Hur­ri­kan „Flo­rence“auf Land ge­trof­fen

Mut­ter und Kind tot – Sturm­flut er­war­tet – Fünf Bun­des­staa­ten ru­fen Not­stand aus

Göttinger Tageblatt - - ERSTE SEITE - Von Micha­el Don­hau­ser

Na­he Wrights­vil­le Beach im Us-bun­des­staat North Ca­ro­li­na ist Hur­ri­kan „Flo­rence“am Frei­tag auf Land ge­trof­fen. Das Na­tio­na­le Hur­rikan­zen­trum mit Sitz in Mia­mi teil­te mit, das Au­ge des Hur­ri­kans der Ka­te­go­rie Eins sei um 7.15 Uhr (Orts­zeit) mit Wind­ge­schwin­dig­kei­ten von 150 Ki­lo­me­tern pro St­un­de an­ge­kom­men und be­we­ge sich nach Süd­wes­ten. Städ­te in Küs­ten­nä­he sind wie leer­ge­fegt.

Ral­eigh. Ei­ne jun­ge Frau und ihr klei­nes Kind sind die ers­ten To­des­op­fer des Hur­ri­kans „Flo­rence“. Am Frei­tag­mor­gen war der Wir­bel­sturm in der Nä­he der Stadt Wilming­ton im Us-bun­des­staat North Ca­ro­li­na auf Land ge­trof­fen. Ein Baum stürz­te in Wilming­ton auf das Haus ei­ner Fa­mi­lie, er­schlug die Mut­ter und ihr Kind. Der Va­ter des Kin­des wur­de, so be­rich­te­te die Po­li­zei, mit er­heb­li­chen Ver­let­zun­gen in ein Kran­ken­haus ge­bracht.

Der Land­fall von „Flo­rence“geht mit Über­schwem­mun­gen, peit- schen­dem­re­gen­und hef­ti­ge­bö­en ein­her. Mit Wind­ge­schwin­dig­kei­ten von bis zu 150 Ki­lo­me­tern pro St­un­de tob­te „Flo­rence“ges­tern. Das Na­tio­na­le Hur­rikan­zen­trum stuf­te den Wir­bel­sturm zwar zu ei­nem Hur­ri­kan der Ka­te­go­rie eins, der nied­rigs­ten Ka­te­go­rie, her­ab – doch die Be­hör­de warn­te gleich­zei­tig, in North Ca­ro­li­na sei „ei­ne le­bens­be­droh­li­che Sturm­flut be­reits im Gan­ge“.

Mehr als 60 Men­schen muss­ten aus ei­nem ein­stür­zen­den Mo­tel ge­ret­tet wer­den. Zahl­rei­che wei­te­re Per­so­nen, die ent­ge­gen An­wei­sun­gen zur Eva­ku­ie­rung in ih­ren Häu- sern ge­blie­ben wa­ren, war­te­ten auf Ret­tung. Mehr als 415 000 Haus­hal­te und Ge­schäf­te sei­en be­reits oh­ne Strom, mel­de­te der Sen­der CNN un­ter Be­ru­fung auf lo­ka­le Be­hör­den in North Ca­ro­li­na.

Als ei­ne der ers­ten be­wohn­ten Ge­gen­den traf es die Ou­ter Banks, ei­ne dem Fest­land vor­ge­la­ger­te In­sel­ket­te des Bun­des­staa­tes. Auch New Bern wur­de von ei­ner Sturm­flut ge­trof­fen. Rund 150 Men­schen war­te­ten hier dar­auf, von Ka­ta­stro­phen­schüt­zern aus den Was­ser­mas­sen ge­ret­tet zu wer­den.

Das Hur­rikan­zen­trum warn­te vor ei­ner Sturm­flut von über drei Me­tern. Ers­te Flüs­se tra­ten über die Ufer, Ufer­stra­ßen wur­den über­spült. Mehr als 1300 Flü­ge wur­den laut CNN an der Us-ost­küs­te ge­stri­chen. Die Ge­bie­te ent­lang der süd­li­chen Us-at­lan­tik­küs­te gli­chen schon seit Mitt­woch Geis­ter­städ­ten.

Die Si­tua­ti­on wer­de sich in den nächs­ten St­un­den und Ta­gen dras­tisch ver­schlech­tern, sag­ten die Me­teo­ro­lo­gen vor­aus. Nach An­ga­ben des Hur­rikan­zen­trums be­weg­te sich der Wir­bel­sturm ex­trem lang­sam mit nicht ein­mal zehn Ki­lo­me­tern pro St­un­de auf die Küs­ten­re­gi­on um Wilming­ton in North Ca­ro­li­na zu. Die Ex­per­ten rech­nen da­mit, dass sich die Was­ser­last von „Flo­rence“bis zu vier Ta­ge lang auf das Land er­gießt. In der Nä­he Wilming­tons nahm der Strom­ver­sor­ger Du­ke Ener­gy ein Kern­kraft­werk vor­sorg­lich vom Netz.

Die Be­hör­den rech­nen da­mit, dass ins­ge­samt fünf Mil­lio­nen Men­schen in ei­nem rie­si­gen Ein­zugs­ge­biet im ge­sam­ten Süd­os­ten der USA von Über­schwem­mun­gen be­trof­fen sein könn­ten. Wäh­rend ei­ni­ge mit­hil­fe von Not­strom­ag­gre­ga­ten und ge­bun­ker­ten Vor­rä­ten durch­zu­hal­ten ver­su­chen, ver­lie­ßen Hun­dert­tau­sen­de be­reits ih­re Häu­ser. „Der Strom wird weg sein, vi­el­leicht für Ta­ge, vi­el­leicht auch für Wo­chen“, sag­te Brock Long, Lei­ter der US-KA­ta­stro­phen­schutz­be­hör­de Fe­ma. Der Du­ke Ener­gy geht von ein bis drei Mil­lio­nen Haus­hal­ten und Un­ter­neh­men aus, die oh­ne Strom sein könn­ten. „Wir müs­sen da­mit rech­nen, dass 75 Pro­zent un­se­rer Kun­den oh­ne Elek­tri­zi­tät sind“, sag­te der North-ca­ro­li­na-chef des Strom­ver­sor­gers, Da­vid Foun­tain. Fünf Bun­des­staa­ten – Geor­gia, South Ca­ro­li­na, North Ca­ro­li­na, Vir­gi­nia und Ma­ry­land – so­wie der District of Co­lum­bia um die Haupt­stadt Washington ha­ben den Not­stand aus­ge­ru­fen.

Die Bau­ern der be­trof­fe­nen Bun­des­staa­ten be­fürch­ten ver­hee­ren­de Aus­wir­kun­gen. North Ca­ro­li­na ist der Haupt­pro­du­zent des ame­ri­ka­ni­schen Ta­baks so­wie der zweit­größ­te Pro­du­zent von Schwei­ne­fleisch. Die Bau­ern ha­ben mit der Ern­te des Ta­baks, der ex­trem emp­find­lich auf Stür­me re­agiert, vor­sorg­lich deut­lich frü­her als sonst be­gon­nen. Vie­le Far­mer fürch­ten jetzt auch um ihr Vieh: 2016 hat­te Hur­ri­kan „Mat­t­hew“mehr als 200 000 Hüh­ner ge­tö­tet.

Schuld an der Viel­zahl der Hur­ri­kans ist laut For­schern die glo­ba­le Er­wär­mung: „Ein Aspekt ist, dass – ob­wohl es nicht der ein­zi­ge Fak­tor ist – wär­me­re Mee­res­tem­pe­ra­tu­ren die Stur­min­ten­si­tät er­hö­hen kön­nen“, sagt Ste­fan Rahm­storf vom Pots­dam-in­sti­tut für Kli­ma­fol­gen­for­schung.

FO­TO: GRAY WHITLEY/DPA

Land un­ter im Bun­des­staat North Ca­ro­li­na: In New Bern wa­ren am Frei­tag be­reits Stra­ßen über­flu­tet, als die ers­ten Vor­läu­fer von „Flo­rence“ein­tra­fen.

FO­TO: GRAY WHITLEY/DPA

Kein Durch­gang: Der Uni­on Po­int Park in New Bern wur­de we­gen Über­flu­tung ge­sperrt.

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