Han­dels­po­li­tik pur

Geislinger Zeitung - - Themen Des Tages / Politik - Igor Steinle zur Kri­tik des US-Bot­schaf­ters an Deutsch­land

Zu­erst ver­such­ten die Ame­ri­ka­ner es mit dem Ar­gu­ment, Eu­ro­pa wür­de durch die Gas­pipe­line Nord Stream 2 zu stark ab­hän­gig von rus­si­schem Gas. Ei­ner ge­naue­ren Be­trach­tung hielt die­ses Ar­gu­ment je­doch nicht stand. Denn bei der rus­sisch-eu­ro­päi­schen Ener­gie­part­ner­schaft han­delt es sich um ei­ne Be­zie­hung ge­gen­sei­ti­ger Ab­hän­gig­keit – in der Russ­land mehr zu ver­lie­ren hat als der Wes­ten. Wäh­rend Deutsch­land und Eu­ro­pa je­der­zeit auf an­de­re Lie­fe­ran­ten zu­rück­grei­fen könn­ten, et­wa über Flüs­sig­gas­ter­mi­nals oder Erd­gas aus Nor­we­gen, wür­de für Russ­land ein Ver­zicht auf den eu­ro­päi­schen Ab­satz­markt ei­nen her­ben Ein­schnitt in den Staats­haus­halt be­deu­ten.

Nun tor­pe­die­ren die Ame­ri­ka­ner das Pro­jekt über die geo­po­li­ti­sche Schie­ne: Durch Nord Stream 2 wür­de die Ukrai­ne an si­cher­heits­po­lit­scher Be­deu­tung ver­lie­ren, was die Ge­fahr rus­si­scher In­ter­ven­tio­nen er­hö­hen wür­de. Auch die­ses Ar­gu­ment wirkt be­müht, hat der Gas­tran­sit durch die Ukrai­ne die Rus­sen auch bis­her nicht da­von ab­ge­hal­ten, wei­te Tei­le des Lan­des de fac­to ab­zu­spal­ten.

Bei­de Ar­gu­men­te sind vor­ge­scho­ben. US-Bot­schaf­ter Gren­ell geht es we­ni­ger um die Si­cher­heit Eu­ro­pas als um die Markt­an­tei­le ame­ri­ka­ni­scher Un­ter­neh­men. Sein Ver­hal­ten ist so­mit Aus­druck ty­pisch trum­pis­ti­scher Han­dels­po­li­tik.

Seit dem Fracking-Boom sind die USA vom Ga­s­im­por­teur zum -ex­por­teur auf­ge­stie­gen und drän­gen mit ih­rem Pro­dukt nun auf den Welt­markt. Um die­ses ein­deu­tig wirt­schaft­li­che In­ter­es­se durch­zu­set­zen, ist man ganz of­fen­sicht­lich be­reit, jeg­li­che di­plo­ma­ti­sche Zu­rück­hal­tung auf­zu­ge­ben. Deutsch­land wä­re gut be­ra­ten, dem nicht nach­zu­ge­ben.

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