Geislinger Zeitung

Sturmtief trifft Europa hart

Tausende Haushalte sind ohne Strom, Flüge entfallen, Bäume stürzen auf Straßen und Gleise. Mindestens vier Menschen sterben.

- Von Matthias Armborst und Michael Kieffer dpa/afp

Nach dem Durchzug von Orkantief „Sabine“hat sich die Lage in vielen Teilen Deutschlan­ds am Montag vorerst beruhigt. Entwarnung gab der Deutsche Wetterdien­st (DWD) aber noch nicht. In Hamburg wurde mit Sturmflute­n gerechnet. Weitere Stürme sind auch in den nächsten Tagen nicht ausgeschlo­ssen.

Die Deutsche Bahn ließ ihren Fernverkeh­r mittlerwei­le wieder anrollen, nachdem die Züge seit Sonntag bundesweit sicherheit­shalber gestoppt worden waren. Bahnreisen­de mussten aber weiterhin mit Verspätung­en und Zugausfäll­en rechnen.

Auf seinem Weg über Deutschlan­d traf der Orkan seit Sonntagabe­nd den Verkehr schwer, die Schäden hielten sich aber einigermaß­en in Grenzen. In Frankfurt am Main knickte ein Baukran ab, sein Ausleger krachte in das Dach des Doms. Auf der Nordseeins­el Wangerooge wurde der Strand stark beschädigt. In Bayern waren Zehntausen­de Menschen über Stunden ohne Strom.

Das Sturmtief, das in anderen Ländern Europas als „Ciara“wütete, hat mindestens vier Menschen das Leben gekostet. Hunderte Flugzeuge mussten am Montag bei Windgeschw­indigkeite­n von bis zu 200 Stundenkil­ometern unter anderem in Großbritan­nien und den Niederland­en am Boden bleiben. Auch in Frankreich und Belgien beeinträch­tige der Sturm den Verkehr.

Auf einer Autobahn im Südwesten Londons starb nach Angaben der britischen Polizei ein Mann, als sein Auto von einem entwurzelt­en Baum getroffen wurde. In Polen starben eine Frau und ihre Tochter durch ein herunterst­ürzendes Dach, das von Windböen von fast hundert Kilometern pro Stunde vom Gebäude gerissen worden war. In Südschwede­n starb ein Mann, als sein Boot kenterte.

Der französisc­he Netzbetrei­ber Enedis teilte mit, etwa 130 000 Haushalte seien wegen „Ciara“ ohne Strom. Am stärksten betroffen waren demnach der Norden und Osten Frankreich­s. Der Zugverkehr in Frankreich war „stark gestört“, wie die Bahngesell­schaft SNCF mitteilte. An den beiden Pariser Flughäfen wurden rund 50 Flüge gestrichen.

Besonders in Ostfrankre­ich rückte die Feuerwehr zu hunderten Einsätzen aus. Dort knickten Strommaste­n um und Dächer wurden abgedeckt. Es wurden Windböen von bis zu 200 Stundenkil­ometern gemessen.

In den Niederland­en staute sich am Montag der morgendlic­he Berufsverk­ehr nach Polizeiang­aben auf insgesamt mehr als 600 Kilometern Länge. Rund 220 Flüge wurden am Amsterdame­r Flughafen Schiphol am Morgen gestrichen.

Offshore-Windpark stillgeleg­t

Der Schulunter­richt in Luxemburg fiel wegen des Sturms am Montag aus, in Belgien kam der morgendlic­he Berufsverk­ehr wegen Straßenspe­rrungen und Überschwem­mungen praktisch zum Erliegen. Vor der belgischen Küste schaltete sich ein gesamter Offshore-Windpark aus Sicherheit­sgründen automatisc­h ab.

In Großbritan­nien, das am Sonntag besonders heftig getroffen worden war, begannen am Montag die Aufräumarb­eiten. Flüge und Zugverbind­ungen im ganzen Land wurden gestrichen oder hatten Verspätung. Im Dorf Aberdaron in Wales wurden mit 150 Stundenkil­ometern die heftigsten Winde gemessen. Der am Sonntag eingestell­te Fährverkeh­r zwischen Dover und Calais wurde am Montagmorg­en wieder aufgenomme­n.

Passagiere­n von British Airways und Virgin Atlantic verlieh „Ciara“indes unerwartet­en Antrieb. Das Orkantief verkürzte die Flugzeit von New York nach London auf neue Rekordwert­e: Drei Maschinen schafften die Strecke von 5554 Kilometern in unter fünf Stunden, wie das Portal Flightrada­r24 meldete.

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Foto: Heike Lyding/epd Am Dom in Frankfurt am Main hat der Sturm in der Nacht auf Montag einen Dachschade­n verursacht. Der Ausleger eines Baukrans knickte ab und zerschlug Teile der Abdeckung.

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