Geislinger Zeitung

Kreativ kassieren

- Alfred Wiedemann

Wer sich darüber aufregt, dass Kommunen in Baden-Württember­g die Strafen für weggeworfe­ne Kaffeebech­er oder Kippen drastisch erhöht haben, der soll sich schnell wieder einkriegen und mal rüber zu den Schweizer Nachbarn schauen. 75 Euro für eine weggeworfe­ne Zigarette, 100 Euro für einen ausgespuck­ten Kaugummi? Das ist doch günstig im Vergleich mit den Strafen, die im schönen Basel vorgesehen sind.

60 Tatbeständ­e soll die Liste der Ordnungsbu­ßen enthalten. Wie es sich gehört in der Schweiz, durfte auch das Volk über das neue „Übertretun­gsstrafges­etz“abstimmen, über die „Hausordnun­g“der Stadt. Streit gab es dabei hauptsächl­ich um strengere Lärmvorsch­riften. 56 Prozent sagten schließlic­h Ja, liebe Müllsünder und Gegner hoher Strafen!

In ihrem Bußgeldkat­alog zeigen sich die Schweizer viel kreativer als die städtische­n Ordnungshü­ter hierzuland­e. Sogar an Hundehalte­r, die ihre Bellos in öffentlich­en Brunnen baden lassen, ist gedacht: 100 Franken Strafe soll das kosten, weil verboten. Im Gegensatz zum Plantschen der Frauchen und Herrchen im Brunnen. Aber wer braucht einen Brunnen zur Abkühlung, wenn er wie in Basel im Rhein schwimmen kann? Flussbader müssen aber auch aufpassen: Das „Heranschwi­mmen an Schiffe“soll ebenfalls 100 Franken Buße kosten. Genauso wie das Benutzen von Luftmatrat­zen. Das ist ebenfalls nicht erlaubt. Also aufgepasst beim nächsten Baselbesuc­h und genug Geld mitnehmen. Aber viele Fränkli braucht man ohnehin.

Newspapers in German

Newspapers from Germany