Ru­he­pol

Garden Style - - GARTEN REPORTAGE -

Ab­schal­ten kann Ju­dy Gib­bons in ih­rem vor Bli­cken ge­schütz­ten Gar­ten je­der­zeit.

Das Haus kommt zu­erst und dann der Gar­ten. Ei­ne ganz nor­ma­le Rei­hen­fol­ge und manch­mal sieht man sie ei­nem Grund­stück auch an: Wenn für den Gar­ten nach dem Haus­bau kein Geld oder kei­ne Zeit üb­rig blieb, wirkt er manch­mal wie Stra­ßen­be­gleit­grün: ir­gend­wie über­flüs­sig. Beim Gar­ten von Ju­dy Gib­bons in Pe­ters­ham im Süd­wes­ten Lon­dons ist das an­ders: Haus und Gar­ten wir­ken wie ei­ne Ein­heit und man könn­te mei­nen, dass Ar­chi­tek­tur und Pflan­zung gleich­zei­tig und per­fekt auf­ein­an­der ab­ge­stimmt ge­plant wur­den. Da­bei hat­te das Haus schon ei­nen Vor­be­sit­zer ge­habt, be­vor es Ju­dy Gib­bons 2008 kauf­te und an die Gar­ten­pla­nung den­ken konn­te. Die mo­der­ne Ar­chi­tek­tur mit kla­ren Li­ni­en und gro­ßen Glas­flä­chen pass­te per­fekt zu ih­rem Wunsch, die Gren­zen zwi­schen in­nen und au­ßen mög­lichst flie­ßend zu ge­stal­ten. Von je­dem der Zim­mer soll­te der Blick auf den Gar­ten mög­lich sein. Schon die An­ord­nung der Bau­kör­per, Haus und ein eben­falls schlich­ter Pa­vil­lon schmie­gen sich um den Gar­ten, war ide­al

für die­ses Vor­ha­ben. Die Vor­aus­set­zun­gen hät­ten al­so kaum bes­ser sein kön­nen. Das vom be­kann­ten Lon­do­ner Ar­chi­tek­tur­bü­ro Ter­ry Far­rell ge­plan­te Haus war Teil ei­nes Pro­jekts mit ins­ge­samt drei Wohn­ein­hei­ten, die al­le ei­nen von au­ßen nicht ein­seh­ba­ren Gar­ten ha­ben. Wäh­rend man von der Stra­ße aus ge­schützt vor Bli­cken ist, ist der Gar­ten vom Haus aus von je­dem Raum gut ein­seh­bar – ge­nau wie es sich Ju­dy Gib­bons ge­wünscht hat­te. Doch die­ses Ide­al sah sie zu­gleich als Ver­pflich­tung für ei­ne gu­te Gar­ten­ge­stal­tung.

Ein je­der­zeit prä­sen­ter Gar­ten kann durch­aus ner­ven: Wenn man vom So­fa aus auf Bee­te sieht, die ir­gend­wann noch mal neu ge­stal­tet wer­den müss­ten. So­weit woll­te es Ju­dy nicht kom­men las­sen. Ihr Gar­ten soll­te von An­fang an so durchdacht an­ge­legt sein, dass er sich nicht zu ei­ner „Dau­er­bau­stel­le“ent­wi­ckeln wür­de. Auf Pro­vi­so­ri­en hat­te sie kei­ne Lust, zu­mal sie wuss­te, wie gut Pla­nung und Um­set­zung klap­pen, wenn man den rich­ti­gen Pro­fi an der Hand hat – und den hat­te sie: John Sal­lis Chand­ler hat sei­ne Aus­bil­dung in den be­rühm­ten Kew Gar­dens in Lon­don ab­sol­viert und ge­hört zum er­lauch­ten Kreis je­ner Men­schen, die auf der Chel­sea Flo­wer Show ei­nen Gar­ten ge­stal­ten dür­fen. Ei­ner da­von wur­de 2013 mit der Sil­ber-Me­dail­le aus­ge- zeich­net. Viel wich­ti­ger als die­se of­fi­zi­el­len Be­wei­se sei­nes Kön­nens war für Ju­dy, dass sie schon ein­mal mit ihm zu­sam­men­ge­ar­bei­tet hat­te und sehr zu­frie­den war. Da­mals hat­te er den Gar­ten um ihr vik­to­ria­ni­sches Haus ge­stal­tet, dies­mal soll­te die An­la­ge eben­so mo­dern wie die Ar­chi­tek­tur wir­ken. Ju­dy hat­te Lust, sich auf ein zeit­ge­nös­si­sches Kon­zept ein­zu­las­sen und freu­te sich auf die Zu­sam­men­ar­beit mit dem be­kann­ten Gestal­ter. Dass der Gar­ten zum Wohn­raum ge­hört und ihn er­wei­tert, gilt in der mo­der­nen Gestal­tung mitt­ler­wei­le fast wie ein Ge­setz und war auch für Ju­dy wich­tig. Durch die gro­ßen Schie­be­tü­ren zum Gar­ten hin wird die Ter­ras­se zum Teil des Wohn­zim­mers und der In­nen­raum zum Teil des Gar­tens. Das ist mo­dern, doch John Sal­lis Chand­ler setz­te teil­wei­se durch­aus auf Gestal­tungs­prin­zi­pi­en, die ei­ne jahr­hun­der­te­lan­ge Tra­di­ti­on ha­ben.

Ruhe und Har­mo­nie soll­ten zen­tra­le Bot­schaf­ten des Gar­tens sein und schon die Tat­sa­che, dass die An­la­ge kom­plett um­frie­det ist, weckt Er­in­ne­run­gen an Klos­ter­gär­ten. Doch es ist nicht nur der nach in­nen ori­en­tier­te Grund­riss des Gar­tens, der die­sen Ver­gleich na­he legt: Die grü­ne Mit­te und ein um­lau­fen­der, teils von Lau­ben über­dach­ter Weg er­in­nern an ei­nen Kreuz­gang und ver­stär­ken den kon­tem­pla­ti­ven Cha­rak­ter der An­la­ge.

Me­di­ter­ran Ent­lang des Lau­ben­gangs wach­sen Fei­gen und Hanf­pal­men ( Tra­chy­car­pus for­tu­nei).

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