver­ant­wort­lich ge­macht. Se­riö­sen Stu­di­en konn­ten sol­che Vor­ur­tei­le zwar nicht stand­hal­ten, aber sie wa­ren in der Welt und be­ein­fluss­ten die Kon­su­men­ten.

In­zwi­schen hat sich die Stim­mung ge­dreht. Ins­be­son­de­re dem Fett wer­den – in Ma­ßen ge­nos­sen – ver­mehrt po­si­ti­ve Wir­kun­gen auf den Or­ga­nis­mus zu­ge­schrie­ben. Das treibt die Nach­fra­ge nach Kä­se und But­ter und lässt den Ab­satz von Mar­ga­ri­ne sta­gnie­ren. Die­ser Trend schmeckt na­tür­lich auch Bau­ern und Mol­ke­rei­en, die für die­sen Be­stand­teil der Milch heu­te deut­lich mehr Geld be­kom­men als in der Tief­preis­pha­se 2016.

Die neue freud eder ver­brau­cher am fett al­lein wird den Vieh­hal­tern auf Dau­er nicht hel­fen. Die stei­gen­den Milch­prei­se sind vor al­lem dem hei­ßen Som­mer ge­schul­det: Den Kü­hen setz­te erst die Hit­ze zu, dann fehl­te es am rich­ti­gen Fut­ter, al­so sank der Fett­ge­halt der Milch. Dass die deut­schen Bau­ern ih­re Er­zeu­gung den­noch deut­li­cher er­höht ha­ben als ih­re Kol­le­gen im rest­li­chen Eu­ro­pa könn­te dar­auf hin­deu­ten, dass die ak­tu­ell hö­he­ren Prei­se nicht von län­ge­rer Dau­er sein müs­sen. Soll­te der nächs­te Som­mer küh­ler aus­fal­len, hilft wohl nur Dis­zi­plin beim Mel­ken.

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