Oh­ne kla­ren Kurs

Geislinger Zeitung - - Themen Des Tages / Politik - leit­ar­ti­kel@swp.de El­len Ha­sen­kamp zur EU-Sy­ri­en­po­li­tik

Jetzt aber wirk­lich: Im Sy­ri­en-Kon­flikt soll nun die Di­plo­ma­tie zu Höchst­form auf­lau­fen. Es wer­den po­li­ti­sche Pro­zes­se auf­ge­setzt, Ge­sprächs­for­ma­te be­ra­ten und UN-Re­so­lu­tio­nen ein­ge­bracht. Ganz vor­ne mit da­bei in Sa­chen An­re­gun­gen und An­kün­di­gun­gen sind die Eu­ro­pä­er. Doch was ge­nau soll nun ei­gent­lich noch ver­han­delt wer­den? Der Krieg in Sy­ri­en je­den­falls ist ent­schie­den. Macht­ha­ber Ba­schar al-As­sad hat ihn – mit tat­kräf­ti­ger Hil­fe Russ­lands – so gut wie ge­won­nen.

Ver­lo­ren ha­ben die ge­tö­te­ten, ver­letz­ten und ver­trie­be­nen Men­schen in dem kriegs­zer­stör­ten Land. Ver­lo­ren hat auch die in­ter­na­tio­na­le Kri­sen­di­plo­ma­tie. Ins­be­son­de­re die EU, die doch so gern über ih­re ge­wach­se­ne Ver­ant­wor­tung und ih­ren ge­wünsch­ten Ein­fluss in der Welt phi­lo­so­phiert, steht wie­der ein­mal bla­miert da.

Von ei­ner ge­mein­sa­men Au­ßen­und Si­cher­heits­po­li­tik, an de­ren klei­nen und gro­ßen Stell­schrau­ben nun schon seit Jah­ren in Brüs­sel mit Hin­ga­be ge­dreht wird, war im Sy­ri­en-Kon­flikt nicht viel zu se­hen. Im Ge­gen­teil: Zu se­hen be­kam die Welt­öf­fent­lich­keit am Wo­che­n­en­de viel­mehr, dass sich zwei von 28 EU-Staa­ten an den jüngs­ten US-Luft­an­grif­fen be­tei­lig­ten. Von ge­mein­sa­men Be­ra­tun­gen, Ab­stim­mun­gen oder gar Er­klä­run­gen der Eu­ro­pä­er da­ge­gen kei­ne Spur.

An For­ma­ten für Lö­sungs­ver­su­che im Sy­ri­en-Kon­flikt hat es in den letz­ten Jah­ren nicht ge­man­gelt. Ver­han­delt wur­de in Genf un­ter dem Dach der Ver­ein­ten Na­tio­nen, in Astana oder in Sot­schi und na­tür­lich im UN-Si­cher­heits­rat in New York. Doch ei­ne ent­schei­den­de Stim­me war die EU nir­gends.

Für wirk­li­che Ein­fluss­nah­me in ei­nem Kon­flikt die­ser Di­men­si­on fehlt es Eu­ro­pa zum ei­nen wei­ter­hin schlicht an Ge­wicht. Wenn re­gio­na­le Groß­mäch­te wie die Tür­kei und Iran um ih­ren Ein­fluss kämp­fen, wird die Eu­ro­päi­sche Uni­on an den Rand ge­drängt. Und wenn, wie in Sy­ri­en, die USA und Russ­land die Kon­fron­ta­ti­on su­chen, hilft ein Da­zwi­schen­wer­fen der EU we­nig.

Zum an­de­ren hat die EU aber auch nie zu ei­ner ein­heit­li­chen Sy­ri­en-Stra­te­gie ge­fun­den. Erst ging es um ei­ne fried­li­che Re­vo­lu­ti­on, dann um die

Zu­min­dest als hu­ma­ni­tä­re Su­per­macht könn­te sich die EU pro­fi­lie­ren.

Zu­kunft As­sads, spä­ter auch um ein En­de der Flücht­lings­kri­se. Dass die Eu­ro­pä­er mit ih­rer stra­te­gi­schen Leer­stel­le nicht al­lein auf der Welt sind, mag ein schwa­cher Trost sein. Selbst harm­lo­se­re Stel­lung­nah­men schei­ter­ten oft schon an der Fra­ge, wie streng mit Mos­kau ins Ge­richt zu ge­hen sei. Zu un­ter­schied­lich ist hier mit­un­ter die prak­tisch-wirt­schaft­li­che In­ter­es­sens­la­ge der ein­zel­nen EU-Part­ner.

Nicht ein­mal der Druck der Flücht­lings­kri­se ver­moch­te es, die Eu­ro­pä­er zu ent­schlos­se­nen Ak­tio­nen zu­sam­men­zu­schwei­ßen. Statt­des­sen zer­strit­ten sich die EU-Staa­ten über die Be­wäl­ti­gung der Fol­gen: Die Ver­tei­lung und Ver­sor­gung von Mil­lio­nen ver­zwei­fel­ter Kriegs­op­fer.

Den­noch ist die Be­wäl­ti­gung der Not wei­ter das wohl na­he­lie­gends­te Be­tä­ti­gungs­feld für die Eu­ro­pä­er im Sy­ri­en-Kon­flikt. Die EU könn­te sich so zu­min­dest als hu­ma­ni­tä­re Su­per­macht pro­fi­lie­ren.

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