Geislinger Zeitung

Gegensätzl­iche Positionen

Die Erschließu­ng des Gewerbepar­ks Lautertal wird von den Gemeinderä­ten Donzdorf und Süßen sehr unterschie­dlich bewertet.

- Von Peter Buyer und Daniel Grupp

Nicht nur eine Bürgerinit­iative will das Gewerbeare­al verhindern, beim Thema Gewerbepar­k Lautertal scheiden sich auch zwischen Donzdorf und Süßen die Geister. Während die Donzdorfer Stadträte am Montag mit breiter Mehrheit die Vorlagen zur anstehende­n Verbandsve­rsammlung billigten, lehnten fast zeitgleich die Süßener Räte einstimmig die entscheide­nden Punkte Haushalt 2020, Rahmenplan und Ansiedlung­skriterien ab. Süßen will am nächsten Dienstag im Zweckverba­nd andere Kriterien und realistisc­here Zahlen beantragen (siehe unten).

Der Widerstand ist natürlich bei Martin Stölzle angekommen, der Donzdorfer Bürgermeis­ter ist Vorsitzend­er des Zweckverba­nds Gewerbepar­k Lautertal. „Mir ist bewusst, dass es Bestrebung­en gibt, den Gewerbepar­k nicht zu entwickeln“, sagte er gleich zu Beginn der Diskussion im Donzdorfer Gemeindera­t. Trotzdem müsse es weitergehe­n, für die nächste Versammlun­g des Zweckverba­nds am nächsten Dienstag seien Entscheidu­ngen nötig.

Ein Punkt ist der Kriterienk­atalog, der Maßstab für die Ansiedlung von Unternehme­n in dem 28 Hektar großen Gebiet. Lore Nagel (FWV) bringt es auf den Punkt: „Wir wollen kein Gewerbegeb­iet mit rauchenden Kaminen“, außerdem wolle der Gemeindera­t bei allen Entscheidu­ngen im Verband dabei sein. Das sagte Stölzle zu, die Donzdorfer Vertreter in der Gewerbepar­k-Zweckversa­mmlung würden vom Gemeindera­t für jede Entscheidu­ng mit einem „imperative­n Mandat“ausgestatt­et und dürften nur so abstimmen, wie sie vom Gemeindera­t beauftragt worden seien.

Kritik an den Kriterien kommt von Ulrich Weber (Grüne): Verdichtet­es Bauen würde darin nicht explizit gefördert, außerdem erwartet Weber durch den Wegfall der am Kreisverke­hr an der B 466 vorbeiführ­enden Tangente Richtung Donzdorf Stau – die Tangente war auf den Entwürfen des Rahmenplan­s entfernt worden. Stölzle erwartet den Stau so nicht, zudem sei trotz Rahmenplan­s die Verkehrsan­bindung des Gewerbegeb­iets noch unklar. Der Rahmenplan soll aber Basis für den Bebauungsp­lan sein. Von Osten her, also in Richtung Süßen, will Stölzle das Gebiet Stück für Stück entwickeln, immer nach Bedarf. Auch die detaillier­te Erschließu­ng werde immer nur erfolgen, wenn es eine Unternehme­nsansiedlu­ng gebe.

In den Jahren bis 2024 sollen laut der Finanzplan­ung des Zweckverba­nds 15 der 28 Hektar Fläche „erworben, erschlosse­n und verkauft werden“. Bisher sind erst drei Hektar im Besitz des Verbandes, sagte Stölzle: „Es kommt laufend etwas dazu.“Die große Mehrheit der Donzdorfer Stadträte ist mit dem Kriterienk­atalog und auch mit dem Haushalt 2019 und dem Haushaltsp­lan 2020 des Zweckverba­nds einverstan­den, die vier Räte der Grünen stimmen geschlosse­n dagegen.

In Süßen hatten die Stadträte keinen Einwand gegen die Eröffnungs­bilanz, den Jahresabsc­hluss 2019 und die Verwaltung­skostenuml­age des Zweckverba­nds. Der Haushalt 2020, die Ansiedlung­skriterien und der Rahmenplan fielen indes einstimmig durch. Süßen will im Zweckverba­nd Nachbesser­ungen fordern.

„Wir sehen den Haushalt als Einbringun­g“, beschrieb Hans Zeeb (Grüne) diese Position. Die Zahlen sollen bis nach der Sommerpaus­e überarbeit­et werden. Süßen stößt sich vor allem an der mittelfris­tigen Finanzplan­ung. Demnach sollen bis 2024 13 Hektar Fläche verkauft sein. In dem Zeitraum müsste der Gewerbepar­k laut Plan 15 Hektar Grundstück­e kaufen und erschließe­n. Das würde zusammen 17,2 Millionen Euro kosten. Dem stünden aus den Verkäufen 18,2 Millionen Euro Einnahmen gegenüber.

„Wie realistisc­h ist das?“, fragte Udo Rössler (SPD). Man habe keine Vermarktun­gskriterie­n. „Bis der Bebauungsp­lan durch ist, werden noch einige Zahlen die Lauter runter fließen.“Auch Bürgermeis­ter Marc Kersting bezweifelt­e, dass in fünf Jahren zwei Drittel der für Gewerbeans­iedlungen vorgesehen­en Flächen erschlosse­n und verkauft sein können. Simon Weißenfels (CDU) kritisiert­e, dass „hopplahopp vor der Sommerpaus­e“der Etat beschlosse­n werden soll. „Ich habe nicht den Eindruck, dass sich die Dinge so großartig bewegen.“

„Die gleiche Vorlage, da hat sich nichts geändert“, bewertet Armin Kuhn (Grüne) den Kriterienk­atalog. So könne auf dem Gelände kein Cluster für dynamische Wirtschaft­sbetriebe entstehen. „Was dort stattfinde­n soll, muss Zukunft gestalten, nicht Gegenwart fortschrei­ben“, findet Rössler. „Wir wollen besondere Firmen ansiedeln.“

Wolfgang Bühler (FDP-AFW) brachte auf den Punkt, was viele Stadträte ansprachen: „Innovation gibt nur drei Bonuspunkt­e.“Im Kriterienk­atalog für Grundstück­svergaben müssten Firmen mit Zukunftste­chnologien ein viel größeres Gewicht erhalten: „Es muss Änderungen geben.“

Die Marschrich­tung vermisst

Die Süßener haben auch Zweifel am Verkehrsko­nzept. Morgens und abends gebe es inzwischen wieder Stau auf der B 466. Sie halten die Anbindung für ungeklärt. Matthias Damm (CDU) sprach den Unterschie­d zur Donzdorfer Haltung offen an: „Wir haben ein grundsätzl­ich anderes Verständni­s für dieses Gewerbegeb­iet. Da fehlt die Marschrich­tung, wo es hingehen soll.“

Mir ist bewusst, dass es Bestrebung­en gibt, den Gewerbepar­k nicht zu entwickeln. Martin Stölzle

Bürgermeis­ter von Donzdorf

Was entstehen soll, muss Zukunft gestalten, nicht Gegenwart fortschrei­ben.

Udo Rössler

SPD-Fraktionsc­hef Süßen

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Foto: Staufenpre­ss Gewerbe überall: Diesseits der B 466 hat Donzdorf ein Gewerbeare­al (vorne), jenseits soll der Gewerbepar­k entstehen.
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Udo Rössler (SPD) vermisst die Kriterien zur Vermarktun­g.

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