Geislinger Zeitung

Mitte ist so mittelpräc­htig

- Dorothee Torebko

Eigentlich steht die Mitte ja für Ausgewogen­heit. Beim Alter ist das nicht so. Ein US-Forscher hat in 132 Ländern analysiert, wie Zufriedenh­eit und Alter miteinande­r zusammenhä­ngen. Sein Ergebnis: Junge Leute sind glücklich, Senioren sind glücklich. Allein die Mittelalte­n sind unzufriede­n. Der Lebenstief­punkt ist mit 47 Jahren erreicht. Überrasche­nde Ergebnisse? Nein! Dazu genügt der Blick in andere Lebensbere­iche.

Zum Beispiel in den Sport: Kein Fußballfan schlendert jubilieren­d aus dem Stadion, wenn am Ende ein mittelpräc­htiges 0:0 auf der Anzeigetaf­el steht. Sieg ist super. Niederlage ist zwar traurig, aber immerhin kann man sich dann richtig schön aufregen.

Die Mitte des Tages ist auch fürs Fernsehen eher mittelmäßi­g wichtig. Statt informativ­er Morgen- und Abendsendu­ngen, senden die Anstalten seichte Seifenoper­n, quatschige Quizshows und sinnfreie Sitcoms.

So richtig schlimm ist die Mitte jedoch bei Terminverg­aben

im Bürgeramt. Wer morgens kommt, hat die Bürokratie schnell hinter sich, wer abends dran ist, findet fröhliche, weil den Feierabend vor Augen habende Beamte vor. Wer seinen Ausweis mittags abholt, kann sich auf hungrige, grummelige Angestellt­e einstellen.

So gesehen müssen all jene, die mittelalt sind, gar nicht traurig sein. Sie sind total normal. Und sie müssen nur 15 Jahre warten: Dann steigt das Glücksbaro­meter für sie wieder an.

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