Ver­läss­lich in den Schlag­zei­len

Göttinger Tageblatt - - WIRTSCHAFT - Von Chris­ti­an Wöl­bert

Die Lis­te der gro­ßen, mitt­le­ren und klei­nen Skan­da­le bei VW wird mun­ter fort­ge­schrie­ben. Die Mar­ke dreh­te ih­ren Kun­den Vor­se­ri­en­fahr­zeu­ge of­fen­bar als ein­wand­freie Neu­wa­gen an. Zwar geht es nur um ein paar Tau­send Au­tos, zwar kos­tet der Rück­kauf nicht viel Geld, aber der Fall ist durch­aus pein­lich. Und er wirft die grund­sätz­li­che Fra­ge auf: War­um im­mer VW? Hat man in Wolfs­burg nach Die­selskan­dal und Af­fen-ex­pe­ri­men­ten nichts da­zu­ge­lernt?

Ganz so schlimm ist es nicht. Die Ma­ni­pu­la­tio­nen an Die­sel­mo­to­ren hat VW 2015 erst nach mas­si­vem Druck von Us-be­am­ten zu­ge­ge­ben. In vie­len an­de­ren Fäl­len hat der Kon­zern seit­dem selbst Vor­gän­ge auf­ge­klärt und den Be­hör­den ge­mel­det. So war es nun auch bei den Test­wa­gen. Hin­zu kommt: Seit dem Die­selskan­dal steht VW stärker im Fo­kus von Ver­brau­cher­schüt­zern, An­le­gern, Be­hör­den und Me­di­en als an­de­re Her­stel­ler.

Al­ler­dings reagiert der Kon­zern im­mer noch sehr lang­sam auf in­ter­ne Alarm­mel­dun­gen. Egal, ob es um Skan­da­le oder stra­te­gi­sche Feh­ler geht: Der Rie­sen­tan­ker VW braucht im­mer noch zu lan­ge, um sei­nen Kurs zu kor­ri­gie­ren. Manch­mal kos­tet das nur ein paar Mil­lio­nen Eu­ro, manch­mal aber auch Mil­li­ar­den. Die ak­tu­el­len Wltp-pro­ble­me sind ein Bei­spiel da­für. 2021 dro­hen Mil­li­ar­den­stra­fen we­gen der Über­schrei­tung von Co2-grenz­wer­ten. Gleich­zei­tig be­schleu­nigt die Di­gi­ta­li­sie­rung die Au­to­welt im­mer wei­ter.

Kon­zern­chef Her­bert Diess muss den Tan­ker al­so ir­gend­wie in ein Schnell­boot ver­wan­deln. Sonst kommt VW aus den Schlag­zei­len nicht her­aus. Und wird am Markt von klei­ne­ren, wen­di­ge­ren Wett­be­wer­bern über­holt.

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