Bür­ger wol­len kei­ne Er­hö­hung des Müll-Durch­sat­zes

Beim Ab­schluss des Bür­ger­info­pro­zes­ses von Land­kreis, AWB und EEW gibt es von Sei­ten kri­ti­scher Bür­ger kla­res Nein zu mehr Müll­ver­bren­nung.

Geislinger Zeitung - - Geislingen Und Kreis - Von An­ne­ro­se Fi­scher-Bu­cher

Ein­ver­nehm­lich und leicht wird es nicht“, war die Ab­schluss-Aus­sa­ge von Land­rat Ed­gar Wolff beim drit­ten und letz­ten Tref­fen ei­nes frei­wil­li­gen Be­tei­li­gungs­ver­fah­rens und Bür­ger­infor­ma­ti­ons­pro­zes­ses, bei dem es um die Er­hö­hung der Durch­satz­men­ge des Mülls beim Göp­pin­ger Müll­heiz­kraft­werk ging. Am En­de for­mu­lier­ten die Bür­ger­ver­tre­ter ihr kla­res Nein mit 17 Stim­men bei 29 Teil­neh­mern des Pro­zes­ses, an dem Kreis­tags­mit­glie­der, Mit­glie­der von An­lie­ger­ge­mein­den, Mit­ar­bei­ter des AWB und des chi­ne­si­schen Be­trei­bers EEW so­wie Mit­glie­der der Land­kreis­ver­wal­tung teil­nah­men.

Er­klä­rung ab­ge­mil­dert

In ei­ner schrift­li­chen Er­klä­rung ga­ben die an­we­sen­den Bür­ger kei­ne An­pas­sungs­wün­sche an den Kreis­tag und an die Ver­wal­tung, son­dern stell­ten drei grund­sätz­li­che For­de­run­gen auf: Kei­ne Men­gen­er­hö­hung der ver­brann­ten Müll­men­ge, kein Ver­zicht auf die Kün­di­gungs­mög­lich­keit bis 2025 und ei­ne ernst­haf­te Prü­fung der Re­kom­mu­na­li­sie­rung des Müll­heiz­kraft­werks.

Die Aus­sa­ge, dass ein di­rek­ter Zu­sam­men­hang zwi­schen Er­kran­kun­gen und Ver­bren­nung be­ste­he, wur­de von den Kri­ti­kern in ei­ner zwei­ten mo­di­fi­zier­ten Er­klä­rung ab­ge­mil­dert. Sie be­ton­ten je­doch, dass ei­ne ge­sund­heit­li­che Ge­fähr­dung nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kön­ne und wie­sen in die­sem Zu­sam­men­hang noch­mals auf die Grund­rech­te Ge­sund­heit und kör­per­li­che Un­ver­sehrt­heit hin.

Die Mo­di­fi­zie­rung durch die Kri­ti­ker er­folg­te je­doch erst nach ei­nem Pro­test von Teil­neh­mern, die noch­mals auf die Er­geb­nis­se ei­nes Vor­trags von Pro­fes­so­rin Dr. Iris Zöll­ner vom Lan­des­ge­sund­heits­amt hin­ge­wie­sen hat­ten. Die Re­fe­ren­tin hat­te Er­geb­nis­se von Un­ter­su­chun­gen spe­zi­ell zur Kin­der­krebs­er­kran­kung, zur Atem­wegs­er­kran­kung und zu ge­sund­heit­li­chen Kon­se­quen­zen in Ver­glei­chen von Land­kreis, Ba­den-Würt­tem­berg, Obe­res Fil­s­tal, Mitt­le­res Fil­s­tal, Un­te­res Fil­s­tal und Voralb vor­ge­stellt.

Ob­wohl Fra­gen of­fen blie­ben, ließ das Ge­samt­er­geb­nis kei­nen Rück­schluss auf ei­nen di­rek­ten Zu­sam­men­hang von Er­kran­kun­gen und Müll­heiz­kraft­werk zu. In den meis­ten Un­ter­su­chun­gen la­gen die Wer­te der vier Land­kreis-Ein­tei­lun­gen un­ter­halb der Wer­te des ge­sam­ten Land­krei­ses und von Ba­den-Würt­tem­berg. Die Aus­rei­ßer in ei­ner Ge­mein­de wer­den nach Aus­sa­ge des Ge­sund­heits­am­tes Göp­pin­gen und des Lan­des­ge­sund­heits­am­tes wei­ter be­ob­ach­tet. Zöll­ner wies au­ßer­dem dar­auf hin, dass bei zwei un­ter­schied­li­chen Stu­di­en, die sie vor­stell­te, Ta­bak mit 20 bis 31 Pro­zent als mög­li­che Ur­sa­che bei Krebs­er­kran­kun­gen an der Spit­ze lie­ge. Da­ge­gen ran­gier­ten Ver­schmut­zung von Luft, Was­ser und Nah­rung im Be­reich zwi­schen ein und fünf Pro­zent. Die Kri­ti­ker der Durch­satz­men­gen-Er­hö­hung des Mülls, zu de­nen auch die Kom­mu­nen Göp­pin­gen und Hei­nin­gen ge­hö­ren, leg­ten je­doch Wert auf die Fest­stel­lung, dass ein Zu­sam­men­hang zwi­schen Er­kran­kun­gen und Müll­heiz­kraft­werk zwar nicht be­wie­sen sei, aber auch nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kön­ne.

Zu Be­ginn gab es zu­nächst ei­ne län­ge­re Dis­kus­si­on über das Ver­fah­ren wäh­rend des Bür­ger­info­pro­zes­ses, be­vor die Fra­ge ei­nes zu­sätz­li­chen Ver­kehrs­auf­kom­mens er­ör­tert wur­de. Die Bür­ger be­fürch­te­ten mehr Lkw-Ver­kehr durch Holz­heim und durch den Kreis, wenn 15 Pro­zent mehr Müll aus den Krei­sen Ess­lin­gen, Rem­sMurr und Stutt­gart an­ge­lie­fert wür­den. 15 Pro­zent mehr Müll wür­den auch 15 Pro­zent mehr Ver­kehr und mehr Schad­stof­fe er­ge­ben. Dirk Haus­mann, Lei­ter des AWB, ver­such­te, die­se Aus­sa­ge zu ent­kräf­ten. Die bis­he­ri­gen Sam­mel­fahr­zeu­ge mit 7,5 Ton­nen gin­gen zu­rück und an de­ren Stel­le wür­den 20-Ton­ner ein­ge­setzt, die über die B 10 fah­ren wür­den und nicht über Holz­heim.

Land­rat Wolff räum­te in sei­nem Schluss­wort ein, dass „der Pro­zess zu Be­ginn nicht rich­tig ge­lau­fen“sei, aber den Vor­wurf der man­geln­den Trans­pa­renz und man­geln­den In­for­ma­ti­on ha­be man aus­räu­men kön­nen. Nach ei­nem Lob von Teil­neh­mern für den Bür­ger­infor­ma­ti­ons­pro­zess re­la­ti­vier­te Wolff die Aus­sa­ge sei­nes Stell­ver­tre­ters Jo­chen Heinz, das Pa­ket wer­de nicht auf­ge­schnürt.

Die Bür­ger be­fürch­ten mehr Lkw-Ver­kehr.

Die ge­plan­te Er­hö­hung der Durch­satz­men­ge im Göp­pin­ger Müll­heiz­kraft­werk bleibt um­strit­ten.

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