KÖ­NIG NO. IV

Hagstrom Su­per Swe­de Ltd. Black Dark King Er­neu­ter Nach­wuchs im schwe­di­schen Kö­nigs­haus?! Nein, in un­se­rer Fach­ter­mi­no­lo­gie be­deu­tet dies, dass der schwe­di­sche Gi­tar­ren­her­stel­ler Hagstrom sein Th­ree- Kings- Trio, be­ste­hend aus den Mo­del­len Swe­de, Su­per Sw

Gitarre & Bass - - Leser Post Post@gitarrebass.de - TEXT Micha­el Dom­mers FO­TOS Die­ter Stork

Aber wel­cher Kö­nig bloß? Herz, Ka­ro, Pik oder Kreuz? Ich tip­pe mal auf Letz­te­res. In li­mi­tier­ter Auf­la­ge und ge­tauft auf den Na­men „Black Dark King“soll der Mon­arch wohl al­les an­de­re als ei­nen bunt blü­hen­den Früh­ling ein­leu­ten ...

dunk­ler als schwarz?

Wäh­rend Hagstrom sei­ne Gi­tar­ren werks­sei­tig mit D‘ad­da­rio 10-46 Sai­ten aus­stat­tet, kommt das Test­modell mit ei­nem 1154 Set. Ver­mut­lich beim hie­si­gen Im­por­teur um­ge­rüs­tet und da­her mit Er­nie Ball Bee­fy Slin­ky‘ s. Dies lässt au­ßer­dem ver­mu­ten, dass man die Black Dark King ger­ne den Drop-tu­nern ans Herz le­gen möch­te. Da ich je­doch oh­ne­hin 11-49er be­vor­zu­ge, be­las­se ich es vor­erst bei Stan­dard­stim­mung. Den Ma­ha­go­ni-bo­dy krönt ei­ne mas­si­ve gleich­mä­ßig ge­wölb­te Ahorn­de­cke, al­so nicht wie oft­mals ge­se­hen mit fla­chem Top im Be­reich von Pick­ups, Steg und Sai­ten­hal­ter. Um­rahmt von 5-schich­ti­gem Schwarz-weiß-bin­ding plus schwar­zem Per­lo­id kommt das schon mal an­ge­mes­sen roy­al. No­bles­se ob­li­ge, wie der Latei­ner sagt. Die ob­li­ga­to­ri­schen Kam­mern des so­li­den Pick­up-schal­ters und der Elek­trik de­cken ein­ge­las­se­ne, mit Alu­fo­lie be­kleb­te Kunst­stoff­plat­ten ab. Da es sich um die ein­zi­gen Ab­schir­mungs­maß­nah­men han­delt und die­se auch kei­nen Mas­se­kon­takt auf­wei­sen, darf man de­ren Ef­fi­zi­enz in Fra­ge stel­len. Wir wer­den se­hen. Ein Stahl­blech hält die Klin­ken­buch­se an der Zar­ge, gro­ße Knöp­fe sol­len den Gurt si­chern. Al­ler­dings sind Letz­te­re sehr knapp be­mes­sen, so­dass Gur­te nicht di­cker sein soll­ten als 2,5 mm. Im tra­di­tio­nel­len Les-paul-style hat man den Ma­ha­go­ni­hals mit dem Kor­pus ver­leimt, so­dass auch der Hals­über­gang das klas­si­sche De­sign zeigt (Mor­ti­se and Te­non Hals-/kor­pus­ver­lei­mung). Wie bei Hagstrom üb­lich, sta­bi­li­siert kein sim­pler Rund- oder Vier­kant­stab den Hals, son­dern der pa­ten­tier­te H-ex­pan­der, ein Pro­fil aus ei­ner spe­zi­el­len leich­ten Le­gie­rung mit in­nen lie­gen­dem Jus­tier­stab, der dem Hals al­ler­höchs­te Bie­ge- und Ver­win­dungs­fes­tig­keit ver­leiht. Auch das Griff­brett ist ei­ne Ei­gen­ent­wick­lung des schwe­di­schen Her­stel­lers: Re­si­na­tor ist ein un­ter ho­hem Druck ver­leim­ter Hol­zVer­bund­werk­stoff mit dich­te­rer und sta­bi­le­rer Struk­tur als Pa­li­san­der, Ahorn, Eben­holz und Kon­sor­ten. Dies soll De­ad Spots mi­ni­mie­ren. Wie auch die Kopf­plat­te, ist das Griff­brett von schwar­zem Per­lo­id um­ge­ben. Gro­ße wei­ße Per­lo­idB­locks und Si­de­dots er­leich­tern die Na­vi­ga­ti­on. Al­le 22 Me­di­um-jumbo-bün­de wur­den per­fekt be­ar­bei­tet und po­liert. Re­spekt, bes­ser geht das wirk­lich nicht. Op­ti­mal aus- und ab­ge­rich­tet führt ein Graph­tech-sat­tel die Sai­ten zu den prä­zi­se und smooth ar­bei­ten­den Hags­tromTu­nern mit den stu­fen­för­mi­gen Knöp­fen. An­ders als al­le Specs Sheets im Netz und auf der Her­stel­ler­sei­te kund­tun, be­sit­zen die Me­cha­ni­ken un­se­rer Test­gi­tar­re kei­ne 18:1-, son­dern ei­ne 15:1-Un­ter­set­zun­gen. Über ei­ne „Long­tra­vel“-tu­ne-o-ma­tic Bridge – soll hei­ßen Sai­ten­rei­ter mit lan­gem Jus­tier­weg (ob­wohl die­ser gera­de mal knapp kon­ven­tio­nel­le 7 mm misst) – er­rei­chen die Sai­ten das Hagstrom Sustain Block Tail­pie­ce, des­sen 6 se­pa­ra­te

Mes­sing­blö­cke die En­d­rin­ge auf­neh­men und da­durch mög­li­che In­ter­fe­ren­zen mi­ni­miert wer­den sol­len. Ein Stahl­blech deckt den Sai­ten­hal­ter ab. Das gan­ze Kon­strukt ruht auf ei­ner 3 mm di­cken Ple­xi­glas­un­ter­la­ge. Zwei vom schwe­di­schen Pick­up-pabst Jo­han Lund­gren ent­wi­ckel­te Hum­bu­cker ma­chen die Su­per Swe­de zur E-gi­tar­re. Im Hals-hb ver­rich­tet ein Al­ni­co-2-ma­gnet sei­nen Di­enst, im Steg-pick­up ein Al­ni­co 5. Kon­trol­liert wer­den sie mit­tels Drei­weg­schal­ters, und je­weils zwei­er Vo­lu­me- und To­ne-reg­ler, Letz­te­re mit Wer sich gera­de auf der Su­che nach No­ten­sät­zen für an­spruchs­vol­le Gi­tar­ren­mu­sik be­fin­det, der soll­te sich un­be­dingt die­ses No­ten­buch aus der Fe­der von Tho­mas Fel­low an­se­hen. Fel­low, Pro­fes­sor für Akus­ti­sche Gi­tar­re an der Hoch­schu­le für Mu­sik „Carl Ma­ria von We­ber“in Dres­den, und gut be­schäf­tig­ter Li­veMu­si­ker, prä­sen­tiert hier 37 Mi­nia­tu­ren für So­lo-gi­tar­re. Im eng­li­schen und deut­schen Vor­wort er­läu­tert er sei­ne bis­wei­len im­pres­sio­nis­tisch schil­lern­den oder folk­lo­ris­ti­schen, manch­mal auch jaz­zig an­ge­hauch­ten Kom­po­si­tio­nen, wel­che dem Spie­ler ei­ne ge­wis­se Fin­ger­fer­tig­keit ab­ver­lan­gen. So­mit eig­net sich die­ses Pro­gramm üb­ri­gens auch her­vor­ra­gend als Stu­di­en­li­te­ra­tur. Sym­pa­thisch ist sei­ne Auf­for­de­rung, mehr zwi­schen den Zei­len zu le­sen, und die No­ten zu in­ter­pre­tie­ren, an­statt sie ge­nau­es­tens zu be­fol­gen. Das groß­for­ma­ti­ge No­ten­bild ist mit num­me­rier­ten Tak­ten gut ver­ständ­lich, und mit zahl­rei­chen Fin­ger­sät­zen, so­wie An­mer­kun­gen zu Dy­na­mik, Ago­gik und Klang­vor­stel­lun­gen um­fas­send ver­voll­stän­digt. [Schott Mu­sic Gm­bh; ISBN 978-0001162791, 68 Sei­ten, Preis ca. € 17] ds men­su­rig be­vor­zug, soll­te sich das Schwes­ter­mo­dell, die Swe­de mit an­sons­ten glei­chen Specs an­schau­en). Am in­ten­sivs­ten re­so­niert der Bo­dy im Be­reich des Hals-pick­ups, wird je­doch in Rich­tung Steg zu­neh­mend mü­der. Of­fen­bar tut dies dem Sustain je­doch kei­ner­lei Ab­bruch, klingt es doch le­ben­dig, lang­sam und kon­ti­nu­ier­lich ab. Das ins­ge­samt war­me und run­de Klang­bild zeigt straf­fe de­fi­nier­te Bäs­se, drah­ti­ge Mit­ten, sam­ti­ge Hö­hen und geizt kei­nes­wegs mit Ober­tö­nen. Ih­re be­acht­li­che Dy­na­mik ver­dankt die Black Dark King der spon­ta­nen An­spra­che und schnel­len To­n­ent­fal­tung. Der Lund­gren-hals-hum­bu­cker macht am Amp un­miss­ver­ständ­lich deut­lich, dass er sich am gu­ten al­ten PAF ori­en­tiert. Die län­ge­re Men­sur be­schert der Su­per Swe­de straf­fe, de­fi­nier­te, druck­vol­le Bäs­se und mehr Prä­senz und Of­fen­heit, be­lässt es je­doch bei der ge­wohn­ten Ba­lan­ce, Wär­me und Klang­fül­le. Mit stei­gen­der In­ten­si­tät des An­schlags set­zen

sich die Hö­hen und Ober­tö­ne ver­mehrt in Sze­ne, der Sound wird snap­pier und ar­ti­ku­lier­ter. Zu­dem un­ter­stützt die gu­te Dy­na­mik des Pick­ups je­de Form von Ton­bil­dung. Lässt man per Coil Split die Stegs­pu­le ver­stum­men, bleibt der Grund­sound des Hum­bu­ckers er­hal­ten, wäh­rend der Pe­gel we­ni­ger als er­war­tet in die Knie geht. Das Klang­bild wirkt le­dig­lich et­was schlan­ker, noch auf­ge­räum­ter und trans­pa­ren­ter, er­in­nert aber nicht im Ent­fern­tes­ten z. B. an den Hals-sing­le­coil ei­ner Strat. Dann noch eher an ei­nen P-90, was ein di­rek­ter Ver­gleich auch prompt be­stä­tigt. Trotz Al­ni­co 5 und fast dop­pel­tem Gleich­strom­wi­der­stand bil­det der Steg-hum­bu­cker mit dem Hals­kol­le­gen auch Out­put­mä­ßig ein per­fekt aus­ta­rier­tes Paar. Legt man den Schal­ter von oben nach ganz un­ten, tre­ten die Mit­ten stär­ker ins Bild, die Bäs­se wer­den drah­ti­ger und kna­cki­ger oh­ne ih­re straf­fe Ba­sis zu ver­lie­ren. Gleich­zei­tig nimmt die Bril­lanz der Hö­hen et­was zu, die wie­der­um von fein do­sier­ten Ober­tö­nen nach oben ver­süßt wer­den. Der Coil Split re­du­ziert den Aus­gangs­pe­gel deut­li­cher als beim Hal­sPick­up und dünnt das Klang­bild auch et­was stär­ker aus. Von saft­lo­sem Pis­selSound kann je­doch kei­ne Re­de sein, denn auch die Stegs­pu­le des Lund­gren Al­ni­co 5 er­in­nert eher an ei­nen, wenn auch et­was pe­gel­schwä­che­ren P-90. Den­noch perlt der Klang aus­ge­wo­gen, sehr luf­tig und glas­klar mit ei­nem schö­nen Twang aus den Laut­spre­chern. Per­fekt für fun­ky Ak­kord- und Sing­le­no­te-spiel, und auch der Coun­try Ro­cker dürf­te auf sei­ne Kos­ten kom­men. Glo­ckig klar mit prä­gnan­ten Mit­ten und druck­vol­lem aber de­fi­nier­tem Bass emp­fiehlt sich die Kom­bi bei­der Hum­bu­cker nicht nur fürs Strummen, son­dern auch für brei­te Ar­peg­gio-tep­pi­che. Aber auch beim So­lo­spiel mit ge­mä­ßig­ter Zer­re kann das Paar über­zeu­gen. Möch­te man es noch luf­ti­ger ha­ben, split­tet man ein­fach bei­de Hum­bu­cker, was ei­nen cha­rak­ter­vol­le­ren, brei­te­ren Twang er­gibt. Aber auch hier gibt es ein Pen­dant zu ei­nem P90-Pär­chen, näm­lich dann, wenn man den vol­len Hals-hum­bu­cker mit dem Coil Split des Steg-pick­ups ver­eint. Bei­de Lund­gren- Hum­bu­cker und de­ren Coil- Split- Va­ri­an­ten lie­fern auch im Over­dri­ve-be­trieb erst­klas­si­ge Er­geb­nis­se. So kom­men Po­wer­chor­ds druck­voll und durch­set­zungs­stark, tief­fre­quen­te Riffs dif­fe­ren­ziert und prä­zi­se, Lead­sounds sin­gen mit viel Sustain und las­sen sich zu­dem mit dem An­schlag kon­trol­lie­ren. Die un­zu­läng­li­che Ab­schir­mung macht sich pri­mär am zer­ren­den Amp bei ge­split­te­tem Steg-pick­up be­merk­bar, beim Hals-pu-split hält sich das Brum­men in Gren­zen. Wäh­rend bei­de Vo­lu­me-po­tis völ­lig gleich­mä­ßi­ge Re­gel­cha­rak­te­ris­tik auf­wei­sen, fil­tern die To­ne-reg­ler die Hö­hen erst auf den letz­ten Mil­li­me­tern wir­kungs­voll.

re­sü­mee

Hagstrom prä­sen­tiert mit der li­mi­tier­ten Auf­la­ge sei­ner Su­per Swe­de Black Dark King ein wirk­lich be­ein­dru­cken­des In­stru­ment – vor al­lem in Hin­blick auf des­sen Preis. Die Gi­tar­re be­sitzt nicht nur sehr gu­te Klang­ei­gen­schaf­ten, son­dern kann so­gar mit den CoilS­plit- Va­ri­an­ten der Lund­gren- Al­ni­coHum­bu­cker über­zeu­gen. Die­se lie­fern nicht et­wa (wie so oft) kom­pro­miss­be­haf­te­te Klän­ge der üb­li­chen Sing­le­coil-ver­däch­ti­gen, son­dern punk­ten mit cha­rak­ter­vol­len und über­aus pra­xis­taug­li­chen ei­gen­stän­di­gen Sounds. Die Su­per Swe­de Black Dark King fin­det sich nicht nur in dunk­len, düs­te­ren, tief­fre­quen­ten Mu­sik­gen­res zu­recht, son­dern fühlt sich im Grun­de in je­der Spar­te zu Hau­se. Sie wur­de ta­del­los ver­ar­bei­tet, was sich in ers­ter Li­nie beim vor­bild­li­chen Fret­job zeigt, der pri­mär dem Spiel­kom­fort zu­gu­te­kommt.

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