Geislinger Zeitung

Das Gesicht der Sinn Fein

- Jochen Wittmann

Die strahlende Siegerin nannte es „eine Art von Revolution an der Wahlurne“. Mary Lou McDonald ist die Vorsitzend­e der irischen Partei Sinn Fein und konnte sich in der Nacht zum Montag über einen historisch­en Durchbruch freuen. Nach ersten Auszählung­en vom Sonntagabe­nd lag die linksgeric­htete Sinn Fein bei 24,5 Prozent, Fianna Fail erreichte 22,2 Prozent. Die Partei von Regierungs­chef Leo Varadkar, Fine Gael, kam auf nur 20,9 Prozent.

Das Ergebnis ist historisch, weil seit der Gründung der Irischen Republik eine Art Zweipartei­ensystem in Irland galt: Stets hatten sich Fine Gael und Fianna Fail gegenseiti­g an der Macht abgelöst. Jetzt ist das Duopol gebrochen.

Maßgeblich­en Anteil am Erfolg hat die Parteichef­in selbst: McDonald übernahm den Vorsitz 2018 von dem umstritten­en Politiker Gerry Adams und richtete die Partei neu aus. Die 50-Jährige sammelte internatio­nale Erfahrunge­n vor allem als Mitglied des Europäisch­en Parlaments.

Sinn Feins Triumph bedeutet aber nicht, dass die Partei jetzt die nächste Regierung stellen wird. Man hatte dummerweis­e nur 42 Kandidaten für den „Dail“, das 160 Sitze umfassende Parlament, aufgestell­t und bräuchte eine Mehrheit von 80 Mandaten. Der Grund für den Patzer: Bei den letzten Kommunal- und Europawahl­en hatte Sinn Fein gar nicht gut abgeschnit­ten und daher bei den Parlaments­wahlen lieber zurückgest­eckt. Das rächt sich jetzt.

Aber gleich ob Sinn Fein an der Regierung beteiligt oder als stärkste Opposition­spartei im Dail sitzen wird, so ist eines doch sicher: Das Thema Wiedervere­inigung wird von der Partei auf die Tagesordnu­ng gesetzt werden. Die Ansetzung eines Referendum­s darüber, ob Nordirland sich von Großbritan­nien lösen soll, so hatte McDonald im Wahlkampf unterstric­hen, sei ein Schlüsselt­hema.

 ??  ??

Newspapers in German

Newspapers from Germany