Po­li­zei warnt vor Wel­le fal­scher Ab­mah­nun­gen

Uwe Lüh­rig: Neu­er Ent­wurf ver­bes­sert Ge­fah­ren­ab­wehr in der di­gi­ta­len Welt

Göttinger Tageblatt - - ERSTE SEITE - Von Hei­di Nie­mann

Die Po­li­zei Göttingen warnt vor ei­ner „Wel­le“von E-mail-ab­mah­nun­gen von „ver­meint­li­chen Rechts­an­wäl­ten“. Zahl­rei­che Göt­tin­ger ha­ben be­reits sol­che Mails er­hal­ten.

Göttingen. Der Göt­tin­ger Po­li­zei­prä­si­dent Uwe Lüh­rig macht sich für die ge­plan­te No­vel­lie­rung des Nie­der­säch­si­schen Po­li­zei- und Ord­nungs­ge­set­zes stark. Das bis­he­ri­ge Po­li­zei­ge­setz sei ins­be­son­de­re auf die Ge­fah­ren­ab­wehr in der ana­lo­gen Welt zu­ge­schnit­ten, sag­te er am Frei­tag. Der jetzt vor­lie­gen­de Ent­wurf er­öff­ne der Po­li­zei die Mög­lich­keit, bes­ser als bis­her auch die Ge­fah­ren­ab­wehr in der di­gi­ta­len Welt zu be­trei­ben. „Wir brau­chen da­für das nö­ti­ge Hand­werks­zeug“, er­klär­te der Po­li­zei­prä­si­dent. Oh­ne die­se wei­ter­ge­hen­den recht­li­chen Mög­lich­kei­ten wä­re die di­gi­ta­le Welt ein „rechts­frei­er Raum“.

Der von den Frak­tio­nen von SPD und CDU ein­ge­brach­te Ge­setz­ent­wurf ist ei­nes der zen­tra­len Vor­ha­ben der rot-schwar­zen Ko­ali­ti­on in Han­no­ver. Die Neu­re­ge­lung soll der Po­li­zei mehr Frei­hei­ten im Kampf ge­gen den Ter­ro­ris­mus ver­schaf­fen. Kri­ti­ker se­hen dar­in ei­ne Aus­höh­lung von Bür­ger­rech­ten.

Der Ge­setz­ent­wurf sieht vor, dass mut­maß­li­che Ge­fähr­der für bis zu 74 Ta­ge in Prä­ven­tiv­haft kom­men oder mit elek­tro­ni­scher Fuß­fes­sel über­wacht wer­den kön­nen. Au­ßer­dem sol­len Er­mitt­ler Spio­na­ge­soft­ware ein­set­zen kön­nen, um Ver­däch­ti­ge aus­zu­spä­hen. Nach An­ga­ben von Lüh­rig sind in Nie­der­sach­sen der­zeit 76 Men­schen als Ge­fähr­der ein­ge­stuft. Rund die Hälf­te von ih­nen le­be im Be­reich der Po­li­zei­di­rek­ti­on Göttingen, Schwer­punk­te sei­en Göttingen und Hil­des­heim. Um po­ten­zi­el­le Straf­ta­ten ex­tre­mis­ti­scher Ge­fähr­der ver­hin­dern zu kön­nen, müs­se die Po­li­zei mehr Mög­lich­kei­ten be­kom­men, de­ren ver­schlüs­sel­te Kom­mu­ni­ka­ti­on mit­ver­fol­gen zu kön­nen. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat die Göt­tin­ger Po­li­zei ei­nen ge­plan­ten is­la­mis­ti­schen An­schlag ver­hin­dern kön­nen. Im Fe­bru­ar 2017 nah­men die Be­am­ten ei­nen da­mals 27-jäh­ri­gen Al­ge­ri­er und ei­nen 23-jäh­ri­gen Ni­ge­ria­ner in Ge­wahr­sam, bei­de wur­den spä­ter ab­ge­scho­ben. Die Po­li­zei hat­te zu­vor seit Län­ge­rem ge­gen die bei­den Män­ner er­mit­telt, die sie der sala­fis­ti­schen Sze­ne zu­rech­ne­te. Die Er­mitt­ler wur­den dann un­ter an­de­rem durch Te­le­fon­über­wa­chung dar­auf auf­merk­sam, dass die­se ei­nen An­schlag plan­ten.

In­zwi­schen kom­mu­ni­zie­re die Ge­fähr­der­sze­ne zu­meist über ver­schlüs­sel­te Mes­sen­ger­diens­te wie bei­spiels­wei­se Whats­app, sag­te der Po­li­zei­prä­si­dent. Bis­lang ha­ben die Er­mitt­ler kei­ne Mög­lich­keit zum Mit­hö­ren und Mit­le­sen. Ei­ne an­de­re Her­aus­for­de­rung be­steht für die Po­li­zei dar­in, dass die ra­di­kal-is­la­mis­ti­sche Sze­ne teil­wei­se in ara­bi­scher Spra­che kom­mu­ni­ziert. In­zwi­schen ist sie auch da­für bes­ser ge­wapp­net. In­ner­halb der Po­li­zei­di­rek­ti­on ge­be es zwölf ara­bisch­spre­chen­de Be­am­te, sag­te Lüh­rig. Um die aus­ge­tausch­ten In­for­ma­tio­nen noch bes­ser ein­ord­nen zu kön­nen, wol­le man auch Is­lam­wis­sen­schaft­ler ein­stel­len.

Lüh­rig kün­dig­te an, dass in der Po­li­zei­in­spek­ti­on Göttingen dem­nächst die eben­falls um­strit­te­nen Bo­dy-cams ein­ge­führt wer­den. Das sind von Po­li­zis­ten ge­tra­ge­ne Vi­deo­ka­me­ras, die Ge­sche­hens do­ku­men­tie­ren sol­len. Die bis­he­ri­gen Er­fah­run­gen ha­ben ge­zeigt, dass die Bo­dy-cams de­es­ka­lie­rend wir­ken, sag­te der Po­li­zei­prä­si­dent. Die Ka­me­ras sol­len al­ler­dings nicht bei De­mons­tra­tio­nen ein­ge­setzt wer­den.

Wir brau­chen da­für das nö­ti­ge Hand­werks­zeug.

Uwe Lüh­rig, Po­li­zei­prä­si­dent

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