Ganz schön gif­tig

Das Be­rüh­ren oder Ver­zeh­ren kann – je nach Do­sis und To­xi­zi­tät der Gift­pflan­ze – ei­nen dra­ma­tisch Ver­lauf neh­men.

Garden Style - - GARTEN THEMA - TEXT: Kirsten Jo­han­son FOTOS: Kirsten Jo­han­son u.a.

Zier­ge­höl­ze im Gar­ten sind sehr be­liebt, denn oft ha­ben sie ne­ben herr­li­chem Blatt­werk auch de­ko­ra­ti­ve Früch­te zu bie­ten. Nicht nur Toll­kir­schen se­hen ap­pe­tit­lich aus, die ro­ten Bee­ren der Ei­be oder die vio­let­ten Bee­ren des Ge­mei­nen Efeus eben­so. Ehe man sich’s ver­sieht, lan­den sie im Kin­der­mund. Auch so man­che Blü­te sieht harm­lo­ser aus, als sie ist. Nach dem Ver­zehr gif­ti­ger Pflan­zen­tei­le ist schnel­les Han­deln ge­fragt. Ei­ne Ge­gen­maß­nah­me ist das Ver­ab­rei­chen me­di­zi­ni­scher Koh­le, die Gift­stof­fe an sich bin­det. Beim Ver­dacht ei­ner Ver­gif­tung soll­te man so­fort ei­nen Arzt kon­tak­tie­ren oder den Gift­not­ruf wäh­len. Wer klei­ne Kin­der hat und auf Num­mer si­cher ge­hen will, kann bei der Neu­an­la­ge ei­nes Gar­tens na­tür­lich von vorn­her­ein auf das An­pflan­zen gif­ti­ger Pflan­zen ver­zich­ten. In­for­ma­tio­nen zu Giftpflanz­en kann man bei­spiels­wei­se un­ter www.giz­bonn.de (Uni­ver­si­täts­kli­nik Bonn) ein­ho­len.

RO­TER FIN­GER­HUT (Di­gi­ta­lis pur­pu­rea)

Al­le Pflan­zen­tei­le schme­cken sehr bit­ter und sind hoch­gif­tig. Herz­rhyth­mus­stö­run­gen, Seh­stö­run­gen, De­li­ri­um und Hal­lu­zi­na­tio­nen ge­hö­ren zu den gra­vie­ren­den Fol­gen, die beim Ver­zehr dro­hen.

RIZINUS (Ri­ci­nus com­mu­nis)

ge­hört zu den töd­lichs­ten Ge­wäch­sen im Gar­ten. Selbst wer nur klei­ne Men­gen sei­ner Sa­men isst, muss mit schwer­wie­gen­den Fol­gen rech­nen. Die Früch­te des Wun­der­baums be­ste­hen aus gro­ßen, sta­che­li­gen Kap­seln mit grau-brau­nen, boh­nen­för­mi­gen Sa­men.

STECHPALME­N (Ilex aqui­fo­li­um)

ha­ben gif­ti­ge Bee­ren und Blät­ter, die Bauch­schmer­zen, Übel­keit und Er­bre­chen ver­ur­sa­chen. Die Do­sis spielt ei­ne Rol­le: Reich­lich Flüs­sig­keit zu sich neh­men bei ei­ner Ver­zehr­men­ge bis zu fünf Bee­ren, lau­tet die Emp­feh­lung. Bei grö­ße­ren Men­gen: Arzt zu Ra­te zie­hen.

BLAU­ER EISENHUT (Aco­ni­tum na­pel­lus)

gilt als ei­ne der gif­tigs­ten Pflan­zen Eu­ro­pas. Er kann be­reits bei Kon­takt ge­fähr­lich sein, wes­halb man ihn nicht oh­ne Hand­schu­he Pflü­cken oder Umpflan­zen soll­te. An­sons­ten dro­hen Haut­ent­zün­dun­gen. Das Ver­schlu­cken führt zu schwe­ren Ver­gif­tun­gen.

HERBSTZEIT­LOSE (Col­chi­cum au­tum­na­le)

be­inhal­ten ein ar­sen­ar­ti­ges Gift. Es ver­ur­sacht star­kes Ma­gen­weh und führt zu Atem­läh­mun­gen. Ach­tung: Die Blät­ter äh­neln de­nen des Bär­lauchs.

GOLDREGEN (La­b­ur­num)

be­geis­tert mit gel­ben, her­ab­hän­gen­den Blü­ten­stän­den. Doch auch hier ist Vor­sicht ge­bo­ten: Gift­stof­fe kön­nen über die Haut in den Kör­per ge­lan­gen und Krämp­fe ver­ur­sa­chen. Ge­fähr­li­cher ist das Ver­schlu­cken sei­ner Scho­ten be­zie­hungs­wei­se der Sa­men dar­in.

MAI­GLÖCK­CHEN (Con­vall­aria ma­ja­lis)

sind duf­ten­de Früh­lings­bo­ten. Al­le Tei­le, auch die ro­ten Bee­ren ab Ju­li, sind gif­tig und füh­ren zu Ma­gen­be­schwer­den bis hin zu Herz­rhyth­mus­stö­run­gen.

TOLLKIRSCH­E (Atro­pa bel­la­don­na)

Der Bo­ta­ni­sche Son­der­gar­ten Wands­bek kürt seit 2004 die Gift­pflan­ze des Jah­res. In 2020 stan­den Gar­ten­wi­cke, Schnee­ball, Ho­lun­der, Schwar­ze Tollkirsch­e und En­gel­strom­pe­te zur Ab­stim­mung. Das Ren­nen mach­te die­ses sehr stark gif­ti­ge Nacht­schat­ten­ge­wächs.

ENGELSTROM­PETEN (Brug­man­sia)

sind be­lieb­te Kü­bel­pflan­zen, je­doch auf­grund des ho­hen An­teils an Al­ka­lo­iden in al­len Pflan­zen­tei­len hoch­gif­tig, be­son­ders Wur­zeln und Sa­men.

ARONSTAB (Ar­um ma­cu­la­tum)

Der Ge­fleck­te Aronstab punk­tet mit de­ko­ra­ti­ven Blät­tern und Frucht­stän­den. Je­doch soll­ten die Pflan­zen nur mit Hand­schu­hen an­ge­fasst und kei­nes­falls ver­zehrt wer­den. Aro­in, Ni­co­tin und Oxa­la­te ha­ben ei­ne gif­ti­ge Wir­kung auf die Haut und den Magen-Darm-Trakt.

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