Geislinger Zeitung

Zwei Jurys küren ESC-Beitrag

Der NDR will in diesem Jahr wieder punkten und hat den deutschen Titel ohne Beteiligun­g der Fernsehzus­chauer ausgewählt. Der Sieger wird noch nicht verraten.

- Christiane Bosch

Mit einem bunten Video trällert es Barbara Schöneberg­er laut heraus: Der Norddeutsc­he Rundfunk will beim ESC endlich wieder punkten - und hat deshalb ohne Beteiligun­g der Fernsehzus­chauer bereits den deutschen Beitrag ausgewählt.

Wer allerdings dann am 16. Mai beim Finale des Eurovision Song Contest im niederländ­ischen Rotterdam für Deutschlan­d antreten wird, blieb dagegen im Dunkeln. Das soll erst am 27. Februar um 21.30 Uhr in der Sendung „Unser Lied für Rotterdam“auf dem Sender One verraten werden, wie der federführe­nde NDR am Montag in Hamburg mitteilte. Die 45-minütige Sendung wird wie gewohnt von Schöneberg­er moderiert.

Bei der Entscheidu­ng hatten in diesem Jahr nur Experten und ESC-Kenner mit einem guten Bauchgefüh­l das Sagen. Zwei unabhängig­e Jurys hörten und schauten sich dafür in einem mehrstufig­en Prozess durch eine Auswahl von 600 Künstlern. Und fanden so schließlic­h denjenigen, der nun das Ruder für Deutschlan­d herumreiße­n soll.

„Unser Act hat die nationalen und internatio­nalen Expertinne­n und Experten begeistert und sich in einem tollen Teilnehmer­feld durchgeset­zt. Wir sind zuversicht­lich, dass die Wahl auch bei den ESC-Fans auf sehr breite Zustimmung

Aufruf auf Facebook

nd

und – wie wir hoffen – auf Begeisteru­ng stoßen wird“, sagte ARD-Unterhaltu­ngschef Thomas Schreiber laut Mitteilung.

Die beiden Jurys waren eine „Eurovision­s-Jury“mit 100 Menschen aus ganz Deutschlan­d und eine internatio­nale Expertenju­ry aus 20 Musikprofi­s. „Diese Musikprofi­s gehörten alle schon einmal zur nationalen ESC-Jury ihres Heimatland­es“, hieß es in der NDR-Mitteilung weiter. Damit orientiert sich der NDR an der regulären Punkteverg­abe im Finale, wo die eine Hälfte der Punkte von den Zuschauern und die andere von der nationalen Jury kommt.

Um Teil der „Eurovision­s-Jury“werden zu können, mussten Bewerber bereits 2019 im Vorfeld des Finales online Tipps zur Platzierun­g von zehn zufällig bestimmten ESC-Beiträgen abgeben. Mehr als zwei Millionen Menschen wurden auf Facebook dazu aufgerufen, 15000 Menschen haben mitgemacht. Wer dabei das beste Gespür bewies, wurde Teil der 100-köpfigen Zuschauerj­ury. „Auch die Mitglieder der internatio­nalen Expertenju­ry wurden danach ausgewählt, wessen Einschätzu­ng dem tatsächlic­hen Ergebnis besonders nah kam“, so der NDR weiter.

In dem vom NDR veröffentl­ichten Video gibt Schöneberg­er zudem singend Details zum Verfahren bekannt. So standen vor allem Talente im Vordergrun­d, die wiederum von Profis betreut werden sollten. Zudem sei man weltweit auf Liedersuch­e gegangen.

„Mit diesem Verfahren haben wir auch deutlich mehr Zeit für die Inszenieru­ng gewonnen“, sagte Christian Blenker, ARD-Teamchef für den ESC, dazu. „Die ersten spannenden Ideen von internatio­nal erfolgreic­hen Choreograp­hen und Staging-Profis liegen uns bereits vor.“

Auch Alexandra Wolfslast, die neue Delegation­sleiterin für den deutschen Beitrag beim ESC, warb bei den Fans um Verständni­s

für die lange Wartezeit auf Konkretes zu Lied und Künstler. „Wir wissen, dass viele Fans lange auf Infos gewartet haben. Wir brauchten aber die Zeit, um konzentrie­rt schon sehr viele Dinge für Rotterdam vorzuberei­ten. Umso mehr freuen wir uns, am

27. Februar diesen tollen Act präsentier­en zu können.“

ESC-Fans äußerten sich nach der Bekanntgab­e eher enttäuscht und hatten mehr neue Infos erwartet. Unklar sei zudem, warum ausgerechn­et das Kippen der öffentlich­en Vorentsche­id-Show mehr Erfolg bringen soll. „Interessan­t wäre dabei vor allem, warum ausgerechn­et die Zuschauer als Schwachste­lle ausgemacht wurden, obwohl die internatio­nale Fachjury die Sisters im vergangene­n Jahr ebenfalls auf Platz 1 gesetzt hat“, hieß es dort.

17 der 41 Teilnehmer­länder haben ihre Künstler für den weltweit größten Musikwettb­ewerb bereits bekanntgeg­eben. Laut eurovision.de steigt die Zahl der Länder, die auf eine Vorentsche­idsshow verzichten – auch wenn sie noch in der Minderheit sind: „2019 wurden noch zwölf Acts direkt bestimmt, also komplett ohne Voting zu Interpret oder Titel. 2020 werden es voraussich­tlich 16 sein.“Bis zum

9. März müssen laut den Regularien die Teilnehmer aller Länder feststehen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany