NA­TÜR­LI­CHE SCHÖN­HEIT

Der Gar­ten von Djo­e­ke van Zwetselaar liegt vor den To­ren der Stadt Ut­recht. Mit blü­hen­den Wild­stau­den und Wie­sen wirkt er wie aus dem Mär­chen und ist doch Wirk­lich­keit – zum Glück!

Garden Style - - INHALT - TEXT: Ste­fa­nie Sy­ren FOTOS: Su­san­ne Paus

Mär­chen­haf­ter Gar­ten mit Wie­sen und Wild­blu­men in Ut­recht.

Wie ein Was­ser­fall in Weiß wir­ken die duf­ten­den Blü­ten der Klei­nen Prunks­pie­re ( Exochor­da

ma­cran­tha ‘The Bri­de‘) ober­halb des Stau­den­beets.

Zwei lan­ge Oh­ren über­ra­gen die But­ter­blu­men. Kei­ne Fra­ge, hier sitzt ein Feld­ha­se. Bloß be­wegt er sich nicht und hop­pelt auch dann nicht fort, wenn man schnell auf ihn zu­geht. Nach ein paar Schrit­ten wird klar, dass es sich bei dem Gar­ten­gast um ein Kunst­werk han­delt. Die Gar­ten­be­sit­ze­rin, Djo­e­ke van Zwetselaar, hat ihn aus Bron­ze ge­formt und an den Rand der Wie­se ge­setzt. Dass er täu­schend echt aus­sieht, ist kein Zu­fall: Djo­e­ke ist von Be­ruf bil­den­de Künst­le­rin und Tie­re ge­hö­ren zu ih­ren Lieb­lings­the­men. Doch ihr nord­öst­lich von Ut­recht ge­le­ge­ner Gar­ten ist viel mehr als blo­ße Ku­lis­se für ih­re Kunst.

Ein Werk der Na­tur möch­te man den Gar­ten un­will­kür­lich nen­nen. Das Ge­samt­bild wirkt so stim­mig und selbst­ver­ständ­lich, als ob je­de ein­zel­ne Pflan­ze sich ih­ren Platz hier selbst aus­ge­sucht hät­te. Doch das stimmt na­tür­lich nicht: Je­der, der selbst gärt­nert, weiß, dass aus­ge­rech­net je­ne ganz na­tür­lich wir­ken­den Bee­te meist sorg­fäl­tig an­ge­legt wur­den. Oft sind sie auch über vie­le Jahr­zehn­te ge­reift und zu ih­rer

Der Ra­sen­weg passt zum na­tür­li­chen Gestal­tungs­kon­zept des Gar­tens und führt zwi­schen Zwie­bel­wie­se und Beet zur Sitz­bank.

heu­ti­gen Schön­heit her­an­ge­wach­sen. Bei­des stimmt bei Djo­e­ke van Zwetselaar. Der Gar­ten ist Teil der Fa­mi­li­en­ge­schich­te und ge­hört zu dem 1850 er­bau­ten ehe­ma­li­gen Kut­schen­haus, in dem sie mit ih­rer Fa­mi­lie wohnt. Ihr Groß­va­ter hat­te es 1918 ge­kauft, die Re­mi­se in ein Wohn­haus um­ge­baut und es auf den Na­men „Vil­la Uit­ki­jk“ge­tauft. Ei­ne „Vil­la mit schö­ner Aus­sicht“ist das Haus heu­te mehr denn je, denn der Gar­ten ist nicht nur im Früh­ling ein le­ben­di­ges Kunst­werk.

Ge­wäch­se mit Ge­schich­te wie die al­te Lin­de im Ra­sen oder der knor­ri­ge Ap­fel­baum prä­gen das Ge­sicht des Gar­tens eben­so wie Djo­e­kes ei­ge­nen Ide­en. Ih­re Phi­lo­so­phie vom Gärt­nern mit der Na­tur zog lang­sam und Schritt für Schritt ein: Als sie Haus und Gar­ten in drit­ter Ge­ne­ra­ti­on über­nahm, er­setz­te sie die recht­wink­lig an­ge­leg­ten Bee­te nach und nach durch Pflan­zun­gen, die sich in sanf­tem

Früh­lings­son­ne auf der Haut, die En­kel im Arm und Hün­din Asta als Be­glei­te­rin – bes­ser geht es nicht. Kein Wun­der, dass Djo­e­ke strahlt.

Schwung durch den Gar­ten zie­hen. Wich­ti­ger als die Form wa­ren die Pflan­zen, die sie ein­setz­te: Stand­ort­ge­rech­te Ar­ten und Sor­ten, die sich hier so wohl­füh­len, dass sie sich eta­blie­ren und selbst ver­meh­ren. Die Na­tur gärt­nert mit und ge­jä­tet wer­den Pflan­zen nur, wenn sie läs­tig wer­den. An­sons­ten lässt die Künst­le­rin den Pflan­zen so­viel Spiel­raum wie mög­lich und lockt mit die­ser Phi­lo­so­phie auch In­sek­ten an.

Die Zwie­bel­wie­se ist ein be­son­ders schö­nes Bei­spiel für Djo­e­kes Ide­en. Hier hat sie Nar­zis­sen und Schach­brett­blu­men un­ter die Gras­nar­be ge­setzt. Sie mö­gen ei­nen eher feuch­ten Bo­den und brei­ten sich dort auch aus. So­fern man ih­re Be­dürf­nis­se kennt und auch ein we­nig Ge­duld mit­bringt: Da­mit sie ge­nug Nähr­stof­fe für Toch­ter­zwie­beln und den nächs­ten Früh­ling spei­chern kön­nen, muss das Laub nach der Blü­te völ­lig ein­trock­nen kön­nen. Da­für nimmt Djo­e­ke den An­blick ver­gil­ben­der Blät­ter ger­ne in Kauf. Sie weiß, dass ih­re Zwie­bel­wie­se die­se Ge­las­sen­heit im nächs­ten Früh­ling mit neu­en Blü­ten be­lohnt. ; Nä­he­re In­fos: www.djo­eke­vanz­wetselaar.nl

Un­ter ei­nem Dach Djo­e­ke wur­de in dem rund 170 Jah­re al­ten Kut­schen­haus ge­bo­ren. Hier wohnt sie nicht nur, son­dern ar­bei­tet auch. Ihr Ate­lier bie­tet ne­ben viel Ta­ges­licht auch den Aus­blick und ei­nen di­rek­ten Zu­gang zum Gar­ten.

Grü­ne Grü­ße In ei­nem schma­len und ge­schütz­ten Beet seit­lich des al­ten Kut­schen­hau­ses ra­gen die statt­li­chen Blü­ten-Zy­lin­der der Mit­tel­meer-Wolfs­milch ( Eu­phor­bia cha­ra­ci­as) em­por.

1 3 2 1 DIE MIT­TEL­MEER-WOLFS­MILCH blüht bei Djo­e­ke schon ab En­de März. 2 AUS DER NÄ­HE be­trach­tet zeigt die Prunks­pie­re ih­re gan­ze Schön­heit. 3 DIE APFELBLÜTE ge­hört zu den At­trak­tio­nen des Früh­lings­gar­tens.

Lau­schi­ge Lau­be An ei­ner ge­schütz­ten Sei­te des Hau­ses hat Djo­e­ke vor dem Gar­ten­schup­pen ei­nen klei­nen Sitz­platz ein­ge­rich­tet.

In der Wie­se un­ter dem knor­ri­gen Ap­fel­baum schlum­mern die Nar­zis­sen­zwie­beln vie­le Mo­na­te lang. Im Früh­ling trei­ben sie aus und blü­hen, lan­ge be­vor sich am Baum ers­te Blätt­chen zei­gen.

1 2 1 SOMMERKNOT­ENBLUME ( Leu­co­jum aes­ti­vum) mit ei­nem Au­ro­ra-Fal­ter. 2 HASENGLÖCK­CHEN ( Hya­c­int­ho­ides) ge­hö­ren zu den Zwie­bel­blu­men. 3 FRAUENMANT­EL (Al­che­mil­la mol­lis) zu­sam­men mit Hasenglöck­chen.

3

Ver­wun­schen Wei­ßer Wie­sen-Ker­bel, frisch­grü­ne Gelb­dol­de ( Smyr­ni­um) und blau­er Bein­well ste­hen ge­ra­de in vol­ler Blü­te. Durch den Ro­sen­bo­gen blickt man auf die Zwie­bel­wie­se.

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