Städ­te wol­len nicht auf Pfle­ge-Kos­ten sit­zen blei­ben

Weil An­ge­hö­ri­ge ent­las­tet wer­den sol­len, dro­hen den Kom­mu­nen nd Mehr­aus­ga­ben von 500 Mil­lio­nen Eu­ro. Der Bund springt nicht ein.

Geislinger Zeitung - - Vorderseit­e - Von Dieter Kel­ler

Das Ge­setz zur Ent­las­tung der An­ge­hö­ri­gen von Pfle­ge­be­dürf­ti­gen droht im Ver­mitt­lungs­aus­schuss von Bun­des­tag und Bun­des­rat zu lan­den. Dar­über den­ken zu­min­dest meh­re­re Bun­des­län­der nach, weil der Bund die Kos­ten nicht über­neh­men, son­dern Städ­ten und Ge­mein­den auf­bür­den will. Der Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Deut­schen Städ­te­ta­ges, Hel­mut De­dy, rech­net mit Mehr­be­las­tun­gen von et­wa 500 Mil­lio­nen Eu­ro jähr­lich. Er for­dert ei­nen Kos­ten­aus­gleich. Der Bun­des­tag hat­te be­schlos­sen, dass sich Töch­ter und Söh­ne von Pfle­ge­be­dürf­ti­gen erst ab ei­nem jähr­li­chen Brut­to­ein­kom­men von 100 000 Eu­ro an den Kos­ten der Pfle­ge ih­rer El­tern be­tei­li­gen müs­sen. Das glei­che gilt für El­tern von pfle­ge­be­dürf­ti­gen Kin­dern über 18 Jah­ren. Bis­her wer­den sie schon viel frü­her her­an­ge­zo­gen, wenn Ein­kom­men und Ver­mö­gen des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen nicht aus­rei­chen. Die Re­geln sind kom­pli­ziert. Sie be­rück­sich­ti­gen et­wa Fa­mi­li­en­stand und per­sön­li­ches Ein­kom­men. Nie­mand darf aber selbst zum So­zi­al­fall wer­den. Reicht we­der das Geld des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen noch der An­ge­hö­ri­gen aus, muss das So­zi­al­amt und da­mit die Stadt oder Ge­mein­de ein­sprin­gen.

Wel­che Aus­ga­ben auf die Kom­mu­nen zu­kom­men, ist um­strit­ten. Denn es gibt kaum Da­ten, wie vie­le er­wach­se­ne Kin­der für die Pfle­ge­kos­ten ih­rer El­tern auf­kom­men. De­di rech­net mit 500 Mil­lio­nen Eu­ro, weil oh­ne Kos­ten­be­tei­li­gung die Pfle­ge­leis­tun­gen zu­neh­men dürf­ten und es im­mer mehr Pfle­ge­be­dürf­ti­ge gibt. Da­ge­gen geht

Bun­des­so­zi­al­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) nur von et­wa 300 Mil­lio­nen Eu­ro aus. Aber auch da­für hat er kei­nen Aus­gleich vor­ge­se­hen. Auf War­nun­gen der Län­der im Bun­des­rat hat­te Heil nicht re­agiert.

Der Bund und die Län­der dürf­ten künf­tig so­gar mehr Ein­kom­men­steu­er ein­neh­men, weil die Kin­der ih­re Aus­ga­ben bis­her als au­ßer­ge­wöhn­li­che Be­las­tung ab­set­zen konn­ten. Das ein­zi­ge Zu­ge­ständ­nis des Bun­des­tags war, dass die Kos­ten bis 2025 über­prüft wer­den müs­sen.

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