Der Welt­jah­res­bes­te mag’s lie­ber hü­ge­lig

Der Geis­lin­ger Jür­gen Kel­ler lief bei der Se­nio­ren-DM über 50 Ki­lo­me­ter in Welt­jah­res­best­zeit zum Ti­tel. Er mag’s aber lie­ber hü­ge­lig als flach.

Geislinger Zeitung - - Vorderseite - Von Tho­mas Fried­rich

Geis­lin­gen.

Aus­dau­er­läu­fer Jür­gen Kel­ler hol­te sich den deut­schen Se­nio­ren­meis­ter­ti­tel über 50 Ki­lo­me­ter flach in Welt­jah­res­best­zeit. Im In­ter­view ver­rät er, künf­tig lie­ber wie­der in den Ber­gen zu lau­fen.

Jür­gen Kel­ler von der LG Fil­s­tal lief bei der Deut­schen Meis­ter­schaft über 50 Ki­lo­me­ter in Ebers­hau­sen zum Ti­tel in der Al­ters­klas­se der Se­nio­ren 55-60. Der 59-jäh­ri­ge Geis­lin­ger stell­te in 3:33,41 St­un­den gleich noch ei­ne Jah­res-Welt­best­leis­tung für sei­ne Al­ters­klas­se auf. Sei­ne Ehe­frau El­ke Kel­ler ge­hört zu den welt­weit bes­ten Berg­läu­fe­rin­nen ih­rer Jahr­gän­ge.

Glück­wunsch, Herr Kel­ler. Sind Sie jetzt doch mal aus dem Schat­ten Ih­rer Ehe­frau her­aus­ge­tre­ten?

So se­he ich das über­haupt nicht. Wir lau­fen ja schließ­lich nicht ge­gen­ein­an­der. Vo­ri­ges Jahr sind wir bei der Deut­schen Meis­ter­schaft in Gmünd ge­mein­sam ge­lau­fen und ha­ben bei­de den Ti­tel ge­holt. Die­ses Jahr will El­ke kei­ne lan­gen Läu­fe mehr be­strei­ten und fo­kus­siert sich mehr auf die Ber­ge.

Bei al­ler Freu­de über die je­wei­li­gen Er­fol­ge des Part­ners: Gibt’s nicht doch ei­ne ge­wis­se Ri­va­li­tät?

Null­kom­ma­null. Bei der Deut­schen Cross­lauf­meis­ter­schaft zum Bei­spiel war klar, dass ich we­gen Trai­nings­rück­stands nichts rei­ßen kann. Ich ha­be mich to­tal über El­kes Ren­nen ge­freut und sie stän­dig an­ge­feu­ert. Wäh­rend mei­nes Lau­fes ha­be ich so­gar das Han­dy ge­zückt, um Bil­der von ihr zu ma­chen. Vor lau­ter Auf­re­gung ha­be ich ver­se­hent­lich die Vi­de­o­funk­ti­on ak­ti­viert. Je­der von uns freut sich ein­fach über die Er­fol­ge des an­de­ren.

Jetzt sind Sie Welt­jah­res­best­zeit ge­lau­fen. Wel­che Aus­sa­ge­kraft hat die zum jet­zi­gen Zeit­punkt?

Ei­ne gro­ße. Klar kom­men welt­weit noch ei­ni­ge Wett­kämp­fe, aber wenn ich es mit dem Vor­jahr ver­glei­che, wä­re ich mit mei­ner Zeit am En­de auf Platz zwei der welt­wei­ten Bes­ten­lis­te ge­stan­den.

Sie hat­ten mit so ei­ner Leis­tung gar nicht ge­rech­net, weil Sie die DM di­rekt aus dem Trai­nings­la­ger am Gar­da­see be­strit­ten und vie­le Ki­lo­me­ter in den Bei­nen hat­ten. Wie schnell wä­re es denn sonst ge­gan­gen?

Mit ei­ner ver­nünf­ti­gen Vor­be­rei­tung vi­el­leicht so Rich­tung 3:30 St­un­den oder knapp dar­un­ter. Da wä­re ich wohl in den Be­reich des Welt­jah­res­bes­ten 2017 ge­kom­men.

Ha­ben die 113 Trai­nings­ki­lo­me­ter bei 5100 Hö­hen­me­ter am Gar­da­see ei­ne Wo­che zu­vor die Bei­ne wirk­lich so schwer ge­macht?

Das kann man wohl sa­gen. In der sieb­ten von zehn Run­den ha­be ich schon ab­ge­wun­ken und ge­dacht, da geht gar nichts mehr. In dem Mo­ment mach­ten die Wa­den ein biss­chen zu und ich hat­te Angst, ei­nen Krampf zu be­kom­men. Der blieb zum Glück aber doch aus.

Wol­len Sie Ih­re Zeit die­ses Jahr noch ver­bes­sern?

Nein, das war mein letz­ter fla­cher Fünf­zi­ger für 2018. Sol­che An­stren­gun­gen soll­te man selbst als Jun­ger sich schon nicht zu oft zu­mu­ten, in mei­nem Al­ter erst recht nicht mehr. Ich ha­be die gan­ze Wo­che nach dem Ren­nen nichts mehr ge­macht.

Sie ha­ben’s ja wie Ih­re Gat­tin auch lie­ber hü­ge­lig. Was steht noch an in die­sem Jahr?

Im Mai flie­gen wir nach La Pal­ma und lau­fen die Trans­vul­ca­nia. Da geht’s 74 Ki­lo­me­ter über die ge­sam­te In­sel, in­klu­si­ve 4300 Hö­hen­me­tern. In den Ber­gen kann ich auch mit mei­ner Frau ge­mein­sam lau­fen. Das ist viel schö­ner, als wenn je­der sein ei­ge­nes Ren­nen be­strei­tet und der an­de­re nur zu­schaut.

Fo­to: Ralf Gör­litz

Jür­gen Kel­ler beim Lau­fen, künf­tig wie­der ge­mein­sam mit der Gat­tin in den Ber­gen.

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