Lui­sa Boos ver­zich­tet für Eve­ly­ne Gebhardt

Geislinger Zeitung - - Südwestumschau - Jens Schmitz

Die frü­he­re Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin der Lan­des-SPD will den für sie zu­ge­dach­ten Lis­ten­platz 15 nicht mehr.

Stutt­gart.

Kurz vor der ent­schei­den­den De­le­gier­ten­kon­fe­renz in Ber­lin hat die Lan­des-SPD ih­ren Kampf um mehr Ge­wicht auf der Eu­ro­pa­wahl­lis­te in­ten­si­viert. Ba­den-Würt­tem­bergs frü­he­re Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin Lui­sa Boos ver­zich­te­te am Frei­tag auf den ihr zu­ge­dach­ten Platz 15: Sie wol­le nicht ge­gen die am­tie­ren­de Vi­ze­prä­si­den­tin des EU-Par­la­ments, Eve­ly­ne Gebhardt, kan­di­die­ren. Auch für den zwei­ten ak­tu­el­len Ab­ge­ord­ne­ten aus Ba­den-Würt­tem­berg, Pe­ter Si­mon, hat Lan­des-Chef Andre­as Stoch wie­der Hoff­nung: „Mit je mehr Leu­ten ich re­de, des­to mehr stim­men mir zu“, sag­te er die­ser Zei­tung.

Die SPD will ih­re Kan­di­da­ten­lis­te am Sonn­tag in Ber­lin be­schlie­ßen. Bei der Lan­des-SPD gärt es: Der Bun­des­vor­stand hat ih­nen in sei­nem Vor­schlag un­ter den ers­ten zwan­zig Plät­zen nur ei­nen zu­ge­wie­sen, den mä­ßig chan­cen­rei­chen Platz 15. Zu­sätz­lich sieht der Lan­des­ver­band sein de­mo­kra­ti­sches Vo­tum miss­ach­tet: Die Lan­des-SPD hat­te ih­re da­ma­li­ge Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin Lui­sa Boos im Sep­tem­ber hin­ter den bei­den Eu­ro­pa-Ab­ge­ord­ne­ten Gebhardt und Si­mon no­mi­niert. Der Bun­des­vor­stand ver­än­der­te die­se Rei­hen­fol­ge aber, vor­geb­lich mit dem Ziel, die Lis­te „jün­ger und weib­li­cher“zu ge­stal­ten. Er schlug die 34-jäh­ri­ge Boos auf Platz 15 vor, Eve­ly­ne Gebhardt (64) und Pe­ter Si­mon (51) auf den aus­sichts­lo­sen Plät­zen 25 und 28.

Seit­her herrscht hel­le Auf­re­gung im Süd­wes­ten, zu­mal vor Gebhardt meh­re­re Män­ner plat­ziert sind, die sie an Le­bens­jah­ren über­tref­fen. Die­se Wo­che be­stä­tig­te sie un­se­rer Zei­tung in Brüs­sel, sie wer­de „auf je­den Fall“auf Platz 15 kan­di­die­ren. Auf ei­ne Kampf­kan­di­da­tur lässt Lui­sa Boos es aber nicht an­kom­men: Am Frei­tag bat sie den Bun­des­vor­stand, sie auf Platz 25 vor­zu­schla­gen.

„Ich möch­te un­ter die­sen Um­stän­den nicht auf Platz 15 der Bun­des­lis­te kan­di­die­ren“, schrieb Boos in ei­ner Er­klä­rung, die sie auch on­li­ne ver­öf­fent­lich­te. Sie wol­le ih­ren Lis­ten­platz nicht ge­gen die „von mir po­li­tisch und mensch­lich sehr ge­schätz­te“Lan­des-Ge­nos­sin ver­tei­di­gen.

Stoch sag­te, Boos‘ Schritt ver­die­ne gro­ßen Re­spekt. „Ich ge­he sehr stark da­von aus, dass der Par­tei­vor­stand sich die­ser Er­klä­rung von Boos und auch Gebhardt nicht ent­zie­hen kann.“Auf­grund ei­nes Rück­zugs in Thü­rin­gen müs­se die Lis­te vor der De­le­gier­ten­kon­fe­renz oh­ne­hin noch ein­mal ver­än­dert wer­den. Den Kon­flikt um Gebhardt und Boos kön­ne man al­so im Vor­feld ab­räu­men.

Wo Si­mon an­grei­fen wird, moch­te Stoch am Frei­tag nicht ver­ra­ten.

Fo­to: dpa

Lui­sa Boos: Für ih­ren Ver­zicht wur­de ihr ges­tern Re­spekt ge­zollt.

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