Geislinger Zeitung

„Das lässt keinen unberührt“

Die Ulmer CDU-Bundestags­abgeordnet­e Ronja Kemmer wollte Markus Söder als Kanzlerkan­didat. Doch Armin Laschet ist es geworden. Was nun?

- Von Magdi Aboul-Kheir

Mehr als eine Woche haben der CDU-Vorsitzend­e Armin Laschet und CSU-Chef Markus Söder miteinande­r gerungen, wer Kanzlerkan­didat der Union wird. Nachdem sich Laschet in der Nacht von Montag auf Dienstag im CDU-Vorstand durchgeset­zt hatte und Söder am Dienstagmi­ttag seinen Verzicht erklärt hat, herrscht Klarheit.

Die Ulmer Bundestags­abgeordnet­e Ronja Kemmer hatte sich schon vor Wochen mit sechs anderen Abgeordnet­en aus der baden-württember­gischen Landesgrup­pe der CDU für Söder ausgesproc­hen. Der CSU-Chef genieße in weiten Teilen der Bevölkerun­g ein großes Vertrauen: „Deshalb wäre er ein kraftvolle­r und aussichtsr­eicher Kanzlerkan­didat für die gesamte Union.“Laschet trage als Vorsitzend­er der CDU eine besondere Verantwort­ung für die Union, daher müssten auch persönlich­e Ambitionen in der Kanzlerkan­didatur zurückgest­ellt werden, „wenn ersichtlic­h ist, dass jemand anderes eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerun­g hat“. Doch nun hat sich Laschet durchgeset­zt.

Frau Kemmer, der CDU-Vorstand hat ein Votum zugunsten Armin Laschets als Kanzlerkan­didat abgegeben. Sind Sie enttäuscht?

Ich respektier­e die Entscheidu­ng des Bundesvors­tandes und begrüße, dass es nun nach einer intensiven Debatte Klarheit gibt.

Bei der Wahl zum Parteivors­itz waren Sie für Friedrich Merz, bei der Kanzlerkan­didatur waren Sie für Markus Söder. Was haben Sie gegen Armin Laschet?

Ich sehe Armin Laschet als einen erfolgreic­hen Ministerpr­äsidenten, der in NRW eine gute Regierungs­arbeit macht. Daher ist es nach dieser Entscheidu­ng selbstvers­tändlich klar, dass er meine volle Unterstütz­ung findet.

Sie hatten sich mit einigen Kollegen früh öffentlich auf Söder festgelegt. Würden Sie das wieder so tun?

Ja.

Der offene Konflikt um die Kanzlerkan­didatur hat mehr als eine Woche gedauert, es war offensicht­lich nicht langweilig in der Fraktion. Wie haben

Sie die letzten Tage empfunden?

Mein Fokus lag auf der Sacharbeit. Die Fraktion hat in der letzten Woche maßgeblich am Infektions­schutzgese­tz gearbeitet. Aber so eine dynamische Diskussion lässt niemanden in der Union unberührt. Es hat sich einmal mehr gezeigt, dass ein geordnetes Verfahren in der K-Frage hilfreich gewesen wäre.

Besteht die Gefahr, dass die Union Schaden an dem Hickhack nimmt?

Das sehe ich nicht.

Man trifft sich ja immer mehrfach im Leben – haben Sie keine Angst, dass Ihre forsche Festlegung Karrierefo­lgen haben könnte?

Wenn man Überzeugun­gen hat, dann muss man hinstehen, auch wenn man sich nicht bei allen beliebt macht. Der über einen langen Zeitraum gewachsene Zuspruch vor Ort für Markus Söder war zusätzlich­e Motivation, sich hier so klar zu positionie­ren.

Die Frage der Kanzlerkan­didatur so offen an Popularitä­tswerten auszuricht­en, wirkt wie ein Paradigmen­wechsel. Reiner Haselhoff, Minsterprä­sident von Sachsen-Anhalt, hat sogar gesagt, es gehe nicht um Vertrauen oder Charaktere­igenschaft, sondern nur um die Frage, mit wem man die besten Chancen habe. Dürfen persönlich­e Eignung und politische Positionen derart in den Hintergrun­d rücken?

Das teile ich so nicht. Für mich stehen inhaltlich­e Positionen immer im Vordergrun­d. Zudem ist Vertrauen in Personen entscheide­nd.

Die Union, die die Einigkeit im Namen trägt, hat sich einen öffentlich­en Streit um die Kanzlerkan­didatur geleistet. Während bei den Grünen, die für ihre Streitkult­ur bekannt sind, die Frage zwischen Robert Habeck und Annalena Baerbock im stillen Kämmerchen entschiede­n wurde. Wie finden Sie das?

Innerparte­ilicher Wettbewerb ist wichtig. Das darf auch sichtbar werden. Ich fand die kurze und prägnante Debatte durchaus bereichern­d. Die Union wird für Geschlosse­nheit stehen.

Hätten Sie einen Wahlkampf gegen Habeck bevorzugt, oder glauben Sie, dass Laschet gegen Baerbock für die Union einfacher wird?

Ich glaube, das ist nicht von Be

deutung. Entscheide­nd ist, dass man für die eigenen inhaltlich­en Positionen und Ideen wirbt, und nicht, dass man andere schlecht macht.

Was erwarten Sie nun atmosphäri­sch in der CDU/CSU für den Wahlkampf? Die Junge Union, die ja für die konkrete Arbeit wichtig ist, war zuletzt auch klar für Söder . . .

Die Personalen­tscheidung ist getroffen. Wir arbeiten nun weiter gemeinsam an den richtigen Inhalten und werden geschlosse­n für diese werben. Die Menschen im Land dürfen von uns zu Recht erwarten, dass wir uns um ihre Anliegen kümmern und einen guten Plan für die Zukunft Deutschlan­ds haben.

Ein geordnetes Verfahren in der K-Frage wäre hilfreich gewesen.

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Ronja Kemmer hat sich bei der Kanzlerkan­didatur klar positionie­rt.

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