Bil­dung ist der Schlüs­sel zur Ent­wick­lung

Geislinger Zeitung - - Geislingen Und Kreis - Von Clau­dia Burst

Die Geis­lin­ger Pfar­re­rin Yas­na Crü­se­mann hofft auf Un­ter­stüt­zung der GZ-Le­ser für ein Bil­dungs­zen­trum in Bo­li­vi­en. Kin­der und Frau­en sol­len dort lernen. Auf den be­reits be­ste­hen­den Mau­ern fehlt im­mer noch das Dach.

San­ta Cruz de la Sier­ra ist ei­ne Mil­lio­nen­stadt im Zen­trum Bo­li­vi­ens. Sie wächst schnell, vor al­lem, weil sich Men­schen aus den Land­ge­bie­ten dort am Rand der Groß­stadt an­sie­deln. Auf die­se Wei­se ent­wi­ckeln sich in­mit­ten des wüs­ten­ähn­li­chen Ge­län­des zahl­rei­che klei­ne Vier­tel mit ein­fa­chen Zie­gel­häus­chen – und sonst fast kei­ner In­fra­struk­tur. Das be­deu­tet Schot­ter­stra­ßen statt As­phalt, hin und wie­der wird der Müll ab­ge­holt oder auch nicht, es gibt kei­ne rich­ti­gen Lä­den, son­dern nur pri­va­te Bu­den, kei­ne Ge­sund­heits­sta­tio­nen, kei­ne Ärz­te, kei­ne Schu­len. Bis ins Zen­trum von San­ta Cruz dau­ert es mit den un­re­gel­mä­ßig ver­keh­ren­den Mi­ni-Bus­sen ein­ein­halb St­un­den, bis zur nächs­ten Schu­le über ei­ne St­un­de. Ei­ne Fahrt, die vor al­lem für klei­ne Schü­ler nicht un­ge­fähr­lich ist, wie Yas­na Crü­se­mann vom Ul­mer DiMOE (Di­enst für Mis­si­on, Öku­me­ne und Ent­wick­lung) vor Ort von ei­nem Be­woh­ner er­fah­ren hat. „Weil so­wohl die Stra­ßen und die Bus­se in schlech­tem Zu­stand sind, aber auch, weil die Kin­der oh­ne jeg­li­che Auf­sicht fah­ren müs­sen.“ Kin­der und Frau­en. In die­sem sol­len an­fangs schu­li­sche Er­gän­zungs­an­ge­bo­te wie Haus­auf­ga­ben­be­treu­ung oder Nach­hil­fe­un­ter­richt oder Be­treu­ung für Stra­ßen­kin­der an­ge­bo­ten wer­den. Ge­plant ist, das Ge­bäu­de spä­ter in ei­ne Grund­schu­le um­zu­funk­tio­nie­ren. Die Deut­schen ar­bei­ten da­für mit der Bo­li­via­ni­schen Evan­ge­lisch-Lu­thera­ni­schen Kir­che zu­sam­men, ihr An­sprech­part­ner ist Bi­schof Emi­lio Asl­la Flo­res.

Yas­na Crü­se­mann war im Som­mer Lei­te­rin des Ju­gend­pro­jekts „In­ter­na­tio­na­les Work­camp Bo­li­vi­en“, das das EJW mit dem DiMOE or­ga­ni­siert hat. 14 deut­sche Ju­gend­li­che, da­von sie­ben aus dem Kir­chen­be­zirk Geis­lin­gen, zo­gen ge­mein­sam mit zehn jun­gen Bo­li­via­nern in­ner­halb von zwei Wo­chen die Mau­ern die­ses Kin­der­zen­trums hoch. Ei­ne nicht ein­fa­che Auf­ga­be trotz der Fach­kräf­te vor Ort, wie Crü­se­mann er­zählt. So hat­ten die Ju­gend­li­chen et­wa an ei­nem win­di­gen Tag in­mit­ten von auf­ge­wir­bel­tem Staub und Dreck un­ter fach­li­cher An­lei­tung ei­ne Mau­er auf­ge­baut. Ein hef­ti­ger Sturm in der Nacht ließ die­se Mau­er to­tal zu­sam­men­bre­chen. „Die Ar­bei­ter hat­ten ih­re Stütz­pfei­ler noch nicht mit der Mau­er ver­bun­den“, er­klärt die Pfar­re­rin das Miss­ge­schick. Die Ju­gend­li­chen hät­ten sich von dem Rück­schlag nicht un­ter­krie­gen las­sen – und am En­de ih­rer Ein­satz­zeit stan­den die Mau­ern der künf­ti­gen Grund­schu­le samt Stütz­pfei­lern. „Jetzt fehlt noch das Dach be­zie­hungs­wei­se auch das Geld für des­sen Bau“, er­zählt Yas­na Crü­se­mann. Ge­plant ist ein Flach­dach aus Be­ton. „Da­mit die Schu­le bei Be­darf ir­gend­wann auf­ge­stockt wer­den kann.“

Die Räu­me in dem Vier­tel mit dem Hoff­nung ver­hei­ßen­den Na­men „Ma­pai­so Sur II“(„Mein Pa­ra­dies“im Sü­den II) die­nen, wenn

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sie fer­tig­ge­stellt sind, meh­re­ren Zwe­cken. In ers­ter Li­nie den Kin­dern vor Ort.

Aber auch Frau­en sol­len dort Wei­ter­bil­dungs­kur­se er­hal­ten oder et­was lernen dür­fen. „Weil Bil­dung der wich­tigs­te Schlüs­sel zur Ent­wick­lung ist – und da­mit ein wirk­sa­mes Mit­tel, um Ar­mut zu min­dern und Hoff­nung auf Zu­kunft zu schaf­fen.“

Die Fi­nan­zie­rung des Dachs ist noch of­fen, der Rest wur­de un­ter­stützt vom Gus­tav-Adolf-Werk, vom Bund, von pri­va­ten Spen­dern, aus dem Er­lös des Geis­lin­ger Kir­chen­ca­fés so­wie vom Ro­ta­ry Club Geis­lin­gen-Laichin­gen.

In­fo

Fo­to: DiMOE

Die Mau­ern für das Bil­dungs­zen­trum für Kin­der- und Frau­en wur­den von jun­gen, deut­schen Frei­wil­li­gen ge­mein­sam mit bo­li­via­ni­schen Ju­gend­li­chen un­ter fach­li­cher An­lei­tung in die Hö­he ge­zo­gen.

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