Rad­ler sind die Sor­gen­kin­der

Auf deut­schen Stra­ßen sind 2017 so we­ni­ge Men­schen um­ge­kom­men wie seit 60 Jah­ren nicht mehr. Nur die Zahl der ver­un­glück­ten Rad­fah­rer bleibt gleich.

Geislinger Zeitung - - Blick In Die Welt - Von Ali­sa Grün

Auf deut­schen Stra­ßen sind letz­tes Jahr 3180 Men­schen ge­stor­ben. Das wa­ren 26 we­ni­ger als 2016 und so we­ni­ge wie zu­letzt vor 60 Jah­ren. Und das, ob­wohl es heu­te zwölf­mal so vie­le Kraft­fahr­zeu­ge wie in den 50er Jah­ren gibt. Das zei­gen die Zah­len des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts (De­sta­tis) zur Un­fall­ent­wick­lung 2017.

Ih­ren Hö­he­punkt hat­te die Zahl der Un­fall­to­ten 1970 er­reicht: mehr als 21 300 Men­schen. Bes­se­re Tech­nik, die Gurt­pflicht und das Tem­po­li­mit auf Land­stra­ßen ha­ben die Zahl um 85 Pro­zent re­du­ziert. Im Durch­schnitt ka­men 2017 et­wa neun Men­schen täg­lich im Stra­ßen­ver­kehr ums Le­ben.

„Es gibt den­noch kei­nen Grund zur Ent­war­nung“, sag­te De­sta­tis-Prä­si­dent Ge­org Thiel. Bis 2020 will die Bun­des­re­gie­rung mit ih­rem Ver­kehrs­si­cher­heits­pro­gramm die Zahl der Ver­kehrs­to­ten auf 2405 sen­ken. Thiel sag­te aber: „Um das selbst­ge­steck­te Ziel zu er­fül­len, müs­sen die ver­kehrs­po­li­ti­schen An­stren­gun­gen al­ler­dings noch deut­lich er­höht wer­den.“

Sor­gen­kind der Ver­kehrs­sta­tis­tik sind die Rad­fah­rer. An­fang 2017 gab es 69,5 Mil­lio­nen Rä­der in den Pri­vat­haus­hal­ten, vie­le Men­schen nut­zen das Rad deut­lich häu­fi­ger als frü­her. Auch die Kom­mu­nen set­zen ver­mehrt auf den Rad­ver­kehr, um Schad­stof­fe und Lärm in den In­nen­städ­ten zu ver­rin­gern. „Es ist je­doch nicht ge­lun­gen, die Si­cher­heit für Fahr­rad­fah­rer im glei­chen Ma­ße zu ver­bes­sern, wie für an­de­re Ver­kehrs­teil­neh­mer“, sag­te Thiel.

Das zeigt auch die Op­fer­sta­tis­tik. Wäh­rend die Zahl der Ver­kehrs­to­ten ge­gen­über 2010 um 13 Pro­zent zu­rück­ging, blieb die Zahl der ge­tö­te­ten Rad­fah­rer na­he­zu gleich, 2017 wa­ren es 382, und 79 800 wur­den ver­letzt. Je­der ach­te Ver­kehrs­to­te und je­der fünf­te Ver­letz­te war ein Rad­ler.

Be­son­ders ge­fähr­det sei­en die über 75-Jäh­ri­gen, sag­te die Ver­kehrs­sta­tis­ti­ke­rin Mir­jam Bick. 40 Pro­zent der ge­tö­te­ten Rad­fah­rer wa­ren in die­sem Al­ter.

Ver­kehrs­mi­nis­ter An­dre­as Scheu­er sag­te. er set­ze sich für die ver­bind­li­che Ein­füh­rung des Ab­bie­ge-As­sis­ten­ten bei Last­wa­gen ein. Da­durch soll die Ge­fahr für Rad­fah­rer ein­ge­dämmt wer­den. 2017 sind et­wa 3100 Un­fäl­le von Las­tern und Fahr­rä­dern pas­siert. 76 Rad­ler star­ben. Je­der drit­te Un­fall pas­sier­te beim Ab­bie­gen. Bei Un­fäl­len mit Per­so­nen­wa­gen star­ben 137 Rad­ler.

2017 sind 68 Pe­del­ec-Fah­rer ge­tö­tet wor­den. Ver­letzt wur­den 5047. Das wa­ren mehr als dop­pelt so vie­le Per­so­nen­schä­den wie 2014. Auch hier gel­ten über 75-Jäh­ri­ge als Ri­si­ko­grup­pe. Bick: „Bei ei­nem äl­te­ren Men­schen ist die Wahr­schein­lich­keit hö­her, sich bei ei­nem Sturz schwer oder töd­lich zu ver­let­zen.“Die­se Al­ters­grup­pe sei der Un­fall­for­schung zu­fol­ge mit den hö­he­ren Ge­schwin­dig­kei­ten und dem hö­he­ren Ge­wicht der Fahr­rä­der mit Hilfs­mo­tor häu­fig über­for­dert.

Fo­to: Paul Zin­ken/dpa

Ei­ne der größ­ten Ge­fah­ren: Rad­ler wer­den vom Last­wa­gen beim Ab­bie­gen er­fasst. Al­lein bei sol­chen Un­fäl­len sind letz­tes Jahr 76 Men­schen ge­stor­ben.

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