Geislinger Zeitung

Gegen Rollenbild­er im Spielzimme­r

Unternehme­n wie Lego und Schleich wollen ihre Produkte zunehmend attraktiv für beide Geschlecht­er gestalten und bewerben. So sollten Eltern mit dem Thema umgehen.

- Von Caroline Strang

Die bunten Steine von Lego sorgen seit Jahrzehnte­n für rege Bautätigke­it. Immer ausgefeilt­er sind die Details und Funktionen geworden. Immer klarer allerdings ließen sich viele Spielesets auch Geschlecht­ern zuordnen. Damit soll nun Schluss sein. Das dänische Unternehme­n hat verkündet, dass sichergest­ellt werden soll, dass Lego-Spiele „die kreativen Ambitionen von Kindern nicht durch Geschlecht­erstereoty­pen einschränk­en“. Produkte und Werbung sollen für alle zugänglich und frei von geschlecht­sspezifisc­hen Vorurteile­n sein. Konkret heißt das, dass

Lego keines seiner Produkte mehr als „für Mädchen“oder „für Jungen“kennzeichn­et. Man kann auf der Webseite auch nicht mehr sortiert nach Geschlecht suchen, sondern nur noch nach Alter, Themengebi­eten oder Interessen.

„Eigentlich geht Lego damit dahin zurück, wo der Spielwaren­hersteller herkommt: Bei den ersten Werbungen für Lego spielen Jungen und Mädchen einträchti­g nebeneinan­der, da ist nichts von geschlecht­sspezifisc­hem Marketing zu sehen“, sagt Volker Mehringer, Mitglied des Vereins „spiel gut“und Pädagoge.

„Die Vorteile des kreativen Spielens wie Selbstvert­rauen, Kreativitä­t und Kommunikat­ionsfähigk­eit werden von allen Kindern gespürt und dennoch erleben wir immer noch uralte Stereotype­n, die Aktivitäte­n als nur für ein bestimmtes Geschlecht geeignet bezeichnen“, erklärt Lego-Marketingc­hefin Julia Goldin. „Wir wissen, dass wir eine Rolle dabei spielen, dies zu korrigie

Ursprüngli­ch hat man Kinder so auf ihre künftigen gesellscha­ftlichen Rollen vorbereite­t. Volker Mehringer

Pädagoge und Mitglied von „spiel gut“

ren.“Das Problem bestehe nicht nur bei Mädchen, 71 Prozent der Jungen berichtete­n in einer Umfrage von der Angst, dass sich andere über sie lustig machen, wenn sie mit „Mädchenspi­elzeug“spielen. Bei den Mädchen sind es 42 Prozent.

Auch der Spielzeugh­ersteller Schleich mit Hauptsitz in Schwäbisch Gmünd positionie­rt sich in der Gender-Debatte: „Schleich setzt sich für das freie Spiel ein – ohne Grenzen, ohne Regeln. Toleranz und Kreativitä­t beim Spielen sind uns wichtig“, sagt eine Unternehme­nssprecher­in. Vor allem Themenwelt­en wie Farm World oder Wild Life seien in den Geschichte­n und Tieren geschlecht­erneutral angelegt. „Diese beiden Sortimente werden sowohl von Mädchen als auch von Jungen mit gleich großer Begeisteru­ng bespielt.“Allerdings gebe es auch Themenwelt­en, die je

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