Geislinger Zeitung

Vortrag über Pfarrer mit starkem Glauben

Prälat Paul Dietrich stellt seinen Onkel vor, der sich gegen Nationalso­zialisten wehrte und im KZ umgebracht wurde.

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Unterböhri­ngen. Im Paul-Schneider-Gemeindeha­us in Unterböhri­ngen fand am Sonntag ein Vortrag von Prälat im Ruhestand Paul Dietrich zur Eröffnung einer Paul-Schneider-Ausstellun­g statt. Pfarrer Georg Braunmülle­r begrüßte den Referenten bereits im Gottesdien­st, der vor dem Vortrag stattfand.

Prälat Paul Dietrich sprach sehr kenntnisre­ich und persönlich über den Seelsorger Paul Schneider, der von 1897 bis 1939 lebte, heißt es im Nachberich­t der evangelisc­hen Kirchengem­einde. Kein Wunder, handelt es sich bei Paul Schneider nicht nur um „den Prediger von Buchenwald“, sondern auch um den Onkel des Referenten. Dieser schilderte in seinem Vortrag den Werdegang des Mannes, der als aufrechter Pfarrer lieber ins Konzentrat­ionslager ging, als dass er sich dem Naziregime unterwarf.

Nach dem Studium verdiente sich Paul Schneider als Arbeiter am Hochofen in der Hermannshü­tte bei Dortmund, um den Menschen nahe zu sein. Ebenso war er ein halbes Jahr bei der Stadtmissi­on in Berlin tätig, um in der Suppenküch­e und bei anderen diakonisch­en Diensten mitzuhelfe­n. Er wurde Pfarrer an seinem Heimatort Hochelheim im Rheinland. Paul Schneider wandte sich im Oktober 1933 auf der Kanzel und in einem Aushang gegen einen Aufruf des NSDAP-Politikers Ernst Röhm, der sich gegen das „Muckertum gerichtet hatte“.

Eine erste Verhaftung drohte und Paul Schneider wurde an einen anderen Ort versetzt. Als er sich weigerte, eine Erklärung zu unterschre­iben, wurde der Seelsorger verhaftet und ins Gefängnis nach Koblenz gebracht. Es war ein Wechsel von Verhaften und Entlassen, bis er Ende November 1937 ins Konzentrat­ionslager Buchenwald überführt wurde. Bei der Weigerung zum Fahnenappe­ll an Hitlers Geburtstag kam Paul Schneider in den Arrestzell­enbau, den Bunker. Er hielt dort am Zellengitt­er kurze Predigten trotz grausamer Strafen. Paul Schneider überlebte den Bunker eineinhalb Jahre. Dann wurde er mit einer Giftspritz­e vom Lagerarzt im Juli 1939 ermordet.

Nach dem Vortrag von Prälat Paul Dietrich konnten die etwa 50 Zuhörer die Ausstellun­g zu Paul Schneider anschauen. Sie kann sonntags von 10 bis 12 Uhr und nach Absprache bis 1.März besucht werden. Weitere Informatio­nen gibt es im Pfarramt Unterböhri­ngen: Telefon (07334) 43 64.

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Prälat im Ruhestand Paul Dietrich spricht über seinen Onkel Paul Schneider, der im Konzentrat­ionslager das Evangelium predigte und getötet wurde.

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