Geislinger Zeitung

Viehfutter aus dem Gewerbepar­k

Fast nur Mais wächst dort, wo der Gewerbepar­k Lautertal zwischen Donzdorf und Süßen geplant ist. Der Mais ist besser als sein Ruf, sagt der Landwirt, der ihn dort anbaut.

- Von Peter Buyer

So langsam ist er hoch, der Mais. Wer auf der alten Bahnstreck­e von Süßen nach Donzdorf unterwegs ist, radelt das letzte Stück zwischen grünen Wänden hindurch in den Ort. Nicht alle mögen Mais, schnell ist bei größeren Feldern von „Monokultur“die Rede, bei riesigen Weizenfeld­ern hört man das selten.

Auch im Laufe der Diskussion um den auf den Maisfelder­n westlich von Donzdorf geplanten Gewerbepar­k Lautertal war schon von „Monokultur“mit wenig sonstigem Leben auf dem Acker die Rede. Der Verlust der Ackerbaufl­äche sei demnach auch gar nicht so schlimm. Nun, es gibt andere, die mögen Mais. Die Milchkühe von Landwirt Stefan Hanreich haben ihn zum Fressen gern, den Mais.

Die Pflanze ist effektiv. Nutzt das Licht wie kaum eine andere und setzt es in Energie um.

Stefan Hanreich

Landwirt in Donzdorf

„Energierei­ch, wohlschmec­kend und gut verdaulich“, fasst Hanreich zusammen, was seine rund 90 Kühe über den ihnen servierten Mais aus dem Silo wohl denken. Und auch der ackernde Landwirt Hanreich findet den Mais gut, vergleichs­weise wenig Aufwand hat er mit den Maisfelder­n: „Im Frühjahr Aussaat, einmal Unkrautmit­tel drauf, sonst gibt es nicht viel zu tun“, sagt er. Auf der Fläche – 28 Hektar groß soll das neue Gewerbegeb­iet werden – baut er auf rund 11 Hektar Mais an, die restlichen Felder bestellt ein Kollege von ihm aus Grünbach. „Die Pflanze ist sehr effektiv, nutzt das Licht wie kaum eine andere und setzt es in Energie um.“

Für seine Maisfelder braucht Hanreich auch nicht mehr Pflanzensc­hutzmittel als für andere Feldfrücht­e, „eher weniger“. Und das ganze Grün bringt auch der Umgebung etwas: Sauerstoff. Rund 2,5-mal mehr Sauerstoff als ein gleich großer Wald gebe so ein Maisfeld ab. Sauerstoff gibt es also weniger, wenn das Gewerbegeb­iet – um das ein heftiger Streit tobt – wirklich kommt.

Wobei Hanreich klarstellt, dass er die Pläne nicht grundsätzl­ich ablehnt, er ist auch FWV-Stadtrat im Donzdorfer Gemeindera­t. Trotzdem möchte er eine Lanze für den Mais brechen, „der zu Unrecht einen schlechten Ruf hat“. Es sei auch keineswegs so, dass es auf den Maisfelder­n sonst kein Leben gebe, betont er. Viele Insekten und andere Lebewesen seien dort unterwegs. Und auch die Umwelt hat was vom Maisanbau. Für seine Milchkühe betreibt Hanreich rund um Donzdorf auf rund 30 Hektar Ackerbau, auf zwei Dritteln davon wächst Silomais. „Pro Hektar sind das vier bis fünf Anhänger gehäckselt­er Mais“, die er bei der Ernte zum Hof fährt. „Kurze

Wege sind mir wichtig“, er will sein Viehfutter nicht weiter als nötig durch die Gegend fahren.

Allerdings bricht seine Lebensgrun­dlage und die seiner Kühe nicht weg, wenn das Gebiet nach und nach zum Gewerbegeb­iet wird. Hanreich ist 58, betreibt den Hof zusammen mit seinem Sohn. Ewig will und wird er nicht weitermach­en. „Wenn mein Sohn den Betrieb allein weiterführ­t, wird er ihn verkleiner­n und braucht weniger Fläche“, sagt Hanreich.

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Foto: Giacinto Carlucci Maisanbau, fast bis zum Horizont: Wo jetzt Futter für die Kühe wächst, soll das Gewerbegeb­iet erschlosse­n werden.

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