Marc Tre­mon­ti: Mr. Rast­los

Ru­he­pau­sen oder gar Still­stand kennt Mark Tre­mon­ti nicht: Kaum hat der ame­ri­ka­ni­sche Gi­tar­rist mit sei­ner Band Al­ter Bridge ei­ne welt­um­span­nen­de Tour­nee zum Album ‚ The Last He­ro‘ be­en­det, schon kehrt er mit sei­ner ak­tu­el­len So­lo­schei­be ‚ A Dying Ma­chi­ne‘

Gitarre & Bass - - INHALT - sto­ry: mat­thi­as mi­neur,

Wir ha­ben den um­trie­bi­gen Mu­si­ker kurz vor den Tour­vor­be­rei­tun­gen ge­spro­chen, um ne­ben ei­nem zwi­schen­zeit­li­chen Re­sü­mee sei­ner Kar­rie­re auch ei­ne ge­schäft­li­che Ein­schät­zung des ‚MT 15‘ ein­zu­ho­len und – Über­ra­schung! – die Kun­de von ei­nem sich in Pla­nung be­find­li­chen 100 Watt star­ken gro­ßen Bru­der des klei­nen Prs-brüll­af­fen zu er­hal­ten. Viel mehr geht nicht!

in­ter­view

Mark, zu­nächst ein­mal: Wie fällt dein Fa­zit der letz­ten Al­ter-bridge-tour aus, auf de­ren Hö­he­punkt ihr in der Lon­do­ner ‚Roy­al Al­bert Hall‘ mit ei­nem Sin­fo­nie­or­ches­ter ge­spielt habt? Die letz­te Tour war die längs­te und er­folg­reichs­te, die wir je mit Al­ter Bridge ge- spielt ha­ben. Es war zu­gleich auch die auf­wen­digs­te, da wir un­ter­wegs die bei­den Shows in Lon­don auf­zeich­nen woll­ten. Die DVD wird in Kür­ze er­schei­nen und be­glei­tend da­zu gibt es dann ei­ne Rei­he wei­te­rer Shows mit der Band. Wur­den bei­de Kon­zer­te in der Roy­al Al­bert Hall mit­ge­schnit­ten? Ja. Und bei­de Aben­de wa­ren glei­cher­ma­ßen groß­ar­tig. Es hat un­glaub­lich viel Spaß ge­macht mit ei­nem Orches­ter zu spie­len. Na­tür­lich muss­te man sich erst an ein paar Neue­run­gen ge­wöh­nen: Wir ha­ben ei­ni­ge Ton­ar­ten ge­än­dert, au­ßer­dem war der Sound der Band auf der Büh­ne na­tür­lich ein an­de­rer. An­sons­ten: Für mich ist in Lon­don ein Traum wahr ge­wor­den, denn die Orches­terar­ran­ge­ments hie­ven das Al­ter-bridge-ma­te­ri­al auf ein noch hö­he­res Le­vel. In wel­cher Hin­sicht? Was sind die of­fen­kun­digs­ten Un­ter­schie­de zu den Ori­gi­nal­ver­sio­nen? War der Spa­gat schwie­rig? Ehr­lich ge­sagt hat­te ich im Vor­feld mit mehr Schwie­rig­kei­ten ge­rech­net, aber die Orches­terar­ran­ge­ments wa­ren so per­fekt aus­ge­ar­bei­tet, dass wir uns als Rock­band ein­fach nur noch dran­hän­gen muss­ten. Die größ­te Schwie­rig­keit be­stand dar­in, wirk­lich durch­ge­hend auf ei­nem so ho­hen Ni­veau ab­zu­lie­fern, dass man mög­lichst vie­le Auf­nah­men ver­wen­den kann. Denn über­all stan­den Ka­me­ras her­um, die Tonauf­zeich­nung lief durch­ge­hend, und gleich­zei­tig war na­tür­lich auch Pu­bli­kum in der Hal­le, das un­ter­hal­ten wer­den woll­te. Das al­les in Ein­klang zu brin­gen, setz­te ei­ne ho­he Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit vor­aus.

Gab es zum Zeit­punkt der Lon­do­ner Kon­zer­te schon ers­te Skiz­zen für dein neu­es Stu­dio­al­bum ‚A Dying Ma­chi­ne‘? Ja, ich ha­be wie im­mer so­fort nach den Stu­dio­auf­nah­men zu ‚The Last He­ro‘ mit dem Song­schrei­ben für mein So­lo­al­bum be­gon­nen. Ich ar­bei­te ge­ne­rell so, dass ich di­rekt nach Fer­tig­stel­lung des ei­nen Al­bums mit dem Song­wri­ting des fol­gen­den an­fan­ge. Wie und wo schreibst du? Gibt es ei­ne be­stimm­te Um­ge­bung, ei­ne be­stimm­te Stim­mung, um krea­tiv sein zu kön­nen. Ge­ne­rell ist es im­mer bes­ser für mich, in ei­ner po­si­ti­ven Stim­mung zu sein, al­les an­de­re da­ge­gen ist ziem­lich egal. Zu­hau­se kom­po­nie­re ich nachts, wenn mei­ne Kin­der im Bett lie­gen, un­ter­wegs schrei­be ich in der Lounge des Tour­bus­ses, im Ho­tel, in mei­ner Gar­de­ro­be, über­all. So­bald ich et­was Zeit fin­de, set­ze ich mich hin und kom­po­nie­re. Wo­mit fängst du an, mit ei­ner Me­lo­die, ei­nem Riff, ei­ner Tex­t­idee? Im­mer un­ter­schied­lich. Manch­mal ha­be ich ei­ne Hook­li­ne im Ohr, oder ein Riff, ein an­de­res Mal schwirrt mir ir­gend­ei­ne Me­lo­die im Kopf her­um, die ich dann mit der Gi­tar­re um­set­ze. Ich rich­te mich im­mer nach den Din­gen, die mich in­spi­rie­ren, und das kön­nen die un­ter­schied­lichs­ten Sa­chen sein. Was hat dich in die­sem Fall be­son­ders in­spi­riert? Wor­in siehst du Un­ter­schie­de zwi­schen den frü­he­ren Al­ben und der neu­en Schei­be? Nun, ob­wohl es die glei­chen Band­mit­glie­der wie beim letz­ten Mal sind, war die Her­an­ge­hens­wei­se ei­ne völ­lig an­de­re. Dies­mal woll­te ich ein Kon­zept­al­bum schrei­ben und das be­deu­tet: Man muss Songs nach ei­ner vor­ge­ge­be­nen Sto­ry aus­rich­ten, was nicht im­mer ganz ein­fach ist. Des­halb ha­ben wir uns ei­ne ziem­lich teu­re Vor­pro­duk­ti­on ge­gönnt, um das Ma­te­ri­al auf Herz und Nie­ren zu prü­fen. Wie bist du auf die Ge­schich­te des Kon­zepts ge­kom­men? Ich schrieb den Ti­tel­song ‚A Dying Ma­chi­ne‘ und den Text da­zu, da­durch wur­de ei­ne Art La­wi­ne los­ge­tre­ten, die ich nicht wie­der stop­pen konn­te. ( lacht) Oder nicht stop­pen woll­te. Wür­dest du die Sto­ry als so­zi­al­kri­tisch be­zeich­nen? Nun, es geht ge­ne­rell um Men­sch­lich­keit. Und dar­um, wie wohl die Zu­kunft un­se­res Zu­sam­men­le­bens mit Ma­schi­nen und mit künst­li­cher In­tel­li­genz aus­se­hen könn­te. Es geht um die Fra­ge, ob Ma­schi­nen ir­gend­wann wohl wie Men­schen füh­len kön­nen und dann trotz­dem von uns nur wie Ma­schi­nen be­han­delt wer­den. Es geht um Trau­er und Ver­zweif­lung, und dar­um, ob sich dann wohl ei­ne gro­ße Trau­rig­keit auf die­se We­sen le­gen wird. Zu wel­chem Er­geb­nis kommt dei­ne Ge­schich­te? Denkst du po­si­tiv an die Zu­kunft, oder bist du eher skep­tisch? Ich per­sön­lich den­ke, dass es ein schlim­mes En­de neh­men könn­te, wenn man die­se Fra­gen nicht all­um­fas­send be­ant­wor­tet. Mei­ne Ge­schich­te ist zwar kei­ne trau­ri­ge, trotz­dem sieht es für die mensch­li­che Ras­se nicht son­der­lich gut aus. Du zwei­felst an den Fä­hig­kei­ten der mensch­li­chen Spe­zi­es? Mein fes­te Über­zeu­gung ist, dass es der mensch­li­chen Ras­se vor­be­stimmt ist, sich

selbst zu ver­nich­ten. Egal ob die in­dus­tri­el­le Re­vo­lu­ti­on, die Er­fin­dung nu­klea­rer Waf­fen, für mich ist die Mensch­heit ge­ne­rell auf Zer­stö­rung aus­ge­rich­tet. Wes­halb? Weil die Mensch­heit im­mer ter­ri­to­ri­al denkt. Und weil Men­schen sich per­ma­nent in Kon­kur­renz zu an­de­ren füh­len. Es gab im­mer schon schlim­me po­li­ti­sche Füh­rer, die nichts an­de­res im Schil­de führ­ten, als frem­de Län­der zu über­fal­len und dort die Men­schen zu un­ter­jo­chen. Es scheint, dass die­se ne­ga­ti­ve Cha­rak­ter­ei­gen­schaft zur mensch­li­chen Na­tur da­zu­ge­hört.

ge­ar

Kom­men wir zur Stu­dio­pro­duk­ti­on von ‚A Dying Ma­chi­ne‘: Mit wel­chen Gi­tar­ren hast du die Schei­be auf­ge­nom­men? Aus­schließ­lich mit mei­nen PRS Si­gna­tu­reGi­tar­ren. Ins­ge­samt wa­ren es 14, je­der Song hat ei­ne ei­ge­ne Gi­tar­re be­kom­men. Al­le Mo­del­le klin­gen wei­test­ge­hend gleich, der Un­ter­schied be­steht nur in der Art der je­wei­li­gen Brü­cke. Für die tie­fe­ren Tu­nings ha­be ich an­de­re Brü­cken ver­wen­det als bei Stan­dard-tu­nings. Ist auch dein neu­er Si­gna­tu­re Amp ‚MT 15‘ zum Ein­satz ge­kom­men? Ja, durch­ge­hend, spe­zi­ell bei den an­ge­zerr­ten Sounds, al­ler­dings mit­un­ter im Mix mit an­de­ren Ver­stär­kern, wie et­wa dem Corn­ford RK 100. 80% stam­men vom ‚MT 15‘, 20% vom Corn­ford. Bei den clea­nen Sounds war es vor al­lem ein Vic­to­ry V 40. Kannst du bit­te mal die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des ‚MT 15‘ er­zäh­len? Ger­ne. Wie du weißt bin ich ein ab­so­lu­ter Amp-fa­na­ti­ker. Ich samm­le Ver­stär­ker und be­sit­ze mitt­ler­wei­le ei­ne an­sehn­li­che Stück­zahl un­ter­schied­li­cher Mo­del­le. Mein gro­ßer Wunsch war, ei­nen ei­ge­nen Amp zu ent­wi­ckeln, der die Qua­li­tä­ten mei­ner liebs­ten Amps in sich ver­ei­nigt und zwar so­wohl hin­sicht­lich ver­zerr­ter als auch clea­ner Sounds. Bei den clea­nen Sounds ist es der Fen­der Twin, mit sei­nem of­fe­nen, strah­lend-kla­ren Sound. Er war al­so die Blau­pau­se für den clea­nen Sound des ‚MT 15‘. Dar­über hin­aus soll­te der Amp aber auch ei­nen et­was dre­cki­ge­ren Sound be­kom­men, des­halb gibt es die­sen Push/pull-po­ti, mit dem man den clea­nen Sound an­rau­en kann. Für den Gain-sound des Amps woll­te ich un­be­dingt 6L6-röh­ren, die man in an­de­ren klei­nen Tops nor-

ma­ler­wei­se nicht fin­det. Die meis­ten klei­nen Amps be­sit­zen nur klei­ne Röh­ren, ich aber woll­te un­be­dingt 6L6-röh­ren. Es gibt al­so zwei 6L6-tu­bes und ei­nen deut­lich grö­ße­ren Tra­fo als in sons­ti­gen klei­nen Amps. Der Sound soll ag­gres­siv und per­kus­siv zu­gleich klin­gen, au­ßer­dem soll er so­wohl für Rhyth­mus- als auch für So­lo­parts, in de­nen man viel Sustain braucht, ge­eig­net sein. Man fin­det nur ganz we­ni­ge Amps, die so­wohl die­sen knur­ren­den Rhyth­mus­sound als auch ei­nen vol­len, sin­gen­den Lead­sound be­sit­zen. Und ge­nau des­halb war dies un­ser Ziel. Wie lan­ge hat es vom ers­ten Pro­to­typ bis zum fi­na­len Amp ge­dau­ert? Ins­ge­samt zwei Jah­re. Wir fin­gen im Herbst 2015 an und hat­ten 2017 das fer­ti­ge Er­geb­nis. Wes­halb aber nur ein ver­hält­nis­mä­ßig klei­ner 15-Watt-amp, und nicht die für dich üb­li­che 50- oder 100-Wat­tVer­si­on? Weil ich mit ei­nem klei­nen, be­zahl­ba­ren Amp an­fan­gen woll­te. Ich ha­be lan­ge im In­ter­net re­cher­chiert und da­bei fest­ge­stellt, dass die­se klei­nen Amps mo­men­tan Kon­junk­tur ha­ben. Des­halb ha­be ich mir über­legt, dass dies der perfekte Ein­stieg in den Markt sein könn­te, näm­lich mit ei­nem klei­nen be­zahl­ba­ren Ge­rät. Al­ler­dings klingt der ‚MT 15‘ wie ein 50-Watt-amp. Au­ßer­dem ar­bei­ten wir zur­zeit an ei­ner 100-Watt-ver­si­on. Wir spre­chen dar­über nur noch nicht öf­fent­lich, um den Fo­kus nicht vom ‚MT 15‘ weg­zu­neh­men. Gibt es von der 100-Watt-ver­si­on schon ei­nen Pro­to­typ? Ja, ich ha­be ihn vor we­ni­gen Wo­chen zu mir nach Hau­se be­kom­men. Es wird in ei­ni­gen Mo­na­ten al­so ei­nen PRS ‚MT 100‘ ge­ben? Nein, in ein paar Mo­na­ten auf kei­nen Fall. So et­was dau­ert deut­lich län­ger. Au­ßer­dem kann es pas­sie­ren, dass es die­sen Amp nie­mals ge­ben wird, denn er wird nur dann ge­baut, wenn er zu 100% mei­nen Qua­li­täts­vor­ga­ben ent­spricht. Wie vie­le ver­schie­de­ne Pro­to­ty­pen gibt es, be­vor ein sol­ches Ge­rät in Se­rie geht? Vom ‚MT 15‘ ha­be ich drei Pro­to­ty­pen zu Hau­se. Es wür­de si­cher­lich noch ei­ni­ge mehr ge­ben, wenn ich nicht mehr­mals zur Fa­b­rik ge­flo­gen wä­re und dort mei­ne Än- de­rungs­wün­sche vor Ort er­klärt und di­rekt um­ge­setzt hät­te. Ich war al­le paar Mo­na­te dort und konn­te den Tech­ni­kern mei­ne Vor­stel­lun­gen di­rekt er­läu­tern, an­statt stän­dig ir­gend­wel­che Pro­to­ty­pen hin und her zu schi­cken. Die ers­ten Re­ak­tio­nen auf den ‚MT 15‘ sind sehr er­mu­ti­gend, nicht wahr? Ab­so­lut! Sie sind noch bes­ser, als ich per­sön­lich er­war­tet hät­te. Wirst du den ‚MT 15‘ auch mit auf Tour­nee neh­men? Ich den­ke, dass der ‚MT 15‘ völ­lig aus­rei­chend ist, wenn man in Bars oder klei­nen Clubs spielt. Aber für mich selbst muss es ein 100-Watt-amp sein, denn ich spie­le nicht mit In-ear-mo­ni­to­ring. Für Mu­si­ker, die auf In-ear schwö­ren, ist der ‚MT 15‘ per­fekt. Ich je­doch brau­che für die Büh­ne ei­nen 100-Watt-amp, ha­be den ‚MT 15‘ aber im­mer in mei­ner Gar­de­ro­be ste­hen. Wel­che Ef­fek­te hast du im Stu­dio für ‚A Dying Ma­schi­ne‘ ver­wen­det? Hast du sie di­rekt mit ein­ge­spielt oder wur­den sie nach­träg­lich hin­zu­ge­fügt? Ich spie­le die Parts grund­sätz­lich oh­ne Ef­fek­te ein. Beim Ein­spie­len gab es nur zwei Sounds: mit Gain und cle­an. Die Ef­fek­te wur­den von mei­nem To­n­in­ge­nieur an­schlie­ßend hin­zu­ge­fügt. Vie­les ba­siert auf den Sounds des Mi­cro POG, hin­zu kom­men ei­ni­ge Fuz­zy-ef­fek­te, und es gibt ein neu­es groß­ar­ti­ges Uni­vi­be, das ich ein­ge­setzt ha­be. Ins­ge­samt gin­gen wir aber ver­gleichs­wei­se vor­sich­tig mit Ef­fek­ten um. Das Meis­te stammt wirk­lich aus dem Mi­cro POG. Vie­len Dank für das Ge­spräch, ich drü­cke dir für den ‚MT 100‘ die Dau­men! n

fo­tos: mi­neur, na­palm

PRS SE Tre­mon­ti Si­gna­tu­re

Tre­mon­tis PRS Ba­ri­to­ne Hy­brid, Bau­jahr 2016

Tre­mon­tis PRS „Hea­ven & Hell" Cust­om, Bau­jahr 2016

Das Pe­dal­board der Al­ter-bridge-tour mit T-rex Oc­ta­vi­us, Dun­lop Uni-vi­be, Iba­nez TS808HW Tu­be Screa­mer und Mor­ley Mark Tre­mon­ti Po­wer Wah wird auf der Tre­mon­tiSo­lo-tour ähn­lich be­stückt sein

Tre­mon­tis Gi­tar­ren­tech­ni­ker Jeremy „Fros­ty“Frost

Tre­mon­tis neu­er Amp: Der MT15 von PRS.

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