Vom Pha­rao und gro­ßen Gats­by

Göttinger Tageblatt - - POLITIK -

Vom gu­ten Spöt­ter Kurt Tuchol­s­ky stammt die Mär, dass die Men­schen fromm wür­den, wenn sie alt und wei­se wer­den und hin­ten nicht mehr hoch­kä­men. Nun ist Kurt Tuchol­s­ky we­der be­son­ders alt ge­wor­den noch fromm. Aber es fällt schon auf, dass Nie­der­sach­sens Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil, ob­wohl er kei­nes­wegs fröm­melt und zu­wei­len noch Ma­ra­thon läuft, wie Opa ger­ne mal bi­bli­sche Ge­schich­ten er­zählt. Die­se Wo­che griff der Po­li­ti­ker auf ei­nem Emp­fang der ka­tho­li­schen Kir­che auf ei­ne Ge­schich­te zu­rück, die dem Mat­thä­us-evan­ge­li­um ent­stammt. Nach ihr ha­ben sich Ma­ria und Jo­sef kurz nach Ägyp­ten „weg­ge­macht“, um vor He­ro­des zu flüch­ten, der sich ei­nen or­dent­li­chen Ruf als Kin­der­schläch­ter er­wor­ben hat­te. „Nur gut, dass der Pha­rao nicht Horst See­ho­fer war“, sag­te Weil – und der Saal lach­te. Aber bei al­lem, was recht ist: In der ge­ra­de­zu gött­li­chen Pha­rao­nen-klas­se soll­te man den Bay­ern nicht an­sie­deln. Und nach See­ho­fers ab­seh­ba­rem po­li­ti­schen Ab­gang wird die Csu-zen­tra­le ge­wiss nicht zur Py­ra­mi­de ver­edelt, in der der­einst die Über­res­te der Csu-obe­ren ein­bal­sa­miert wer­den.

Lie­be Pa­pier­korb­freun­de, Sie mer­ken: Nicht al­les, was hinkt, ist ein Ver­gleich. Und nicht al­les, was schief hängt, ist ein Bild. Aber mit­un­ter ent­lau­fen uns die Re­dens­ar­ten wie scheue Re­he im Mor­gen­licht nach der Um­stel­lung von der Som­mer­auf die Win­ter­zeit. Weil wür­dig­te bei dem Emp­fang vor wür­di­gen Leu­ten auch die Resi­li­enz, die gu­te Ka­tho­li­ken ge­gen­über po­li­ti­schen Ex­tre­men an den Tag le­gen kön­ne und sag­te, Kir­che und Staat zö­gen oft an ei­nem Strick. Obacht: Das ist Hen­kers­jar­gon. So möch­ten wir doch an den klei­nen, fei­nen Un­ter­schied zwi­schen Strang und Strick er­in­nern. Mer­ke: Für der Glo­cke gu­ten Klang sorgt ne­ben dem Klöp­pel stets der Strang. Strick und Strang sind eben

wie Yin und Yang.

Yin und Yang ist, so viel sei noch ver­ra­ten, so ei­ne Art Vor­form der Groko, wie sie in Nie­der­sach­sen in ge­ra­de­zu voll­kom­me­ner Har­mo­nie

Micha­el B. Ber­ger mit ei­nem sa­ti­ri­schen Rück­blick auf die Wo­che zur Auf­füh­rung ge­bracht wird. Und wenn in Han­no­ver nach al­ter chi­ne­si­scher Über­lie­fe­rung der höchs­te Yin „kalt“be­deu­tet und der höchs­te Yang „heiß“, dann en­steht nach al­ter Über­lie­fe­rung aus bei­den ein wun­der­ba­res Amal­gam, weil sich die Ge­gen­sät­ze auf das Vor­treff­lichs­te an­zie­hen. Das kann man jetzt auch im nie­der­säch­si­schen Land­tag be­stau­nen, in dem sich die­se Wo­che Nie­der­sach­sens Um­welt­mi­nis­ter Olaf Lies ne­ben sei­ne Kol­le­gin Ot­te­ki­nast ge­setzt hat­te, um zu de­mons­trie­ren, wie gut man sich nach dem jüngs­ten Streit denn wie­der ver­ste­he. Es fehl­te nicht viel, dass die bei­den Händ­chen ge­hal­ten hät­ten. Wenn die Land­tags­prä­si­den­tin nicht ein­ge­schrit­ten wä­re.

Auch mit ge­ra­de­zu lie­be­vol­len Bli­cken von den Re­gie­rungs­par­tei­en wird jetzt Fi­nanz­mi­nis­ter Reinhold Hil­bers be­dacht, der vom Sound her durch­aus an ei­ner Meis­ter­schaft für Hir­sch­ru­fer teil­neh­men könn­te. Hil­bers rühm­te sich der­art hem­mungs­los selbst für die im­mer neu­en Ka­pi­tel, die er „in der fi­nanz­po­li­ti­schen Er­folgs­sto­ry der Lan­des­re­gie­rung“auf­schla­ge, dass sich der Saal auch oh­ne Weih­rauch­schwa­den ver­dun­kel­te. Für das Lan­des­ar­chiv wird er schon un­ter dem Stichwort „Der gro­ße Gats­by“ge­han­delt.

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