Schip­pen bis der Berg wächst

Geislinger Zeitung - - Geislingen - Von Claudia Burst

In der Ey­ba­cher Grund­schu­le be­deu­tet Schnee vor al­lem Spaß. Trotz Vor­schrif­ten und Her­aus­for­de­run­gen, die dank Er­fah­rung ge­meis­tert wer­den.

Es klin­gelt zur gro­ßen Pau­se. Die Ey­ba­cher Grund­schü­ler stür­men nach drau­ßen. Die schnells­ten er­gat­tern ei­ne der zahl­rei­chen Kin­der­schnee­schau­feln, die an der Ge­bäu­de­wand leh­nen und le­gen los mit Schip­pen. „Da rei­ßen sie sich drum. Das macht ih­nen rie­sig Spaß“, be­stä­tigt Schul­lei­te­rin In­grid Vee­ser und er­zählt, dass die Kin­der aus dem rie­si­gen Schnee­hau­fen dann, wenn sich der Schnee ver­fes­tigt hat, ein Ig­lu bau­en wol­len.

„Un­ser Haus­meis­ter Marc An­ge­le un­ter­stützt den Ei­fer der Kin­der“, er­zählt sie zu­frie­den. Die­ser räumt zwar – wie vor­ge­schrie­ben – bis 7 Uhr mor­gens sämt­li­che Ver­kehrs­we­ge wie die Leh­rer­park­plät­ze, die Trep­pen und die Lauf­we­ge frei, aber auf dem Schul­hof lässt er den Schnee ex­tra für die Kin­der lie­gen.

„Schnee hat Auf­for­de­rungs­cha­rak­ter und lockt die Kin­der nach drau­ßen. Ich bin froh, dass die Kin­der sich mit Be­geis­te­rung aus­to­ben und er­ken­nen, dass je­de Jah­res­zeit ih­ren Reiz hat“, sagt die Rek­to­rin.

Tat­säch­lich feu­ern sich die Kin­der ge­gen­sei­tig beim Schip­pen an. „Noch hö­her, da­mit ich nach­her drin ste­hen kann“, ruft ei­ner und die an­de­ren wir­beln. Schnell fehlt der wei­ße Be­lag um den Schnee­berg in der Pau­sen­hof­mit­te. Haus­meis­ter Marc An­ge­le schaut zu­frie­den zu.

Die Nicht­schip­per-Kin­der ha­ben in der Schul­pau­se eben­falls ih­ren Spaß. Ei­ni­ge Mäd­chen rol­len gro­ße Schnee­bäl­le durch den Schnee der Wie­se, um ei­nen Schnee­mann dar­aus zu bau­en, an­de­re spie­len Fan­ge und ha­ben Spaß dar­an, Schnee vom Ge­büsch auf ih­re Fän­ger nie­der­rie­seln zu las­sen.

Schnee­ball­schlach­ten sind da­ge­gen ta­bu. „Das ist bei uns ver­bo­ten, da­mit nichts pas­siert“, sagt In­grid Vee­ser. Das­sel­be gel­te für das Rut­schen im Hang, weil un­term Schnee di­ver­se Spiel­ge­rä­te kaum zu se­hen sind und un­ten am Hang au­ßer­dem der Fahr­rad­stän­der als Ge­fah­ren­punkt lau­ert. „Wir ha­ben den Kin­dern er­läu­tert, war­um das nicht er­laubt ist und sie ak­zep­tie­ren das.“

Der Schnee rund um die Schu­le be­deu­tet aber vor al­lem Spaß. Au­ßer viel­leicht für Marc An­ge­le, des­sen Schnee­frä­se aus­ge­rech­net in die­ser Wo­che den Geist auf­ge­ge­ben hat, als sie erst­mals in die­sem Jahr wirk­lich ge­for­dert war. „Trotz­dem war bis 7 Uhr al­les ge­räumt“, lobt Vee­ser, der Haus­meis­ter ha­be ge­mein­sam mit sei­nem Va­ter die We­ge kon­ven­tio­nell ge­schippt.

Der Bus ver­spä­tet sich kaum

Klei­ne Pro­ble­me gibt es ab und zu we­gen des Stra­ßen­ver­kehrs. Ei­ne Leh­re­rin der Ey­ba­cher Schu­le, die aus Faurn­dau kommt, hat an die­sem Don­ners­tag Ver­spä­tung, weil sie im Stau steht. In­grid Vee­ser muss des­halb de­ren Schü­ler mit Auf­ga­ben be­schäf­ti­gen, bis die Klas­sen­leh­re­rin ein­trifft. Sie trägt die Ver­ant­wor­tung in Ey­bach seit 14 Jah­ren und bleibt auch bei An­ru­fen von El­tern ge­las­sen, wenn die ihr aus­rich­ten, dass ihr Au­to nicht an­springt und die Spröss­lin­ge erst spä­ter auf­tau­chen. „Der Bus der aus­wär­ti­gen Kin­der hat­te die­ses Jahr noch kei­ne Ver­spä­tung und auch in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ei­gent­lich nie“, kon­sta­tiert sie. Frü­her sei­en Ver­spä­tun­gen der Busse häu­fi­ger vor­ge­kom­men „und ein ein­zi­ges Mal kam der Bus aus ir­gend­ei­nem Grund über­haupt nicht. Aber das ist schon vie­le Jah­re her.“

In­grid Vee­ser ist seit 40 Jah­ren Leh­re­rin, in all der Zeit ist noch nie et­was Schlim­mes we­gen Schnee pas­siert, und dar­über ist sie froh. „Im schlimms­ten Fall sind die Kin­der nass oder ha­ben nas­se Fü­ße“, er­zählt sie – und da­für gibt es Ab­hil­fe: „Al­le Kin­der ha­ben bei uns Haus­schu­he in den Klas­sen­zim­mern an. Das heißt, Socken kön­nen auf der Hei­zung im Klas­sen­zim­mer ge­nau­so ge­trock­net wer­den wie Müt­zen, Hand­schu­he oder Ja­cken. Oder so­gar Ho­sen: In die­sem Fall wird auf die Sport­klei­dung zu­rück­ge­grif­fen, die je­des Kind für den Sport­un­ter­richt in der Schu­le la­gert.

Foto: Claudia Burst

Was für Er­wach­se­ne Ar­beit be­deu­tet, macht Kin­dern ein­fach nur Spaß: Sie schip­pen in der gro­ßen Pau­se ger­ne Schnee. Aus dem Berg soll dann mal ein Ig­lu wer­den, in dem die Kin­der aus Ey­bach so­gar ste­hen kön­nen.

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