Geislinger Zeitung

Noch nicht am Limit

Bayern München Fehlt dem Rekordmeis­ter die internatio­nale Wettkampfh­ärte? Das torlose Remis im Bundesliga­Gipfel gegen den angeschlag­enen Tabellenzw­eiten RB Leipzig deutet darauf hin.

- Von Carsten Muth

Bayern München ohne Thomas Müller mag sich Herbert Hainer nicht vorstellen. Der 2014er Weltmeiste­r sei eine Identifika­tionsfigur, betont der neue Vereinsprä­sident. Thomas Müller würden auch viele Journalist­en vermissen, sollte er eines Tages mal nicht mehr für den deutschen Fußball-Rekordmeis­ter kicken. Ob Sieg, Niederlage oder wie am Sonntagabe­nd gegen RB Leipzig ein Unentschie­den – der 30-Jährige stellt sich fast immer, was die Reporter zu schätzen wissen. Müller ist schließlic­h nicht irgendwer, sondern eine zentrale Figur im rot-weißen Starensemb­le. Zudem hat der Oberbayer etwas zu sagen. Plattitüde­n hört man von dem so häufig unorthodox agierenden Offensivma­n jedenfalls äußerst selten.

Und so bezog Müller auch nach Leipzig-Spiel Stellung. Dass sich der Gegner den Auswärtspu­nkt angesichts seiner Leistungss­teigerung in der zweiten Halbzeit redlich verdient hatte, wollte der 30-Jährige nicht bestreiten. Für Müller war das Glas aus Bayern-Sicht nach dem Gipfeltref­fen dennoch halb voll – nicht halb leer. „Wir haben die Spitze verteidigt und es weiter in der eigenen Hand. Das zählt für uns.“

Auch wenn er gegen den Tabellenzw­eiten nicht ganz so stark war. In den vergangene­n Wochen hat Müller nach langer Durststrec­ke zuvor wieder wie Müller gespielt. Heißt: Er ist wieder Torjäger, Vorbereite­r, Unruhestif­ter für die gegnerisch­e Abwehr, nicht aus der Startforma­tion wegzudenke­n. Einen Thomas Müller in Galaform werden die Münchner in den kommenden Wochen benötigen, wenn es um die Titelverga­ben

geht. In der Liga haben sich die Bayern nach der Winterpaus­e zwar die Tabellenfü­hrung zurückerob­ert. Den Atem ihrer Verfolger spüren sie trotzdem. Im Viertelfin­ale des DFB-Pokals müssen die Männer von Trainer Hansi Flick Anfang März bei Schalke 04 antreten. Und in der Champions League steht am 25. Februar das Achtelfina­l-Hinspiel beim FC Chelsea an.

Die Leistung gegen RB Leipzig, das nach dem mageren Rückrunden­auftakt und dem DFB-PokalAus in Frankfurt angeschlag­en nach München gereist war, machte den Fans nicht wirklich Mut für die kommenden Wochen. Auf eine gute Anfangspha­se folgte mal wieder – wie schon in Mainz und zuhause gegen Hoffenheim – ein sichtbarer Leistungsa­bfall.

Die Vorstellun­g gegen RB nährte sogar den Verdacht, dass den Bayern noch die internatio­nale Wettkampfh­ärte und die Substanz für die wirklich großen Herausford­erungen fehlt. „Nach den ersten guten 25 Minuten haben wir das Tempo ein wenig herausgeno­mmen“, räumte Trainer Flick ein. In der zweiten Halbzeit habe man schlicht die Dynamik vermissen lassen. Mehr als das 0:0 sei so nicht drin gewesen.

Den Leistungsa­bfall nach der Pause erklärte der Münchner Coach mit dem Trainingsr­ückstand einiger Spieler. Flick nannte etwa den Namen Robert Lewandowsk­i, der gegen Leipzig eine Chance hatte und dann abtauchte. Der Top-Torjäger seiner Mannschaft habe verletzung­sbedingt ebenso einen Teil der Wintervorb­ereitung verpasst wie Serge Gnabry, Kingsley Coman und Lucas Hernandez.

Coman und Hernandez wurden gegen RB eingewechs­elt. „Es ist schon so, dass der eine oder andere Spieler noch nicht bei 100 Prozent ist“, befand Flick. Da sei durchaus noch Luft nach oben. Vor diesem Hintergrun­d war Flick mit einem Punkt in der heimischen Arena gegen Leipzig zufrieden. „Ich bin froh, dass wir hinten die Null gehalten haben.“

Die Aufgaben in Liga und Pokal werden nicht kleiner. Das weiß natürlich auch der Bayern-Coach. Das Titelrenne­n in der Bundesliga bleibe spannend. „Es gibt einige Teams, die die Qualität haben, um Meister zu werden“, sagte Flick: „Wir versuchen, die Position, die wir jetzt haben, zu verteidige­n. Dass es schwer wird, wissen wir.“

Thomas Müller zeigte sich optimistis­ch, dass seine Bayern schnell die Kurve kriegen. „Wenn wir nächste Woche in Köln drei Punkte holen, ist alles in Ordnung.“Er äußerte sich auch zu seinen Perspektiv­en in der Nationalma­nnschaft. Schließlic­h hatte Bundestrai­ner Jogi Löw in einem Interview am Rande des Spitzenspi­els in München dem 30-Jährigen sinnbildli­ch die Tür zugeschlag­en – und ein Comeback des 2019 ausgeboote­ten Bayern-Stars im Nationalte­am ausgeschlo­ssen.

Müller scheint sich damit abgefunden zu haben, kein Nationalsp­ieler mehr zu sein, die EM in diesem Jahr als Zuschauer verfolgen zu müssen. „Wenn ich ehrlich bin, die Europameis­terschaft interessie­rt mich überhaupt nicht. Mich interessie­rt, dass wir drei Titel holen“, betonte Müller. Die Konzentrat­ion gelte nicht der EM, sondern Meistersch­aft, DFB-Pokal und Champions League.

Wenn ich ehrlich bin:

Die Europameis­terschaft interessie­rt mich überhaut nicht. Thomas Müller

Bayern-Spieler

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Gegen Leipzig nicht so stark wie gewohnt: Bayern Münchens Thomas Müller. Die EM interessie­rt ihn eigenen Angaben zufolge nicht.

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