LEM­MY IN A BOX

OKKO FX Motör­bass Lem­my In A Box? Viel ge­wollt! Aber nicht we­ni­ger hat sich Ok­koMas­ter­mind Hei­ko Lau­en­roth bei der Ent­wick­lung sei­nes neu­en Motör­bass- Over­dri­ves vor­ge­nom­men: auf­ge­ris­se­ne Mar­shall- Sounds in ei­nem kom­pak­ten Pe­dal- Ge­häu­se - klingt ver­lock

Gitarre & Bass - - Leser Post Post@gitarrebass.de - TEXT Ste­fan Braun­schmidt FO­TOS Die­ter Stork

fas­ter, har­der …

Auf kaum ei­ne Rock-iko­ne konn­ten sich Mu­si­ker und Mu­sik-fans ver­schie­de­ner La­ger so ei­ni­gen wie auf Lem­my. Der rau­bei­ni­ge Gen­tle­man aus den eng­li­schen Mid­lands war je­doch nicht nur ei­ner der letz­ten Hard­core-rock’n’rol­ler, son­dern auch ein be­mer­kens­wer­ter Bas­sist. Viel­leicht nicht im Sin­ne ei­nes Vic­tor Woo­ten oder Mar­cus Mill­ler; Lem­mys Qua­li­tä­ten la­gen vor al­lem in sei­ner kom­pro­miss­los rot­zi­gen Spiel­wei­se und sei­nem röh­ren­den Zerr-sound, der ei­ner Ryth­mus­gi­tar­ren-ähn­li­chen Wand gleich­kam. Auf der Büh­ne kam die­se bru­ta­le Ur­ge­walt aus voll auf­ge­ris­se­nen Mar­shall-su­per-bas­sT­optei­len und ei­ner Kom­bi­na­ti­on aus 4x12" und 4x15" (!) Bo­xen. So ein Turm ist für die meis­ten Bas­sis­ten und Lem­myEn­thu­si­as­ten na­tür­lich nicht pra­xis­taug­lich – da kommt ei­ne Platz und Geld spa­ren­de Lö­sung wie das Motör­bass gera­de recht! Der „Mi­ni-lem­my“wohnt bei Okko in ei­nem kom­pak­ten Ge­häu­se, das et­was hö­her als ein durch­schnitt­li­ches MXRPe­dal ist. Wie die Pe­da­le aus der neu­en Black-box-se­rie, ist auch das Motör­bass mit ei­nem ex­trem ro­bus­ten schwar­zen Kräus­sel­lack über­zo­gen; hin­ter den Po­ti-be­schrif­tun­gen Fas­ter, Har­der und Lou­der ver­ber­gen sich die ty­pi­schen Over­dri­ve-reg­ler Gain, To­ne und Vo­lu­me. Das In­nen­le­ben ist Okko-ty­pisch wie­der ein­mal tip­top ver­ar­bei­tet. Für ei­nen mög­lichst Amp-mä­ßi­gen Sound mit viel Headroom stockt das Motör­bass die ein­ge­hen­den 9 V in­tern auf sat­te 24 V auf.

… lou­der!

Schon nach der ers­ten No­te wird klar, dass wir es hier nicht mit ei­nem klas­si­schen Bass-over­dri­ve zu tun ha­ben. Der Ton ist deut­lich mit­ti­ger, old­schoo­li­ger und schlan­ker, als man es von San­s­amp, Dark­glass & Co. ge­wohnt ist. Was hier aus den Laut­spre­chern brüllt, klingt ein­deu- tig nach Mar­shall und da­mit auch un­wei­ger­lich ein biss­chen „gi­tar­rig“. Und wenn man ei­nen Mo­ment dar­über nach­denkt, macht das auch ab­so­lut Sinn – Lem­mys Sound war zwar bra­chi­al und ver­zerrt, aber eben nicht wahn­sin­nig fett. Vom Spiel­ge­fühl und Bass­ver­hal­ten be­wegt sich Okko hier al­so ir­gend­wo zwi­schen den Zer­rer-wel­ten von Gi­tar­ren und Bäs­sen. Der Fas­ter-reg­ler (Gain) hält von fast clea­nen Tö­nen bis hin zu der­ben Bra­tSounds et­li­che Zerr-schat­tie­run­gen be­reit, wo­bei be­son­ders der ge­sät­tig­te Crunch-be­reich um 13 Uhr mit ei­ner star­ken Ba­lan­ce aus fet­zi­ger Zer­re und be­acht­li­cher Dy­na­mik punk­tet. Mit sei­nen bel­len­den Mit­ten ver­schafft sich das Motör­bass auch in ei­nem noch so dich­ten Mix Ge­hör, was nicht zu­letzt dem Har­der-po­ti (To­ne) zu ver­dan­ken ist. An­ders als bei vie­len an­de­ren Dri­ve-pe­da­len

re­sü­mee

wer­den hier näm­lich nicht die Hö­hen, son­dern ein re­la­tiv schma­ler Be­reich in den Hoch­mit­ten – ir­gend­wo zwi­schen na­sal und bis­sig – ge­re­gelt. Da­durch ver­liert das Pe­dal auch bei voll zu­ge­dreh­tem Har­der-po­ti nicht sei­nen Glanz in den Hö­hen. Man re­gelt hier eher den Cha­rak­ter des Pe­dals: Links von 12 Uhr wird es wei­cher, un­auf­ge­räum­ter und gut­mü­ti­ger, in der an­de­ren Rich­tung kommt mehr Biss, Pick-attack und Mit­ten-honk da­zu. Auch die Gain-auf-voll­gas-ein­stel­lung be­hält mit eit­was Hil­fe vom Har­derPo­ti er­staun­lich viel Kon­tur oh­ne je­den Matsch – na­tür­lich ist aber auch das Ge­gen­teil mög­lich, mit flä­chi­gen, fast doo­mi­gen Sounds. Zu­letzt sei noch ge­sagt, dass der Lou­der-reg­ler (Vo­lu­me) enor­me Cle­an-re­ser­ven auf La­ger hat, so­dass man das Motör­bass auch gut be­nut­zen kann, um die Vor­stu­fe ei­nes Röh­ren­amps an­zu­pus­ten – und zwar mit er­freu­lich we­nig Rau­schen! Un­term Strich ist Okko hier wie­der mal ein wirk­lich ei­ge­nes und top ver­ar­bei­te­tes Pe­dal ge­lun­gen, das sich mit sei­nem Amp-mä­ßi­gen Rotz-sound klar vom der­zei­ti­gen Bass­ver­zer­rer-main­stream ab­hebt. Das aus­ge­spro­chen tigh­te Bass­ver­hal­ten wird viel­leicht nicht je­der­manns Ge­schmack sein, ge­hört aber ab­so­lut da­zu, wenn man auf Lem­mys Pfa­den wan­deln will. Und ge­nau das ist viel­leicht der wich­tigs­te Punkt: Das Motör­bass lie­fert zu 100% was drauf­steht und wird sei­ner ei­ge­nen Mis­si­on voll ge­recht!

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