Orts­rat ver­tagt Ent­schei­dung über mög­li­chen Na­tur­schutz

Re­al­ge­mein­de pro­tes­tiert ge­gen die Plä­ne der Stadt

Göttinger Tageblatt - - GÖTTINGEN - Von MICHA­EL Cas­par

We­en­de. Auf Wi­der­spruch der Re­al­ge­mein­de ist im Orts­rat We­en­de das städ­ti­sche Vor­ha­ben ge­sto­ßen, Tei­le des Göt­tin­ger Walds un­ter Na­tur­schutz zu stel­len. Der Orts­rat will nun im Ok­to­ber er­neut be­ra­ten.

„Das kommt ei­ner Zwangs­ent­eig­nung gleich“, er­klär­te Thomas Hänsch auf­ge­bracht, Vor­sit­zen­der der Re­al­ge­mein­de We­en­de. In ei­nem Na­tur­schutz­ge­biet dürf­ten sie 30 Pro­zent ih­rer ins­ge­samt 279 Hekt­ar gro­ßen Wald­flä­chen nicht mehr be­wirt­schaf­ten. In den üb­ri­gen Be­rei­chen un­ter­lä­gen sie Ein­schrän­kun­gen. Das wür­de die Mit­glie­der der Re­al­ge­mein­de fi­nan­zi­ell „hart tref­fen“.

Hänsch hält die Aus­wei­sung ei­nes Na­tur­schutz­ge­biet für „über­flüs­sig“. Heu­te stän­den in ih­rem Wald sechs Pro­zent mehr Bäu­me, als es der Soll­be­stand vor­se­he. So dicht sei der Be­wuchs seit Grün­dung der Re­al­ge­mein­de im Jahr 1766 nicht ge­we­sen. Frü­her hät­ten die We­en­der dort ih­re Rin­der, Schwei­ne und Zie­gen ge­wei­det. Auch sei viel Holz zum Hei­zen ent­nom­men wor­den.

Die Orts­rats­mit­glie­der wol­len nun noch ein­mal frak­ti­ons­in­tern be­ra­ten. Hans Otto Arnold (CDU) ging auf Dis­tanz zur CDU im Rat der Stadt. Im Um­welt­aus­schuss hat­ten die Christ­de­mo­kra­ten, eben­so wie die Grü­nen, für die Na­tur­schutz­va­ri­an­te ge­stimmt. Auch Meh­met Tug­cu (Grü­ne) woll­te sich nicht klar für den Na­tur­schutz aus­spre­chen. Am Don­ners­tag, 4. Ok­to­ber, wird es um 18 Uhr in der Ver­wal­tungs­stel­le We­en­de, Hen­ne­berg­stra­ße 11, ei­ne Son­der­sit­zung ge­ben. Der Orts­rat hat bis Mon­tag, 22. Ok­to­ber, Ge­le­gen­heit, ei­ne Stel­lung­nah­me ab­zu­ge­ben. „Das wer­den wir tun“, er­klär­te Orts­bür­ger­meis­ter Hans-al­bert Lu­dolph (SPD). „Von den Plä­nen sind auch die Re­al­ge­mein­den in Ni­ko­laus­berg und Ro­rin­gen be­trof­fen“, sag­te Arnold. Be­züg­lich der Plä­ne, die Teil ei­ner Lan­des­in­itia­ti­ve sei­en, ge­be es Un­ei­nig­keit zwi­schen dem Um­welt­und dem Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um in Han­no­ver.

Von al­len Par­tei­en be­grüßt wur­de das Vor­ha­ben der Stadt­wer­ke Göttingen auf der De­po­nie am Lap­pen­berg, die von 1914 bis 1971 be­trie­ben wor­den ist, ei­ne Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge auf­zu­stel­len. „Sie wird nicht auf wert­vol­len Acker­flä­chen ste­hen“, be­grüß­te Arnold. Die not­wen­di­gen Be­ton­blö­cke wür­den auf die De­po­nie auf­ge­setzt, das die­ne der Ver­bes­se­rung des Le­bens­raums von Ei­dech­sen Sand­stei­ne auf­ge­stellt. Die Stadt­wer­ke über­näh­men die Kos­ten für das not­wen­di­ge Bau­leit­plan­ver­fah­ren. Der Spd-frak­ti­ons­vor­sit­zen­de, Ed­gar Culp, reg­te ei­nen Orts­ter­min an.

Der Adam-von-trott-weg soll ver­kehrs­be­ru­hig­ter Be­reich wer­den. Das hat­ten SPD, Grü­ne, FDP und Pi­ra­ten in ei­nem in­ter­frak­tio­nel­len An­trag an­ge­regt. Sie re­agier­ten da­mit auf Bit­ten von An­woh­nern, die un­ter Um­ge­hungs­ver­kehr im Be­reich Blitz­am­pel Te­gut, Pe­tri­kirch­stra­ße, Bun­des­stra­ße 27 lei­den. Au­ßer­dem soll die Ver­kehrs­be­ru­hi­gung die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen den Alt­ein­woh­nen und den rund 180 Be­woh­nern des neu­en Ap­par­te­ment­ge­bäu­des An der Lut­ter er­leich­tern.

Un­zu­frie­den zeig­te sich über der Orts­rat über die Stel­lung­nah­me der Ver­wal­tung, wo­nach die Stadt Göttingen im Thie­haus We­en­de über kei­ne ei­ge­ne In­fra­struk­tur für WLAN ver­fügt. Die Stadt for­dert den Orts­rat auf, in Ei­gen­re­gie ei­nen Dsl-an­schluss mit Wlan-rou­ter in Be­tracht zu zie­hen.

FO­TO: SPF

Hans-al­bert Lu­dolph

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.