Chan­cen und Ri­si­ken

So­zi­al­wis­sen­schaft­ler Andre­as May­ert spricht über künst­li­che In­tel­li­genz

Göttinger Tageblatt - - GÖTTINGEN - Von Axel Artmt­nn

Göttingen. Ob beim Über­set­zen von Tex­ten, Er­ken­nen von Krank­hei­ten oder in Eig­nungs­tests: Künst­li­che In­tel­li­genz (KI) kann in vie­len Be­rei­chen zum Ein­satz kom­men. Über Mög­lich­kei­ten aber auch Ri­si­ken die­ser Tech­nik hat Andre­as May­ert vom So­zi­al­wis­sen­schaft­li­chen In­sti­tut der EKD wäh­rend ei­nes Vor­tra­ges in Göttingen ge­spro­chen.

Es gibt kei­ne ein­heit­li­che De­fi­ni­ti­on von KI, sag­te der Re­fe­rent für Wirt­schafts- und So­zi­al­po­li­tik, der sich der­zeit in ei­nem Pro­jekt mit den Aus­wir­kun­gen der Di­gi­ta­li­sie­rung auf die Ar­beits­welt be­schäf­tigt. Wer­de dar­über ge­spro­chen, sei­en zu­meist die gro­ßen Fort­schrit­te in der Bild- Sprach- und, Tex­ter­ken­nung oder in Spie­len ge­meint. Die Ide­en, auf die ent­spre­chen­de Ent­wick­lun­gen be­ruh­ten, „sind größ­ten­teils schon sehr alt“, be­ton­te May­ert in der Jo­han­nis­ge­mein­de. Er be­nann­te neu­ro­na­le Netz­wer­ke und das Ma­schi­nen­ler­nen, das „auf dem An­satz der Feh­ler­rück­wärts­su­che be­ruht“und das tie­fe Ler­nen, Deep Le­arning, ge­nannt. Ei­ne wich­ti­ge Rol­le spiele der Al­gorhyth­mus, dies sei „ei­ne Re­gel zur Au­to­ma­ti­sie­rung“– ein Pro­gramm die Sum­me der Al­gorhyth­men. Es ste­cke „nichts Ma­gi­sches“da­hin­ter.

Ei­ne KI kön­ne „Din­ge er­ken­nen, die ein Mensch nicht er­kennt“, er­klär­te der Re­fe­rent. In der Me­di­zin er­mög­li­che sie es, Ano­ma­li­en zu re­gis­trie­ren, die ein Mensch nicht be­mer­ke.

Über­set­zungs­pro­gram­me, die wie das von Goog­le auf ei­ner KI ba­sier­ten, sei­en „we­sent­lich bes­ser“als die kom­mer­zi­el­le Über­set­zungs­soft­ware, die es noch vor drei bis fünf Jah­ren ge­ge­ben ha­be. Das Prin­zip sei das glei­che wie bei der Tex­ter­ken­nung. „Die KI wird mit Trai­nings­bei­spie­len ge­füt­tert, von de­nen es ei­ne Men­ge gibt“, er­läu­ter­te May­ert. Sie wäh­le aus ei­ner Viel­zahl von Mus­tern das aus ih­rer Sicht pas­sen­de her­aus.

Et­was schwie­ri­ger sei das Er­stel­len ei­ge­ner Tex­te, was dar­an lie­ge, dass ei­ne KI kei­ne Se­man­tik be­herr­sche. Sinn­voll zum Ein­satz kom­men kön­ne sie bei Bör­sen- und auch Sport­be­rich­ten, wenn es um rei­ne Er­geb­nis­be­richt­er­stat­tung ge­he. „Je phra­sen­haf­ter die Kom­men­ta­re sind, des­to bes­ser funk­tio­niert es“, fass­te der Wis­sen­schaft­ler zu­sam­men. Ei­ne KI ver­ste­he nicht, Andre­as May­ert, So­zi­al­wis­sen­schaft­ler

was sie tue, sie ah­me nach. Die Zu­hö­rer er­fuh­ren von May­ert, dass von KI ge­mal­te Bil­der in Auk­ti­ons­häu­sern für vie­le tau­send Eu­ro ver­kauft wor­den sei­en.

Die meis­ten ethi­schen Pro­ble­me und Fra­ge­stel­lun­gen stün­den in Zu­sam­men­hang mit dem Ein­satz beim au­to­no­men Fah­ren. Mit KI las­se sich die Zahl von Ver­kehrs­un­fäl­len zwar dras­tisch sen­ken, es kön­ne aber vor­kom­men, dass sie ent­schei­den müs­se, wer zu ei­nem Un­fall­op­fer wer­de oder ob sie sich auch un­ge­setz­lich ver­hal­ten und zum Bei­spiel auf die Ge­gen­fahr­bahn fah­ren dür­fe. Es kön­ne auch zur Dis­kri­mi­nie­rung durch ei­ne KI kom­men, un­ter an­de­rem bei der Ein­stel­lung ei­nes Be­wer­bers, Ver­mie­tung ei­nes Hau­ses, Ver­kauf ei­ner Ver­si­che­rung.

Der Re­fe­rent kam auch noch auf Da­ten­bro­ker zu spre­chen, die sich dar­auf spe­zia­li­sie­ren, nicht nur Da­ten ei­nes Un­ter­neh­mens zu nut­zen, son­dern Da­ten aus ganz un­ter­schied­li­chen Qu­el­len. Der Job von sol­chen Bro­kern sei es, Da­ten zu sam­meln, sie zu ana­ly­sie­ren und wei­ter­zu­ver­kau­fen. Das Ana­ly­se­team ei­nes die­ser Un­ter­neh­men ha­be ein Ki-mo­dell ent­wi­ckelt, dass bis zu 10000 Ei­gen­schaf­ten von Men­schen iden­ti­fi­zie­ren kön­ne. „Ich den­ke nicht, dass wir je­mals ei­ne KI er­le­ben wer­den, die so gut ist wie ein Mensch“, sag­te May­ert zum Ab­schluss sei­nes Vor­tra­ges.

Ich den­ke nicht, dass wir je­mals ei­ne KI er­le­ben wer­den, die so gut ist wie ein Mensch.

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