Nichts zu me­ckern

Göttinger Tageblatt - - WIRTSCHAFT & BÖRSE -

Leh­nen wir uns erst­mal zu­rück. Zum Wo­chen­schluss hat sich der Dax wi­der Er­war­ten noch um ein hal­bes Pro­zent nach oben be­wegt und im­mer­hin die 12 100 Punk­te über­sprun­gen. Das be­deu­tet 1,4 Pro­zent Ge­winn in der ver­gan­ge­nen Bör­sen­wo­che, und da mag man in die­sen Zei­ten ja nicht me­ckern. Die re­la­ti­ve Ent­span­nung im Han­dels­streit zwi­schen den USA und Chi­na hat da­bei ge­hol­fen, auch wenn Do­nald Trump die Er­war­tun­gen dämpf­te: „Wir ste­hen un­ter kei­nem Druck, ei­nen De­al mit Chi­na zu ma­chen.” Neh­men wir es mal als Ver­hand­lungs­tak­tik. Der Eu­ro brach sei­nen An­stieg vom Vor­tag ab und sank wie­der Rich­tung 1,16 Dol­lar. Auch das half, den Dax trotz schwä­che­rer Us-bör­sen mit An­stand ins Wo­che­n­en­de zu ret­ten. Der­weil re­agier­te Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan er­war­tungs­ge­mäß auf die kräf­ti­ge Zins­er­hö­hung durch die tür­ki­sche No­ten­bank: Sei­ne Ge­duld ha­be Gren­zen, und man wer­de schon se­hen, wo­hin die­se ge­prie­se­ne Un­ab­hän­gig­keit der No­ten­ban­ker füh­ren wer­de. Die An­le­ger nah­men es kaum wahr, die tür­ki­sche Li­ra schwä­chel­te nur leicht. Doch lei­der könn­te Er­do­gan in ei­nem Punkt Recht be­hal­ten: Die Zins­er­hö­hung könn­te die tür­ki­sche Wirt­schaft über­for­dern. Es wä­re bes­ser ge­we­sen, die No­ten­bank hät­te ih­re Un­ab­hän­gig­keit frü­her un­ter Be­weis ge­stellt.

Der Bo­den ist of­fen­bar ge­fun­den. Bei 70 Eu­ro scheint der Bay­er-kurs ab­zu­pral­len. Von dort stieg er am Frei­tag im­mer­hin um mehr als 2 Pro­zent. Nachrichten brauch­te es da­zu nicht, es sa­hen ein­fach ge­nug Leu­te den Ein­stiegs­kurs ge­kom­men. Die span­nen­de Fra­ge ist nun, ob das die Trend­wen­de war oder der Kurs nun in die­ser Ge­gend pen­delt. Vor gut ei­nem Mo­nat, be­vor sich Bay­er das po­ten­zi­ell teu­re Scha­dens­er­satz­ur­teil in den USA ein­fing, kos­te­te die Ak­tie im­mer­hin 95 Eu­ro.

Mit sol­chen Ur­tei­len kennt VW sich aus. Im Mo­ment lebt der Kon­zern ge­wis­ser­ma­ßen in der Zwi­schen­zeit – nach den Us­ur­tei­len, vor de­nen in Deutsch­land. So bli­cken die An­le­ger auf den Au­to­ver­kauf, der un­ver­dros­sen läuft. Die Au­gust­zah­len lie­ßen den Kurs um gut 2 Pro­zent stei­gen. Doch Vor­sicht: Die Zer­ti­fi­zie­rung nach dem neu­en Ab­gas­test­ver­fah­ren WLTP ist müh­sam und könn­te den Rest des Jah­res zur Ach­ter­bahn­fahrt ma­chen. Es dürf­te bald an pas­sen­den Au­tos feh­len, da­vor und da­nach ver­sucht man das aus­zu­glei­chen.

Wi­re­card hat nur Luft ge­holt. Auf den Hy­pe um den Dax-auf­stieg folg­te ei­ne klei­ne Schwä­che­pha­se, die ein Ana­lyst von Gold­man Sachs am Frei­tag be­en­de­te: We­gen der gu­ten Wachs­tums­chan­cen des Zah­lungs­dienst­leis­ters hält er 250 Eu­ro für er­reich­bar. Nach 4,5 Pro­zent An­stieg hat sich die Ak­tie erst ein­mal wie­der auf knapp 189 Eu­ro hoch­ge­ar­bei­tet.

FO­TO: PUCHNER/DPA

Noch ist die Ak­te nicht ge­schlos­sen. Es geht um 45 Mil­lio­nen Eu­ro, da lohnt sich wo­mög­lich der Weg zum Bun­des­ge­richts­hof. Das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart hat jetzt erst ein­mal in zwei­ter In­stanz be­schlos­sen, dass die Schwei­zer Bank Sa­ra­sin dem Ul­mer Dro­ge­rie-un­ter­neh­mer Er­win Müller die­se Mil­lio­nen zah­len muss. Sie hat­te das Geld in Fonds ge­steckt, die es in ju­ris­tisch frag­wür­di­ge Cum-ex-ge­schäf­te in­ves­tier­ten und letzt­lich ver­lo­ren. Die Bank ha­be die Fonds nicht hin­rei­chend ge­prüft und Müller nicht aus­rei­chend be­ra­ten, stell­ten die Rich­ter fest. Und der Laie fragt sich, ob so viel Nai­vi­tät auf bei­den Sei­ten mög­lich sein kann.

WIRTSCHAFTSREDAKTION

Ste­fan Win­ter

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