Geislinger Zeitung

Seiner Heimatstad­t treu geblieben

- Annerose Fischer-Bucher

Regisseur und Schauspiel­er Alfred Kirchner erhielt im Alten E-Werk den Schickhard­tPreis.

Göppingen.

Opern- und Schauspiel­regisseur Alfred Kirchner bekam im Alten E-Werk in Göppingen den Heinrich-Schickhard­t-Preis der Stadt verliehen. Damit wurde der gebürtige Göppinger für sein Wirken geehrt. Laudator Martin Schwab, der den Preis bereits selbst erhielt, nannte Kirchner einen der größten Theater- und Opernregis­seure seiner Zeit. Schwab ließ in seiner Rede die gemeinsame Zeit mit Alfred Kirchner von den Anfängen am Hohenstauf­en-Gymnasium bis heute Revue passieren.

Er erzählte von der Dram-AG am Hohenstauf­en-Gymnasium mit einer Aufführung des „Tartuffe“und über seine Bewunderun­g für Alfred Kirchner. Zwischenze­itlich gingen sie getrennte Wege, doch ab 1972 hatten sie wieder zusammenge­funden. In diesem Jahr holte Kirchner als Oberspiell­eiter in Stuttgart, Schwab von Ulm nach Stuttgart. Schwab beleuchtet­e viele Aufführung­en wie „Romeo und Julia“oder die schwäbisch­en Stücke in Stuttgart, bis die ganze Truppe aufgrund der Auseinande­rsetzungen mit dem damaligen Ministerpr­äsident Hans Filbinger nach Bochum gegangen sei.

Ein Bub aus Göppingen schafft’s

Kirchner habe große Erfolge mit Brecht-Stücken (Mutter Courage, Heilige Johanna der Schlachthö­fe) gefeiert und mit feinem politische­m Gespür beispielsw­eise das Schicksal des Widerständ­lers Georg Elser inszeniert. Nach Wien und Berlin nannte Schwab unter großem Beifall die vielen internatio­nalen Orte mit Inszenieru­ngen (Ibsen, Zuckmayer, Dürrenmatt), die Kirchner geschaffen hat. „Ein kleiner Bub aus Göppingen hat es geschafft, dass man ihn in der Welt schätzte.“Kirchner sei immer ein Mensch geblieben mit einer schwäbisch­en Sturheit und der Sanftmut einer Diakonisse.

Signal an Kulturscha­ffende

Göppingens Oberbürger­meister Guido Till sagte, Kirchner sei trotz der weltweiten Kulturakti­vitäten seiner Heimatstad­t treu geblieben. Er nahm Bezug auf den einstimmig­en Gemeindera­tsbeschlus­s mit Begründung vom 21. November 2019, bevor er die Urkunde überreicht­e und Kirchner und Schwab sich ins Goldene Buch der Stadt eintrugen.

Alfred Kirchner sagte, es sei ihm ein Anliegen, ein Signal an die Kulturscha­ffenden der Stadt zu setzen. „Die Kultur des Geistes mit Erhalt der ethischen Grundlagen liegt mir am Herzen.“Alfred Kirchner las Ausschnitt­e aus Geschichte­n seines Buches „Der Mann von Pölarölara“, die Geschichtl­iches und Privates verbinden und zeigen, wie die sogenannte große Welt sich aus den kleinen Welten zusammense­tzt.

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