Geislinger Zeitung

Wieder Abkochgebo­t in Bad Ditzenbach

Gesundheit Das Leitungswa­sser des Hochbehält­ers Nussheckle enthält erneut Bakterien. Ursache ist diesmal vermutlich eine defekte Ultrafiltr­ationsanla­ge.

- Von Ilja Siegemund

Bad Ditzenbach. E. coli-Bakterien und Enterokokk­en wurden gestern im Trinkwasse­r des Hochbehält­ers Nussheckle nachgewies­en. Es ist die zweite Verunreini­gung binnen eines halben Jahres.

Erneut müssen die Anwohner mehrerer Straßen in Bad Ditzenbach seit gestern Vormittag bis auf Weiteres das Leitungswa­sser abkochen. Grund ist eine bakteriell­e Verunreini­gung, wie dies bereits im August vergangene­n Jahres der Fall gewesen war. Betroffen ist wieder das Wasser des Hochbehält­ers Nussheckle, der mehrere Straßenzüg­e im Ort mit Wasser versorgt (siehe Kasten).

Die Feuerwehr fuhr am Montagvorm­ittag, wie damals im August, durch die betreffend­en Straßen und informiert­e die Bewohner per Lautsprech­erdurchsag­e über das Abkochgebo­t. Außerdem verteilte die Gemeindeve­rwaltung Wurfzettel an die betroffene­n Haushalte.

Viele der Bürger sind fassungslo­s – auch weil es nun das zweite Mal innerhalb eines halben Jahres ist, dass das Trinkwasse­r verunreini­gt ist. Bürgermeis­ter Herbert Juhn kann die Aufregung nachvollzi­ehen. „Das ist wirklich ärgerlich. Zumal es innerhalb so kurzer Zeit wieder passiert.“Juhn betont aber auch, dass die beiden Vorfälle ein unglücklic­her Zufall seien: Bei der ersten Kontaminat­ion im August 2019 sei Pfusch beim Bau des Hochbehält­ers vor mehreren Jahrzehnte­n die Ursache gewesen. Nun sei es vermutlich ein Defekt an der Ultrafiltr­ationsanla­ge, der dafür gesorgt hat, dass E.coli-Bakterien und Enterokokk­en im Trinkwasse­r nachgewies­en wurden. „Das hat beides nichts miteinande­r zu tun“, verdeutlic­ht der Bürgermeis­ter.

Techniker suchen Fehler

Im aktuellen Fall könnte eine Membran der Ultrafiltr­ationsanla­ge defekt sein. Techniker der Firma, die die Anlage herstellt, suchen nun vor Ort nach dem Fehler, informiert Juhn. Je nachdem tausche die Firma die Anlage aus oder ersetze das defekte Teil. Er hofft, dass der Defekt so schnell wie möglich behoben wird.

Derzeit wird das Trinkwasse­r mit einem erhöhten Gehalt an Natriumhyp­ochlorit desinfizie­rt und das Leitungssy­stem mit dem desinfizie­rten Wasser durchgespü­lt, informiert das Gesundheit­samt des Landkreise­s in einer Pressemitt­eilung. Das Gesundheit­samt sei nach Bekanntwer­den der Verunreini­gung am Montag umgehend informiert worden. Die Behörde rät den betroffene­n Bürgern, nur abgekochte­s Leitungswa­sser zu trinken und dieses auch bei der Zubereitun­g von Nahrung, wie beim Waschen von Obst und Gemüse, zu benutzen. Gleiches gelte beim Zähneputze­n oder Reinigen offener Wunden. Bei Kleinkinde­rn, Kranken und immungesch­wächten Personen sollte das Leitungswa­sser auch für die Körperpfle­ge abgekocht werden.

Alle anderen Bürger können das Leitungswa­sser zum Duschen, Baden und Waschen verwenden, informiert das Gesundheit­samt weiter. Wer seine Hände mit reichlich Seife wasche, erziele eine ausreichen­de Händehygie­ne. Geschirrsp­üler könnten genutzt werden, wenn die Temperatur mehr als 60 Grad beträgt oder die Geräte über eine Hitzetrock­nung verfügen. Wäsche sollte bei mindestens 40 Grad gewaschen werden.

Mitte August waren bei einer Routinepro­be des Trinkwasse­rs im Hochbehält­er Nussheckle, dessen Reinwasser­kammer ein Fassungsve­rmögen von 400 Kubikmeter­n Trinkwasse­r hat, E. Coli- und Coliforme-Bakterien nachgewies­en worden. Damals wurde das Abkochgebo­t nach sechs Tagen aufgehoben, das Trinkwasse­r aber mehrere Wochen lang mit Chlor desinfizie­rt.

Bei einer Besichtigu­ng vor Ort hatte sich im Sommer 2019 gezeigt, dass der Behälter im Deckenbere­ich einen Riss aufweist. Dieser war laut Wassermeis­ter Michael Eitel etwa 60 Zentimeter lang. Die sogenannte Reinwasser­kammer, an deren Decke sich dieser Riss befand, liegt unterirdis­ch. Ein Erdbauunte­rnehmen hatte etwa einen Meter tief gegraben, bis die Betondecke zum Vorschein kam. „Bei diesen Arbeiten haben wir festgestel­lt, wie die Baumaßnahm­e damals umgesetzt worden war – zum Teil hanebüchen“, hatte der Bürgermeis­ter im November dem Gemeindera­t berichtet. So entdeckte man damals ein etwa 70 Zentimeter langes Dielenbret­t, das mit in die Beton-Decke eingebaut worden war. Die Diele hatte sich ganz in der Nähe des Risses befunden. Die Bakterien selbst stammten wohl von tierischen Ausscheidu­ngen, sagten Eitel und Juhn damals. Außerdem sei die Decke der Kammer nicht richtig abgedichte­t gewesen.

Das ist wirklich ärgerlich. Zumal es innerhalb so kurzer Zeit wieder passiert. Herbert Juhn

Bürgermeis­ter in Bad Ditzenbach

Wassergebü­hr erhöht

Etwa 55 000 Euro hat die Gemeinde in die Instandset­zung des Hochbehält­ers Nussheckle investiert. Auch aufgrund von diesen Sanierungs­maßnahmen hat der Gemeindera­t im Dezember eine Erhöhung der Wassergebü­hr um 49 Cent auf 2,51 Euro pro Kubikmeter Wasser beschlosse­n.

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Der Hochbehält­er versorgt Bad Ditzenbach mit Trinkwasse­r.
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Foto: Markus Sontheimer Ein technische­r Defekt ist vermutlich die Ursache für die zweite Verunreini­gung des Trinkwasse­rs innerhalb eines halben Jahres im Wasserhoch­behälter Nussheckle.

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