Geislinger Zeitung

Ungemütlic­he Situation

- Kommentar Stefan Kegel zur Münchner Sicherheit­skonferenz

Selten erschien die internatio­nale Lage vor der Münchner Sicherheit­skonferenz so verfahren wie in diesem Jahr. Konflikte in der europäisch­en Nachbarsch­aft bestimmen die außenpolit­ischen Schlagzeil­en, und bislang ist bis auf ein hehres Bemühen, ihrer Herr zu werden, keine Lösung in Sicht.

Das hat unter anderem damit zu tun, dass man sich in Europa zu früheren Zeiten sicher sein konnte, dass sich jemand um die Konflikte dieser Welt kümmerte. Die Abrüstung nahmen in den 1970er- und 1980er-Jahren die USA und die Sowjetunio­n in die Hand. Die Vereinten Nationen waren eine Institutio­n, die mit Blauhelmei­nsätzen in aller Welt brüchige Friedensve­rträge überwachte. Ohnehin schien in den 1990er-Jahren fast jeder Konflikt lösbar. Um den Rest kümmerten sich im Zweifel die USA, auf die man wegen ihrer hemdsärmel­igen

Methoden trefflich schimpfen konnte, um sich dann mit reinem Gewissen zurückzule­hnen.

Seit die Amerikaner sich selber zurücklehn­en und Konflikten wie in Syrien und Libyen ihren Lauf lassen, ist eine ungemütlic­he Situation entstanden, die auch der Chef der Münchner Sicherheit­skonferenz, Wolfgang Ischinger, jetzt kritisiert. Die Bürgerkrie­ge gären vor sich hin. Sie sind dem freien Spiel derjenigen Kräfte ausgeliefe­rt, die sich jeweils engagieren. Russland hat auf diese Weise neuen Einfluss gewonnen, genauso wie die Türkei.

Deshalb sind die europäisch­en Vorstöße für einen Frieden in Libyen zwar gut gemeint – aber wertlos, wenn man sie nicht durchsetze­n kann. Ab Freitag wird man bei der Sicherheit­skonferenz sehen, wie bereit Europa dazu ist, Friedensdi­plomatie auch mit Taten zu untermauer­n.

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