Viel­schich­ti­ge Zeit

„Frü­her war al­les viel grö­ßer“: Aus­stel­lung in der Tor­haus-ga­le­rie zeigt Kunst­wer­ke von Lee­na Krü­ger

Göttinger Tageblatt - - KULTUR - Von Li­sa Haus­mann

Göt­tin­gen. 32 Ge­mäl­de der Göt­tin­ger Ma­le­rin Lee­na Krü­ger sind un­ter dem Ti­tel „Frü­her war al­les viel grö­ßer“in der Tor­haus-ga­le­rie aus­ge­stellt. Noch bis zum 2. De­zem­ber ist die Aus­stel­lung zu be­sich­ti­gen.

Der ers­te Blick trifft beim Ein­tre­ten der Ga­le­rie auf ei­ne Wand mit 24 qua­dra­ti­schen Ein­zel­ge­mäl­den oh­ne Rah­men mit je­weils 20 Zen­ti­me­ter Sei­ten­län­gen. Drei der Wer­ke wur­den be­reits am Er­öff­nungs­tag für je­weils 200 Eu­ro ver­kauft. Die mit Öl auf Lein­wand an­ge­fer­tig­ten Ge­mäl­de las­sen sich auch auf den zwei­ten Blick nicht voll­stän­dig er­fas­sen. Ein ein­deu­tig er­kenn­ba­rer Bir­ken­stamm wech­selt sich mit ex­pres­sio­nis­tisch an­ge­deu­te­ten For­men ab, die in vie­len, teils trans­pa­ren­ten Schich­ten auf­ge­tra­gen wur­den.

Sche­men­haf­ter Dunst

Was möch­te die Künst­le­rin mit ih­rem Ti­tel der Aus­stel­lung „Frü­her war al­les viel grö­ßer“aus­drü­cken? War frü­her al­les grö­ßer, weil man selbst ein­fach noch viel klei­ner war? Krü­ger stellt die ver­stri­che­ne Zeit durch das Auf­tra­gen vie­ler sicht­ba­rer Schich­ten dar, die mög­li­cher­wei­se auch über ei­nen län­ge­ren Zeit­raum im­mer mal wie­der ver­än­dert wur­den. Kon­kre­te For­men ste­chen aus ei­nem durch Acryl oder Öl ent­wor­fe­nen sche­men­haf­ten Dunst her­vor. Durch tro­cke­ne Pin­sel­stri­che wir­ken hel­le Ak­zen­te auf dunk­lem Un­ter­grund wie Git­ter­stä­be.

Be­son­ders ein­drucks­voll wirkt ein drei­tei­li­ges Werk, das Eis­schol­len auf nacht­blau­em Was­ser trei­bend zeigt. Der Fuß­bo­den der Ga­le­rie be­steht aus sich ab­wech­seln­den schwar­zen und wei­ßen Ka­cheln, die auf­grund ih­rer ex­ak­ten An­ord­nung Si­cher­heit aus­strah­len. Die­se Si­cher­heit scheint auf dem Bild mit den un­ge­ord­ne­ten fort­trei­ben­den Eis­schol­len zu schwin­den.

Krü­ger wech­selt bei ih­rer Prä­sen­ta­ti­on der Ge­mäl­de zwi­schen wei­ßen und na­tur­be­las­se­nen Holz- rah­men oder ver­zich­tet voll­stän­dig auf die­se. Ein ein-mal-ein Me­ter gro­ßes Werk ist auf Alu­mi­ni­um ver­ewigt. Die Farb­ver­läu­fe en­den zum Teil ab­rupt, wie mit dem Li­ne­al ge­zo­gen. Dass Krü­ger die Na­men der Bil­der in der Prä­sen­ta­ti­on nicht nennt, führt da­zu, dass je­der Be­trach­ter noch frei­er in sei­ner Deu­tung des Wer­kes ist.

Zehn Jah­re in Ecua­dor

Lee­na Krü­ger ist 1953 in Jy­väs­ky­la in Finn­land ge­bo­ren. Seit 1993 wohnt sie, nach­dem sie zehn Jah­re in Ecua­dor leb­te, in Göt­tin­gen und stell­te seit­dem mehr­fach vor Ort aus. In der Tor­haus-ga­le­rie kön­nen die Wer­ke bis Sonn­tag, 2. De­zem­ber, frei­tags, sonn­abends und sonn­tags von 15 bis 17 Uhr be­sich­tigt wer­den. Im Rah­men der Aus­stel­lung fin­det am Sonn­tag, 11. No­vem­ber, das Jazz-kon­zert „Ta­ke Two“mit Joe Pent­zlin und Gre­gor Ki­li­an statt;am Sonn­tag, 2. De­zem­ber (1. Ad­vent), be­schließt die Sän­ge­rin Hei­di Köpp mit ih­rem Lie­der­abend „Christ­mas With You“den Aus­stel­lungs­zy­klus der Tor­haus-ga­le­rie am al­ten Stadt­fried­hof, Kas­se­ler Land­stra­ße 1 in Göt­tin­gen, in die­sem Jahr.

FO­TO: HINZMANN

Lee­na Krü­ger bei der Er­öff­nung ih­rer Aus­stel­lung „Frü­her war al­les viel grö­ßer“in der Tor­haus-ga­le­rie in Göt­tin­gen.

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