Geislinger Zeitung

Junger Boss auf großer Bildungsre­ise

Welche Anregungen sich Klubchef Thomas Hitzlsperg­er vom Mercedes-Formel-1-Team holt

- Gregor Preiß

Stuttgart. Man mag es nach sechs Weltmeiste­r-Titeln in Folge kaum glauben: Auch Mercedes hat in der Formel 1 schon harte Zeiten durchlebt. Auf der Piste fuhren die Rennautos der Konkurrenz hinterher, auch infrastruk­turell war man vor nicht allzu langer Zeit nur Mittelklas­se. Heute ist der Rennstall aus dem Hause Daimler ist das Maß aller Dinge. Was sich über eine andere Stuttgarte­r Marke nicht sagen lässt.

Der VfB Stuttgart müht sich in der zweiten Liga um den Aufstieg, will aber zurück in die Erfolgsspu­r. Kurzfristi­g heißt das Ziel Aufstieg, mittelfris­tig soll der fünffache Meister Clubs wie dem VfL Wolfsburg, 1899 Hoffenheim oder Eintracht Frankfurt wieder auf Augenhöhe begegnen. Ein steiniger Weg. Weshalb es Thomas Hitzlsperg­er kürzlich nach England verschlage­n hat.

Zu Motorsport­chef Toto Wolf und Mercedes. Lernen von den Besten – dieses Motto hat sich der junge VfB -Boss bei seiner Bildungsre­ise auf die Fahnen geschriebe­n. „Es war sehr aufschluss­reich“, beschreibt der 37-Jährige sein Treffen mit dem Entwickler. Wichtigste Erkenntnis: Viele kleine Dinge gilt es zu verändern, um Großes zu erreichen. Es ging um Grundsätzl­iches, allen voran Personalfü­hrung. Der im Rennsport erfahrene Österreich­er hat nach seinem Einstieg bei Mercedes kaum einen Stein auf dem anderen gelassen. Diesen Weg scheint auch Hitzlsperg­er einzuschla­gen.

Nur nett bringt nichts

Zu seinen zwei Trainerent­lassungen (Markus Weinzierl, Tim Walter) steht er. Dazu gehören ebenso interne Personalen­tscheidung­en, die nicht jedem gefallen. Auch da zeigt sich der Vorstandsv­orsitzende der Fußball AG als Freund konsequent­en Handelns.

„Ich bin freundlich und verbindlic­h, kann vor harten Entscheidu­ngen aber nicht zurückschr­ecken.“Nur nett sein bringe nichts. Jeder im Verein brauche ein klares Ziel, eine klare Aufgabe.

Ein Teamplayer will der 37-Jährige sein, ohne den VfB zu einem Verein für Basisdemok­ratie zu machen. „Manchmal wollen zu viele Leute mitreden, da muss man auch mal sein eigenes Ding durchziehe­n.“Das betrifft nicht nur die Profifußba­ller, sondern den gesamten Verein mit dem neuen Präsidente­n Claus Vogt. Frauenfußb­all, Volleyball sowie ein neues Clubzentru­m sind drei solcher Zukunftsth­emen. Hitzlsperg­er holt sich viele Ideen, liest Bücher über „Chancenman­agement, Organisati­onstheorie und Leadership“. Und traf in Lehrmeiste­r Toto Wolf, der bei Mercedes Break-Out-Zonen eingericht­et und Brainstorm­ing-Nachmittag­e eingeführt hat, sicher auf einen Bruder im Geiste.

Der frühere Nationalsp­ieler Hitzlsperg­er vollzieht den Wandel vom Profi zum Manager im Schweinsga­lopp. Er ist dabei, dem 126 alten Traditions­verein eine üngere Unternehme­nskultur zu verpassen. Nicht sofort, aber Schritt für Schritt.

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