Hy­gie­ne in den Alb-Fil­sK­li­ni­ken in der Kri­tik

Be­su­cher be­schwe­ren sich mas­siv über bei­de Stand­or­te der Alb-Fils-Kli­ni­ken. Der größ­te Ge­sund­heits­an­bie­ter in der Re­gi­on be­schwich­tigt die Vor­wür­fe.

Geislinger Zeitung - - Vorderseite - Von Isa­bel­le Jahn

Kreis Göp­pin­gen.

Kei­ne gu­te Be­hand­lung in der Not­auf­nah­me und Schmutz im Pa­ti­en­ten­zim­mer – die Alb-Fil­sK­li­ni­ken müs­sen hef­ti­ge Kri­tik an bei­den Stand­or­ten ein­ste­cken. Der größ­te Ge­sund­heits­an­bie­ter in der Re­gi­on be­schwich­tigt die Vor­wür­fe.

Man ist vor Ort und kei­ner hilft ei­nem“, klagt Pe­tra Eber­lein über ein Er­leb­nis in der Hel­fen­stein-Kli­nik in Geis­lin­gen. Ihr Schwie­ger­sohn wur­de vor ei­ni­gen Wo­chen in die Zen­tra­le Not­auf­nah­me (ZNA) ein­ge­lie­fert, nach­dem er in sei­ner Ar­beits­stel­le zu­sam­men­ge­bro­chen war, schil­dert Eber­lein in ei­nem Schrei­ben an die GEIS­LIN­GER ZEI­TUNG.

Bei der Un­ter­su­chung sei ein schwe­rer Ma­gen-Darm-In­fekt fest­ge­stellt wor­den – der Pa­ti­ent sei aber als sta­bil ein­ge­stuft und da­her ent­las­sen wor­den. „Als mein Schwie­ger­sohn durch die Glas­tü­re der ZNA kam, war klar zu er­ken­nen und für je­den der war­ten­den Pa­ti­en­ten er­sicht­lich, dass es ihm sehr schlecht geht“, be­schreibt Pe­tra Eber­lein ih­re Be­ob­ach­tung. Zu­sam­men mit ih­rer Toch­ter und de­ren we­ni­ge Wo­chen al­tem Säug­ling war­te­te sie vor Ort auf ih­ren Schwie­ger­sohn. Als sie die ZNA ge­mein­sam ver­las­sen woll­ten, sei der Pa­ti­ent er­neut be­wusst­los ge­wor­den. „Zu­nächst war kein Arzt oder ei­ne Kran­ken­schwes­ter da und auch Mi­nu­ten spä­ter nie­mand, der sich um mei­nen Schwie­ger­sohn hät­te küm­mern kön­nen“, schreibt Eber­lein.

Nach lau­ten Ru­fen sei schließ­lich Hil­fe von Sei­ten des Per­so­nals ge­kom­men, der Pa­ti­ent sei er­neut un­ter­sucht und am sel­ben Tag „deut­lich ge­schwächt“heim­ge­schickt wor­den. Ne­ben der Sor­ge um ih­ren Schwie­ger­sohn plag­te Eber­lein auch die Angst, dass sich ih­re von der Ge­burt ge­schwäch­te Toch­ter und das Ba­by an­ste­cken könn­ten. „Wenn so­gar Lai­en er­ken­nen, dass es ei­nem Pa­ti­en­ten äu­ßerst schlecht geht, war­um er­kennt es das Fach­per­so­nal ei­ner Kli­nik nicht?“, fragt Eber­lein in dem Schrei­ben. Die­se Art der Be­hand­lung ma­che sie fas­sungs­los.

Kli­nik­in­tern ist das Vor­komm­nis be­reits be­kannt, wie die Pres­se­stel­le der Alb-Fils-Kli­ni­ken auf Nach­fra­ge mit­teilt. Man sei mit der Fa­mi­lie in Kon­takt, um den Fall auf­zu­ar­bei­ten. „Die Für­sorg­lich­keit für un­se­re Pa­ti­en­ten steht an obers­ter Stel­le“, heißt es wei­ter. Not­fall­pa­ti­en­ten wür­den, wenn nö­tig, auf die Sta­ti­on ver­legt. Im Fall des Schwie­ger­sohns ha­be es aber „kei­ne In­di­ka­ti­on für ei­ne sta­tio­nä­re Auf­nah­me“ge­ge­ben. Be­züg­lich des er­neu­ten Zu­sam­men­bruchs des Pa­ti­en­ten in den Vor­räu­men der Not­auf­nah­me räumt die Kli­nik ein, dass zu dem Zeit­punkt al­le Mit­ar­bei­ter der ZNA in den Be­hand­lungs­räu­men da­mit be­schäf­tigt wa­ren, an­de­re Pa­ti­en­ten zu ver­sor­gen. „Es ist uns da­her ein An­lie­gen, die An­sprech­bar­keit un­se­res Per­so­nals in der ZNA auch bei ho­hem Pa­ti­en­ten­auf­kom­men zu ver­bes­sern“, heißt es wei­ter. So sprin­gen et­wa zu „Spit­zen­zei­ten“– wenn vie­le Not­fall­pa­ti­en­ten zeit­gleich in der Kli­nik ein­tref­fen – Mit­ar­bei­ter von an­de­ren Sta­tio­nen ein.

Auch in ei­nem an­de­ren Punkt kom­men Vor­wür­fe ge­gen die Alb-Fils-Kli­ni­ken auf: Ute Rau be­schwert sich in ei­nem Schrei­ben an die GZ über die „man­geln­de Hy­gie­ne in der Kli­nik am Ei­chert in Göp­pin­gen“. Als täg­li­che Be­su­che­rin in dem Kran­ken­haus hat die 78-Jäh­ri­ge gleich meh­re­re Är­ger­nis­se auf­zu­lis­ten: Ein gro­ßer kleb­ri­ger Fleck auf dem Bo­den im Zim­mer ei­nes Pa­ti­en­ten. Au­ßer­dem ha­be ei­ne Ta­blet­te ein gan­zes Wo­che­n­en­de lang auf dem Bo­den ge­le­gen.

Ein Dorn im Au­ge sind der Frau aus Gin­gen auch die Bet­ten, die in den Kran­ken­haus­gän­gen ste­hen – „zwar mit Fo­lie ab­ge­deckt, aber für neue Pa­ti­en­ten be­stimmt“. Rau be­fürch­tet, dass die Bet­ten, an de­nen zahl­rei­che Pa­ti­en­ten vor­bei kom­men, nicht keim­frei sind. „Kein Wun­der, dass sich hier mul­ti­re­sis­ten­te Kei­me fort­pflan­zen“, schreibt Rau in An­leh­nung an die Van­co­my­cin-re­sis­ten­ten En­te­ro­kok­ken (VRE), die die Göp­pin­ger Kli­nik seit Jah­ren be­las­ten. Das mul­ti­re­sis­ten­te Darm-Bak­te­ri­um kann bei Pa­ti­en­ten mit ge­schwäch­tem Im­mun­sys­tem In­fek­tio­nen ver­ur­sa­chen. Seit An­fang des Jah­res ver­stärkt die Kli­nik wie­der ih­re Maß­nah­men ge­gen die Er­re­ger (wir be­rich­te­ten). Zur­zeit tra­gen Kli­ni­k­in­for­ma­tio­nen zu­fol­ge an bei­den Stand­or­ten ins­ge­samt 53 Pa­ti­en­ten VRE in sich – fünf da­von am Stand­ort Geis­lin­gen – und sind iso­liert un­ter­ge­bracht.

„Die Ein­hal­tung von Hy­gie­ne­stan­dards war schon im­mer ein Schwer­punkt der Alb-Fils-Kli­ni­ken“, heißt es in ei­ner Stel­lung­nah­me zu der Kri­tik. Die Zim­mer wer­den dem­nach ein­mal am Tag so­wie nach der Ent­las­sung ei­nes Pa­ti­en­ten nach ei­ner be­stimm­ten Vor­ge­hens­wei­se ge­rei­nigt und des­in­fi­ziert. Dar­über hin­aus könn­ten Pa­ti­en­ten und Be­su­cher je­der­zeit über das Sta­ti­ons­per­so­nal den Rei­ni­gungs­dienst ru­fen. „Ei­ne Keim­ver­schlep­pung fin­det bei ord­nungs­ge­mä­ßer Rei­ni­gung so­mit nicht statt“, stellt die Kli­nik klar. Die Rei­ni­gung über­nimmt über­wie­gend ei­ne Toch­ter­ge­sell­schaft, un­ter­stützt durch ein ex­ter­nes Un­ter­neh­men. Das Rei­ni­gungs­per­so­nal wur­de in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auf­ge­stockt.

Auch bei den Bet­ten im Flur be­steht laut der Kli­nik kein Grund zur Sor­ge: Die des­in­fi­zier­ten und frisch be­zo­ge­nen Bet­ten wer­den dem­nach mit ei­ner feuch­tig­keits­ab­wei­sen­den und keim­dich­ten Schutz­fo­lie ab­ge­deckt, die ein­ma­lig ver­wen­det wird. Die Bet­ten stün­den „zur un­mit­tel­ba­ren Nut­zung für er­war­te­te Pa­ti­en­ten“be­reit, die teils aus der Not­fall­auf­nah­me sta­tio­när auf­ge­nom­men wer­den.

Die Kli­nik weist dar­auf hin, dass zur­zeit an bei­den Kli­nik­stand­or­ten auf al­len Bet­ten­sta­tio­nen ei­ne auf­wen­di­ge Scheu­er-Wisch-Des­in­fek­ti­on vor­ge­nom­men wird. Man ar­bei­te zu­dem wei­ter­hin an ei­ner Ver­bes­se­rung „in punc­to Acht­sam­keit“und dar­an, das Per­so­nal für die­ses The­ma zu sen­si­bi­li­sie­ren.

Die Ein­hal­tung der Hy­gie­ne­stan­dards war schon im­mer ei­ner un­se­rer Schwer­punk­te.“ Brit­ta Käp­peler

Spre­che­rin der Alb-Fils-Kli­ni­ken

Fo­to: Mar­kus Sont­hei­mer

Ei­ne Rei­ni­gungs­kraft wischt den Bo­den in der Geis­lin­ger Hel­fen­stein-Kli­nik. Die Alb-Fils-Kli­ni­ken be­mü­hen sich um ei­nen ho­hen Hy­gie­ne­stan­dard, Be­schwer­den gibt es trotz­dem.

Bei der Kai­ser-Braue­rei wird jetzt So­lar­bier mit So­lar­strom vom Geis­lin­ger Alb­werk ge­braut.

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